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Full text: 61, 1933

30 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1933. 
außerordentlichen Luftklarheit kann man auch die feinsten, oft nur hauchdünnen 
Cirren erkennen, die sich alle unterhalb des Perlenbandes, und nur da, langsam 
östlich schieben, In etwa 50° Höhe hören plötzlich alle Wolken auf. Doch ist 
dem nur scheinbar so. Das Sonnenlicht blendet stark, so daß nur sorgfältiges 
Beobachten dem Auge mehr verrät. An die Eiswolken anschließend, über den 
Zenit hinweg bis zum Westhimmel nach etwa 60° Höhe ist die blaue Farbe des 
Himmels etwas verblichen. Dieser ganze Raum ist von sehr hochstehenden, 
hauchdünnen Wölkchen ausgefüllt, die man nicht als Schäfchenwolken bezeichnen 
kann, die aber auch in keine andere Bezeichnungsform der Cirren hineinpassen. 
Würden diese feinen Wölkchen dicker sein, bekäme man ein Schachbrettmuster 
zusammen, wenn man auf die gleiche Größe aller Felder keinen Wert legt. 
Der nordwestliche Himmel ist wolkenlos und von einem klaren Blau. Am 
Horizont lagern ringsherum gewöhnliche Cumuli von weißgrauer Farbe, die, wie 
angegeben, etwa 2/., der Bewölkung ausmachen.“ 
Von Herrn Dr. Lohr (Wetterflugstelle Hamburg bei der Deutschen Seewarte) werden zu der 
vorstehenden Schilderung folgende Bemerkungen gemacht: 
Bei Höhenaufstiegen, die sich auf über 5000 m Höhe erstreckten, wurde nicht selten die Beob- 
achtung gemacht, daß alles ringsum von Eisnadeln erfüllt war, die in Form von lang herabhängenden 
Vorhängen, ähnlich den Wolkenfallstreifen, angeordnet waren. Von unten gesehen, Sabıen dann diese 
Eisnadelwände oft das Aussehen von Ci mit Windhaken, Diese Eisnadelwände bedecken häufig einen 
zroßen Teil des Himmels, wobei aber nur der Teil nach dem Horizont zu infolge der Reflexionen an den 
Eiskristallen vom Erdboden aus aufgehellt erscheint und damit als weißer Ci erkennbar ist je nach dem 
Sonnenstande, Die Teile nach dem Zenit zu erscheinen hingegen hauchartig dünn als durchsichtige Schleier, 
da besonders bei zenitalem Sonnenstande das Licht direkt hindurchdringen kann. Meist ist in Verbindung 
mit dieser Ci-artigen Eisnadelansammlung weit oberhalb richtiger Ci besonders in Form von Cieu vorhanden. 
Die obengenannte Erscheinung, die bei Übersättigung bis zu 5000 m herabreichen kann, muß 
wohl zu dem Sammelbegriff Ci gezählt werden. Oft haben auch hohe Dunstballen am Himmel fast 
das Aussehen von Cist. Bei genauer Betrachtung erkennt man aber den Unterschied von den oben 
geschilderten hauchartigen Eisnadelansammlungen, da der Dunstansammlung jegliche Struktur fehlt, 
6. Die Seeschiffahrt bei Nebel. In einer Abhandlung „Neue Ziele im Siche- 
rungswesen der Seeschiffahrt bei Nebel“) zeigt Herr Dr. Rothe mögliche Wege 
auf, die durch neuere Erkenntnisse auf dem Gebiete der Physik und durch Fort- 
schritte auf dem der Technik in nicht zu ferner Zukunft beschreitbar erscheinen. 
Ich möchte im folgenden einige praktische Ergänzungen machen, einmal, wie 
sich die Einführung an Bord gestalten wird unter Berücksichtigung der ver- 
schiedenen Fälle der Nebelfahrt, dann in bezug auf den Ausbau schon vorhandener 
Hilfsmittel zum Zwecke des Nebeldienstes. 
I. Akustische Methoden, Die Einführung von Membransendern dürfte an den 
sehr großen Kosten scheitern und an den Schwierigkeiten der Abschirmung von 
Sender und Empfänger. Die Wirkung solcher Anlagen hängt überdies vom Tief- 
gyang der Schiffe ab, so daß sie wahrscheinlich nur für große Fahrzeuge in 
Frage kommen. Voraussetzung aller Nebelinstrumente ist aber die Anwendbar- 
keit für alle Schiffe, Die Schwierigkeiten der Abschirmung werden vermindert, 
wenn man zur Anwendung der Ultraschallwellen, wie sie im Debeg-Lotgerät nach 
Langevin-Chilowsky stattfindet, übergeht. Für dieses Gerät wird ein einziger 
Apparat abwechselnd als Empfänger und Sender benutzt. Fernerhin ist eine 
Richtwirkung, eine starke Bündelung der Strahlung möglich, 
II. Optische Verfahren. Die Einführung von Lichtarten, die ein besonders 
starkes Nebeldurchdringungsvermögen besitzen, stellt einen großen Fortschritt 
dar. Handelt es sich indessen um Sender. und Empfangssysteme von einiger- 
maßen kompliziertem Aufbau, so können abermals für die Bordbrauchbarkeit 
unüberwindliche Schwierigkeiten entstehen, hervorgerufen insbesondere durch 
Seegang, Luftfeuchtigkeit usw. Auch ist die Kostenfrage ausschlaggebend. 
III. Hochfrequenzmethoden. Es gibt wohl kein Instrument, welches in so 
kurzer Zeit und in so großem Umfange seine Bordbrauchbarkeit erwiesen hat 
wie der Funkpeiler, so daß man sagen kann, daß er gegenwärtig das Nebel- 
instrument darstellt, Er gestattet jederzeit die Richtung eines Senders, der nicht 
allzuweit entfernt ist, mit genügender Sicherheit auszumachen. Man benutzt ihn 
gegenwärtig zur Navigation bei Nebel nach festen Funknebelsignalsendern. Man 
benutzt ihn nur in Ausnahmefällen zur Richtungsbestimmung beweglicher Sender. 
ı Ann, d. Hydr, usw. 1932, 8. 306,
	        
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