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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 62 (1934)

136) 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1934. 
Da der Gefrierpunkt des Meerwassers mit wachsendem Salzgehalt sinkt, ist 
bei starkem Salzgehalt und hoher Temperatur die Möglichkeit der Eisbildung 
viel kleiner als bei geringem Salzgehalt und nmiedriger Temperatur, so daß wir 
schon daraus allein die stärkere Vereisung der Kaninküste erklären können. Es 
tritt als verstärkendes Moment aber noch die Wirkung der Bodengestaltung hinzu. 
Schon auf Seite 91 hatten wir die tiefe Rinne an der Murman—Terschenküste 
erwähnt, ebenso das der Kaninküste vorgelagerte flache Gebiet, Setzen wir nun 
überall gleiche Frostwirkung und vollständige Vertikalzirkulation der Wasser- 
massen bis zum Boden hin voraus, so wird der geringe Wärmevorrat der über 
dem flachen Gebiet befindlichen dünnen Wasserschicht sehr viel schneller erschöpft 
sein als der größere Wärmevorrat des salzreichen tiefen Wassers. Damit aber 
kann der eingangs erwähnte Unterschied in der Eisbesetzung von über 100 Tagen 
auf eine Entfernung von nur 90 Sm zwanglos erklärt werden. Damit ist aber 
auch die überaus starke Vereisung der Mesenbucht erklärt; denn gerade diese 
hatten wir als ein ausgedehntes sehr flaches und außerdem von sehr salzarmem 
Wasser bedecktes Gebiet kennengelernt. 
Tabelle 6 gibt die hydrographischen Verhältnisse des Bassins wieder, Die 
Daten entstammen einer Terminfahrt, die etwa zwei Wochen nach Verschwinden 
des letzten Eises von Archangelsk nach Kandalakscha ausgeführt wurde. Das 
letzte Eis verschwindet im Durchschnitt Ende Mai. Die nun schon langsam zu- 
nehmende Einstrahlung ruft auf den flachen Gebieten im Innern des Golfes von 
Archangelsk schon verhältnismäßig hohe Temperaturen hervor, während der Golf 
von Kandalakscha erheblich höheren Salzgehalt, infolge der großen Tiefen aber 
niedrigere Temperaturen aufweist. 
Tabelle 6. SE—-NW-Schnitt Mudjug-—Kandalakscha?}. 
Datum |Station| 
Nr. 
3 Juni 1925 
4 Juni 1925 
6. Juni 1925 
9. „ 1925 
Gelotete 
Tiefe 
Position 6°C |S %o 
Nord-Breite| Ost-Länge lan derOberfäche 
64° I 
£ 65° 5 
70 65° 12 
13 65° 19 
“Q 65° 26 
4 65° 32 
7 65° 40 
37 85° 50’ 
278 65° 58 
304 66° 4 
270 © 36° 19 
235 | %° 22 
289 66° 3l' 
100 66° 38 
83 66° 47 
‚6 45 66° 57 
17 11 67° N 
Oo 
390 377 
39° 11 
38° 44 
28° 15 
9 5 
70 04 
50 41 
59 12 
590 43 
39% & 
£2 33 
409 11° 
239° 40 3,5 
+39 & 3.8 
320 48 4,8 
2390 34 5.5 
2.81 
8.13 
18.33 
20.63 
19,96 
20.86 
26.91 
26.98 
26.78 
26.49 
26.04 
26.22 
25.10 
25.08 
23.48 
21.82 
864 
OÖ 
1,35 
5 
’ 
Bemerkungen 
bei Mudjug 
(Golf von Onega 
King ang in den Golf von 
Kandalakscha 
Bucht von Kandalakscha 
Im Bereich der Zone des maximalen Salzgehalts erfolgt der Einstrom des 
Ozeanwassers. Dieses bewegt sich, wie Derjugin®) gezeigt hat, bis an die 
karelische Küste heran, biegt hier nach Süden ab und flutet mit seiner Haupt- 
masse gegen die Solowetzki-Inseln. Ein Teil dringt, an der Pomorküste entlang 
fließend, in den Golf von Onega, ein anderer an der Sommerküste in den Golf 
von Archangelsk ein. Auf den rechten Ufern fließt das Süßwasser der hier ein- 
mündenden Ströme aus. In jedem Golf wird so ein gegen den Uhrzeigersinn 
gerichteter Wirbel gebildet, der sich bei einem Schnitt quer durch den Golf 
durch eine von links nach rechts gerichtete Abnahme des Salzgehalts bemerkbar 
machen muß. Tabelle 7 bestätigt diese Erscheinung für den Golf von Archangelsk; 
für den Golf von Onega ist kein passender Schnitt vorhanden. Ebenfalls geht 
4) Leningrad. Obs, Hydr,-Met. 1925. 8. 24—27, — 2) K, M. Derjugin. Fauna d. Weißen Meeres 
ü. Yhre, Esntonzbedlingungen. Explor. des Mers Russes. Fasc. 7—8, Leningrad 1928, Siehe dessen 
Karte S. 169.
	        
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