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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 61 (1933)

74 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1933, 
soweit dieses bei der zur Größe des Meeresraumes verschwindend kleinen Anzahl 
yon insgesamt bisber 68 Bestimmungen möglich ist. 
Aus den gesamten Bestimmungen der drei Forscher geht bereits schon jetzt 
mit Bestimmtheit hervor, daß der Radiumgehalt des Meeresbodens erheblich 
höhere Werte aufweist, als wir sie auf dem Festlande im allgemeinen zu finden 
gewohnt sind. Während der Durchschnittsgehalt von Granitfelsen zu etwa 
2,5 X 107 g pro Gramm Fels angenommen werden kann und der entsprechende 
Wert für Basalt etwa 1X 107% g beträgt, erreicht der Durchschnittswert aller 
obenerwähnten 68 Bestimmungen an Meeressedimenten den außerordentlich hohen 
Betrag von 11.76 X 1071 g pro Gramm Trockenmaterial, Die höchsten Werte 
steigen sogar bis auf über 50 X 10—1 hinauf, 
Nach Ansicht der verschiedenen Untersucher kommen für die Erklärung 
dieses hohen Radiumgehaltes am Meeresgrunde folgende Überlegungen in Betracht, 
Es ist denkbar, daß das Meeresplankton die im Meerwasser gelösten Radiumsalze 
(Größenordnung: weniger als 0.02 X 107 g/cem) oder die in dieser Hinsicht 
gleichwertige Muttersubstanz des Radiums, das Uran, bevorzugt adsorbiert, und 
daß die radioaktive Substanz nach dem Tode der Lebewesen mit ihren unlöslichen 
Skeletten zu Boden sinken und so den hohen Gehalt der Meeressedimente ver- 
ursachen. Gegen diese Annahme spricht jedoch der Umstand, daß einmal der 
Durchschnittsgehalt an Radium von „Rotem Ton“, welcher vorwiegend mineralischen 
Ursprungs ist, nach den vorliegenden Untersuchungen etwa dreimal so groß ist 
als der Radiumgehalt von Globigerinenschlamm, und daß weiter der Radium- 
gehalt mit der Annäherung an die besonders plankton- und detritusreiche 
Küstenregion bis zu den Werten abnimmt, wie wir sie auf dem Festlande finden. 
H, Pettersson nimmt daher an, daß für den hohen Radiamgehalt am Meeres- 
boden unterseeische Vulkane verantwortlich zu machen sind. Er glaubt, daß bei 
den einzelnen Ausbrüchen an der Grenzfläche zwischen der glutförmigen Lava- 
masse und dem Meerwasser besonders starke hydrolytische Vorgänge einsetzen, 
als deren Endprodukt ein stark radium- oder uranhaltiger Rückstand übrigbleibt. 
Diese Erklärung erscheint C. S. Piggot jedoch wegen des hierbei ange- 
nommenen recht hypothetischen und unkontrollierbaren Reaktionsmechanismus 
allzu unwahrscheinlich. Er nimmt vielmehr an, daß die Hauptursache für den 
hohen Radium- oder Urangehalt der Meeressedimente in dem chemischen Ver- 
halten der Uranverbindungen zu suchen ist. Bekanntlich sind die Elemente 
Uran, Eisen und Mangan insofern untereinander verwandt, als ihre Oxyde zu 
den unlöslichsten ihrer Verbindungen zählen. Nimmt man an, daß der Gehalt 
an Uran im Meerwasser — berechnet aus dem Radiumgehalt — die Größen- 
ordnung von 6 X 10— g/cem beträgt, so ist verständlich, daß bei dem hohen 
Sauerstoffgehalt des Meerwassers am Boden der Ozeane das Uranoxyd seine 
Sättigungsgrenze erreicht und zum Ausfallen gezwungen wird, genau so wie wir 
es bereits von den in Knollenform am Boden der Tiefsee sich abscheidenden 
Oxyden des Eisens und Mangans her kennen, Vulkanischer Staub, Detritus und 
Skelette von abgestorbenen Planktonorganismen beeinflussen dann weiter erst in 
zweiter Linie den Radiumgehalt, indem sie als „Verdünnungsmittel“ wirken. 
Bei der großen Bedeutung, die der Erforschung der Radioaktivität für all- 
gemein geophysikalische und bei einer vielleicht größeren Dicke der radioaktiven 
Schicht am Meeresgrunde auch für meereskundliche Fragen zukommt, gibt 
CC. 8, Piggot der Hoffnung Ausdruck, daß die Untersuchung der obigen Fragen 
für die Zukunft mehr in den Vordergrund des Interesses gerückt und weiter 
ausgebaut werden möge. K. Kalle. 
2. Bine neue Berichtigungsformel für das Tiefsee-Umkippthermometer. 
Durch einen freundlichen Hinweis von Herrn Professor Dr. Maurer wurde der 
Unterzeichnete auf eine neue Formel aufmerksam gemacht, die Herr Koji 
Hidaka (Kaiserliches Marine-Observatorium, Kobe) für die Berichtigung von 
Kippthermometerablesungen angegeben hat!), Es bezeichne T die Ablesung am 
+) K. Hidaka, Über eine neue Korrektionsformel zur Umkippthermometerablesung. Memoirs 
of the Imperial Marine Observatory, Kobe, Japan. Vol. V, Nr. ]. 1932, 8. 11.
	        
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