39
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1933.
Neuere Veröffentlichungen.
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben,
Polarbuch. Neue Forschungsfahrten in Arktis Rückens nach links ab und kebrt in das Nor-
und Antarktis mit Luftschiff, U-Boot, wegische Meer zurück, während das in das Polar-
Schlitten und Forschungsschiff. Mit volks- meer vorgedrungene Wasser sich langsam nach
tümlichen Beiträgen von H. U. Sverdrup, Nordwesten ausbreitet mit Stromgeschwindigkeiten
K. Wegener, J. Hjort, A. Defant, L. Weick- von 1 bis 2 cm/sec, Im Tiefenwasser wurde bis
mann, L. Breitfuß. Erster Band von: Das 3000 m eine überdiabatische Temperaturzunahme
Meer in volkstümlichen Darstellungen, her- festgestellt ;z da aber gleichzeitig der Salzgehalt zu-
ausgegeben vom Institut für Meereskunde unter nimmt, ist die Lagerung gerade noch stabil. Es
Schriftleitung von Georg Wüst. 130 S., stellt sich als wahrscheinlich heraus, daß das Tiefen-
60 Abbildungen auf Tafeln und zahlreichen Text. und Boden wasser des Polarmeeres zwischen Spitz-
figuren. Berlin 1933. E. S. Mittler & Sohn, bergen und Grönland in einer Tiefe von 1100 bis
Preis geb. 4,580 RM, 1500 m aus dem Norwegischen Meere einströmt.
Die seit 1907 erscheinende Sammlung von im Gegen die Bildung des Tiefenwassers im Polarmeer
Institut für Meereskunde gehaltenen volkstümlichen selbst spricht der hohe Sauerstoffgehalt des Wassers,
Vorträgen ist mit Veröffentlichung des 18, Bandes der darauf schließen läßt, daß das Tiefenwasser
abgeschlossen worden; damit sind insgesamt 20€ des vom „Nautilus“ untersuchten Gebietes erst vor
einzelne Vorträge weiteren Kreisen zugänglich ge- kurzer Zeit in das Polarbecken eingeströmt ist und
macht. An Stelle der voneinander unabhängigen stets erneuert wird, So war es trotz der ungün-
Hefte der einzelnen Jahrgänge sollen fortan inhalt. stigen Verhältnisse möglich, die Anschauungen über
lich zusammengehörige Vorträge unter einem Ober. lie Ausbreitung des atlantischen Wassers in das
jitel zusammengefaßt und in Buchform heraus Polarbecken zu vertiefen und zu erweitern. —
zegeben werden. Der erste Band dieser neuen Außerdem wurden an fünf Stationen Schwere-
Veröffentlichungsreihe „Das Meer in volkstümlichen messungen und an einer magnetische Beobachtungen
Darstellungen“ liegt nun vor, es enthält sechs ausgeführt.
Aufsätze über polare Expeditionen und mit den Der von Kurt Wegener verfaßte Bericht
polaren Gebieten zusammenhängende Fragen über „Die Deutsche Grönlaod-Expedition Alfred
H. U. Sverdrup gibt die erste ausführlichere Wegener“ kann schon wegen seines geringen Um-
Darstellung der auf dem Unterseeboot „Nautilus‘ fanges (9 S.) nur eine Skizze sein und kein voll-
auf seiner Expedition in die spitzbergischen Ge- ständiges Bild der geleisteten Arbeit und über-
wässer gesammelten Erfahrungen und wissenschaft. wundenen Schwierigkeiten geben, In der Beurteilung
lichen Ergebnisse. Wenn auch das von Wilkins der mit der Stavion „Eismitte“ zusammenhängenden
gesteckte Ziel, eine ausgedehnte Fahrt unterhalb Fragen ist die Darstellung mehrfach abweichend
des Fisea zu unternehmen, nicht erreicht wurde, von den in dem schönen Buche von Else Wegener
and selbst ein nur einmaliger Versuch unter dem ‚Alfred Wegeners letzte Grönlandfahrt‘“ vertretenen
Fise zu fahren und in einer Wake wieder aufzu- Auffassungen. Man wird mit großem Interesse der
tauchen, wegen Verlustes des Höhensteuers unmög: bereits angekündigten, ebenfalls von Kurt Wegener
lich wurde. so ergab sich doch bei einem geglückten verfaßten Darstellung des Reiseverlaufes im Expe-
Versuch, das U-Boot wenigstens mit seiner vorderen ditionswerke entgegensehen können.
Hälfte unter das Eis zu bringen, daß es sehr wohl Einen sehr klaren Überblick über die mit dem
möglich ist, von unten eisbedeckte und eisfreie Walfischfang zusammenhängenden Fragen gibt
Wasserflächen zu unterscheiden, eine der Haupt- Johan Hjort in seinem Vortrag „Wal und Wal-
voraussetzungen für das Gelingen einer Polar- lschfang“. Bei der Diskussion der Frage der
expedition mit dem U-Boot überhaupt. — Die weiteren Entwicklung des Walfanges in den antark-
ausgeführten Echolotungen ermöglichen die Aus- tischen Gebieten gelangt Hijort zu der Auffassung,
dehnung der Tiefenkarte nach Nordwesten, doch daß eine Ausrottung des Wales nicht zu befürchten
ist die wichtige Frage, ob Spitzbergen und Nord- ist, da die ungeheuren Ausgaben für die Fang-
grönland durch einen unterseeischen Rücken mit expeditionen diese zum Aufhören zwingen, bevor
weniger als 1000 m Tiefe verbunden sind, noch der Bestand so stark reduziert ist, daß Gefahr für
nicht entschieden; es erweckt den Anschein, als ob ein Weiterbestehen droht.
der sich von Spitzbergen in nordwestlicher Rich- Die Ursache des Auftretens von Eisbergen in
tung erstreckende Rücken im westlichen Teil er. der Gegend der Neufundland-Bank und die Ein-
heblich nach Norden umbiegt, da unter 801/,° N-Br. wirkung des Eises auf die Temperaturverhältnisse
südlich der Schwelle noch Tiefen über 3000 m der Wassermassen des nördlichen Atlantischen
erlotet wurden und außerdem der Rücken weiter Ozeans behandelt A. Defant in einem „Eisberge
westlich bei etwa 1500 m Tiefe hinabsinkt. Die und Eissicherungsdienst im Nordatlantischen Ozean“
ozeanographischen Beobachtungen wurden mit Er- betitelten Vortrage, in dem die wichtigen Ergebnisse
folg von einer Tauchkammer aus durchgeführt der „Marion”-Expeditioo eine eingehende Berück.
anter Anwendung von komprimierter Luft, Die «ichtigung gefunden haben,
Wasserfläche, von der aus gearbeitet wurde, lag In den beiden letzten Vorträgen behandeln
etwa 3 m unter der Wasseroberfläche. Die auf L. Weickmann „Die Polarfahrt des Graf Zeppelin
neun Stationen ausgeführten Serienbeobachtungen im Juli 1931“ und L. Breitfuß „Der nordsibirische
lassen einige wichtige Schlüsse zu auf die Wasser- Seeweg, seine Naturverhältnisse und praktische
bewegungen aus dem Europäischen Nordmeere in Ausnutzung“,
das Nordpolarbecken hinein, Für 100 m Tiefe Gut ausgewählte Abbildungen und zahlreiche
gelang es, eine Darstellung der Wasserbewegungen Textfiguren beleben die Darstellung. Leider sind
zu geben. Das atlantische Wasser bewegt sich die Zahlen und Signaturen auf der kartographischen
hauptsächlich am Rande des kontinentalen Schelfes Darstellung des Reiseweges der „Nautilus“-Expe-
entlang in das Nordpoljarbecken hinein. Ein Zweig Iition zu klein und yerwischt, um lesbar zu sein. —
biegt schon südlich des Spitzbergen—Grönland- Zusammenfassend sei gesagt, daß das Buch einen