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Full text: 61, 1933

Windberg, F.: Zur Geschichte der Unterems, 
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Mit der Westerems ist die Osterems organisch aufs engste verbunden. Ihre 
Geschichte ist zugleich auch die Geschichte der Inseln Borkum, Juist, Norderney, 
Bant und Buise(s). Um Chr. Geb. lag, wie diese Arbeit gezeigt hat, die Ems- 
mündung noch weit draußen, und die Flut drang nicht viel weiter als bis zu 
der Stelle des heutigen Borkum flußaufwärts. Damals lag an der Mündung der 
Ems eine sehr große Insel; die Römer nannten sie Burchana, Byrcehanis, die 
Deutschen Bant. Es ist anzunehmen, daß die ganze Insel den Namen Bant trug, 
der an der Nordseeküste mehrfach vorkommt, während die einzelnen Siedlungen 
auf ihr Borkum, Juist usw. hießen. 
Etwa bis zum Jahre 1100 wird die Insel Bant als geschlossene Einheit 
erwähnt [vita Liudgeri von Altfried, um 800 und bei Adam von Bremen, um 
1100(8)]. Aber in einer Urkunde von 1398 ist Bant in eine Reihe von einzelnen 
Inseln aufgelöst. 
Die Lage der alten großen Insel Bant in der Römerzeit ist durch folgende 
Angaben näher bestimmt: 
Ihr Nordufer lag sehr weit draußen in der Nordsee. Am Westufer floß die 
Ems, das Ufer zog sich also wohl wie der heutige Emslauf von SO nach NW. 
Das Südufer hat zwischen der kleinen Restinsel Bant und dem heutigen Fest- 
land gelegen (vgl. Karte 1). Der trennende Wasserarm ist, wie die geologische 
Karte zeigt (20, 21, %), nicht durch das heutige Festland von Ostfriesland hin- 
durch geflossen, wie man früher meinte(7). Er muß vielmehr etwa der heutigen 
Westerbalje und Bantsbalje gefolgt sein. Dann hat er das heutige Norderney 
östlich des Ortes durchschnitten. Denn die Insel hieß 1398 Osterende, zu ergänzen 
wohl: des alten Bant. Er erreichte weit draußen im Norden irgendwo das Meer. 
Der Wasserarm muß in der Gegend von Pilsum am schmalsten gewesen sein. 
Denn Bant gehörte zu demselben Verwaltungsbezirk wie Pilsum, zum Federgau. 
Der Wasserarm zweigte sich von der Westerems ab und floß im Norden ins 
Meer, es war also ein Mündungsarm der Ems, eine „Osterems“, Sie hat jedoch 
nicht das geringste zu tun mit der heutigen Osterems, wie gleich gezeigt 
werden wird, 
O. Jessen nimmt an(ı1), daß in der Nordsee einmal in nicht allzu ferner 
Zeit völlig andere Gezeitenverhältnisse geherrscht haben. Die Flut kam damals 
von Nordosten her auf die ostfriesische Küste zu statt von Westen her, wie sie es 
heute tut. Als dann infolge des Kanaldurchbruchs die Flutwelle mehr und 
mehr von Westen her kam, schwenkten die Mündungen der Flüsse ihr entgegen 
um. Das würde für die Ems bedeuten, daß erst die Osterems allein da war. 
Dann ist später die Westerems als Abzapfung entstanden, und schließlich ist die 
Osterems als Träger der Gezeiten völlig zurückgetreten hinter der Westerems., 
Unsere Untersuchung hat dazu folgendes gezeigt: Soweit wie unsere Quellen 
zurückgehen, haben wir es immer mit zwei Mündungsarmen der Ems zu tun, 
der Westerems und der ersten Osterems. Die früheste Nachricht, die wir haben, 
ist die, daß zur Römerzeit an der Emsmündung -die Insel Burchana, Bant 
gelegen hat, daß es also beide Mündungen gab(e,ı7). Von einer Alleinexistenz 
der Osterems wissen wir nichts. Es gibt weiter keinen Anhaltspunkt, um die 
Frage zu entscheiden, welcher Arm um Chr. Geb. der stärkere gewesen ist, Es 
kann nicht die Aufgabe einer Spezialuntersuchung sein, zu einem die ganze 
südliche Nordseeküste umfassenden Problem Stellung zu nehmen. Hier kann 
nur festgestellt werden, daß der Zeitpunkt des Umschwenkens der Flußmündung 
bei der Ems vor Beginn unserer Zeitrechnung gelegen haben muß. Um Chr. Geb, 
war die Umschwenkung im heutigen Sinne schon beendet, 
Die alte Osterems, die die alte Insel Bant vom Festlande scheidet, war mit 
dem Fortschreiten der säkularen Küstensenkung allmählich neben der Westerems 
zum Träger der Gezeiten geworden und hatte sich verbreitert und den Charakter 
einer Meeresbucht angenommen. 
In der erwähnten Urkunde von 1398 (Ostfries, Urkundenbuch I 167) finden wir 
eine völlig neue Lage. Die alte Insel Bant oder Burchana existiert nicht mehr, 
sie ist völlig zerstört. Nur geringe Reste ihres Gebietes ragen in Gestalt der 
neute noch bekannten Inseln Borkum, Juist, Norderney, Bant, Buise aus dem
	        
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