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Full text: 61, 1933

’o 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1933, 
Wasser heraus, der weitaus größte Teil ihres Gebietes ist unter den Wasser- 
spiegel getaucht und Watt geworden. In Wirklichkeit ist die ganze Insel vom 
Wasser überflutet; denn die genannten Inseln sind mit einer Ausnahme keine 
Reste alten Festlandes, sondern lediglich hohe Ufersandbänke des Meeres. Die 
alte Insel Bant war eine Marscheninsel. Selbstverständlich muß sich, wie an 
allen Meeresufern unserer Küste, eine westöstlich streichende Dünenkette am 
Nordstrande des Alten Bant hingezogen haben. Der Kern der Insel bestand 
jedoch aus Marsch- oder Moorboden, wie die Bohrungen auf dem Memmert gezeigt 
haben, Das damalige „Maifeld“, die Ackeroberfläche, liegt heute unter Spring- 
niedrigwasser, Als letzter Rest des alten Bodens hat noch bis nach 1743 die 
kleine Marscheninsel Bant, die südlich von Juist im Watt lag, über dem Wasser- 
spiegel emporgeragt, Bekanntlich ragen die Ufer von Fluß und Watt als besonders 
erhöhte Rücken in jeder Marsch heraus, weil auf ihnen die Hauptmasse des vom 
Wasser mitgeführten Tons sich absetzt. Wir müssen daher annehmen, daß dieser 
letzte Rest des alten Bant auch ein Stück eines Uferrückens gewesen ist, Da an 
der Stelle nur die alte Osterems in Frage kommt, haben wir somit einen Anhalt 
für ihren Verlauf. Vgl. Karte 1, 
Die Restinsel Bant ist ein völlig anderer Begriff als die alte große Insel 
der Römerzeit und des frühen Mittelalters; die ist jetzt verschwunden. Ebenso 
verschwindet die alte Osterems; ihre einzelnen Teile heißen heute: Westerbalje, 
Bantsbalje und vielleicht Wichter Ehe, lauter Wasserarme, die zwar an der mut- 
maßlichen Stelle der alten Osterems liegen, die jedoch organisch alle ihr eigenes 
Leben führen und nichts mehr mit der Ems zu tun haben (außer der Wester- 
balje). Dafür taucht der Name „Neue Ems oder Oster-Ems“ in den Urkunden 
auf, und als Osterems wird nunmehr bekanntlich der Durchbruch zwischen 
Borkum und Juist bezeichnet. Für die von uns so genannte alte Osterems, 
zwischen dem alten Bant und dem Festlande, kennen wir aus den Urkunden 
keine Bezeichnung. 
Bis zu der geschilderten Auflösung des alten Bant (zwischen 1100 und 1398) 
hatten wir nur mit der Westerems zu tun. Dort standen sich zwei Kräfte 
gegenüber: die Wirkung der Ebbe, die die Mäanderbogen noch stärker aus- 
arbeitete, und die Wirkung der Flut, die die Bogen von See her durchbrach. 
Mit der Auflösung des alten Bant spaltet sich rechts ein Nebenarm ab, die neue 
Osterems. Dieser Vorgang konnte nicht ohne nachhaltige Folgen bleiben. Das 
Ebbewasser mußte, wenn es von Delfzyl her nach Norden strömte, fortan dazu 
neigen, über die trennende Schwelle aus der Westerems in die Osterems hin- 
überzutreten und die Schwelle durch seine Strömung abzutragen. Die Geschichte 
des Emder Handels (8, 9) bestätigt das. Wir erfahren, daß die Osterems als Fahr- 
wasser der Westerems völlig gleichgeordnet war. Tiefenangaben auf Seekarten 
stehen leider erst seit 1623 für die Westerbalje zur Verfügung (29). Damals sind 
3 Faden, etwa 6 m, auf der Schwelle, der Westerbalje eingetragen (1888 nur noch 
3 m, s. unten). 
Bei jeder Flut, besonders aber bei Sturmfluten aus nördlicher Richtung, 
mußten andererseits große Wassermengen aus der Osterems in die Westerems 
übertreten, deren Wirkung verheerend war. Gatje und Dollart, die im Bereich 
der Osterems liegen, werden durchstoßen. 
Dukegat und Randzelgat lagen unterhalb der Gabelungsstelle der beiden 
Emsmündungen, waren daher nur dem Flutstoß der einen Hälfte, der Westerems, 
ausgesetzt. Ihr Durchbruch ist erst später eingetreten, Als dann aber schließlich 
doch das Dukegat durchbrach, begann das letzte Stadium der Entwicklung. 
Das Ebbewasser, das aus der Delfzyler Rinne und aus dem ostfriesischen Gatje 
kam, floß durch das Dukegat ab und blieb in der Westerems, westlich von 
Borkum, während es vor dem Durchbruch des Dukegats dazu geneigt hatte, in 
die Osterems hinüberzutreten, Die Osterems, wie auch das Pilsumer Fahrwasser, 
verloren an Bedeutung, und die Schwelle zur Osterems, die Westerbalje, ver- 
MNachte, 1888 ist sie nur noch 3 m tief (1623 war sie 3 Faden = etwa 6 m tief.) 
Dadurch wurde auch die Wirkung des aus der Osterems eindringenden 
Flutstroms immer schwächer. Die Osterems trat damit wieder zurück aus der
	        
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