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Full text: 61, 1933

Windberg, F.: Zur Geschichte der Unterems, 
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wäre, so hätte Faber ihn bestimmt als Richtweg eingezeichnet, weil er die Fahrt 
nach Emden erheblich abkürzt. 
Es läßt sich nunmehr mit Sicherheit sagen, daß das Dukegat zu Fabers 
Zeiten als Durchbruch noch nicht existiert hat. 
Flußabwärts finden wir noch erstaunlichere Änderungen. Die Ems fließt 
zwischen dem Rottumer Watt und dem Randzel hin, und von der Möwensteert- 
plate wie vom Randzelgat finden ‚wir keine Spur auf der Karte. Auch in der 
Segelanweisung werden sie nicht erwähnt, sie sind einfach nicht vorhanden. 
Einzig ein von NW in den Randzel einschneidender kurzer Priel könnte allen- 
falls als Ansatz zum Randzelgat gedeutet werden. 
Zu Fabers Zeit 1642 gab es also wohl schon das ostfriesische Gatje als 
Fahrwasser, die beiden weiter abwärts liegenden Durchbrüche, Dukegat und Randzel- 
gat, waren noch nicht vorhanden, Den Namen Dukegat führt ein toter Arm, das 
Emshörn ist noch ein wirkliches „Hörn“, eine Ecke, die in die Ems vorspringt, 
Nach diesen Feststellungen verlohnt es sich, die älteste Seekarte, die des 
Wagenaer von 1584, unbeschadet ihrer oben besprochenen Mängel, zum Ver- 
gleich heranzuziehen. Wagenaer gibt allerdings nur die Großschiffahrtsrinnen, 
alle anderen läßt er fort. Auch er gibt, genau wie Faber es 60 Jahre später 
getan hat, die Ems als einen geschlossenen Fluß. Als Nebenrinne hat er wie 
Faber bloß das ostfriesische Gatje. Vom Dukegat und Randzelgat ist bei ihm 
wie bei Faber keine Spur. Es sei nebenbei erwähnt, daß das Gatje bei Wagenaer 
nur 2 Faden tief ist gegen 3 Faden bei Faber, daß es also noch in der Ent- 
wicklung stand. Ihres Alters wegen sei auch die Emskarte von Willemsen 
van Hollesloot (1588) genannt. Sie ist in ihrem Maßstab zwar haarsträubend 
verzeichnet, gibt aber deutlich erkennbar dasselbe Fahrwasser wie Wagenaer: 
eine Ems, dazu das Gatje und sonst keinen Nebenarm. Der Seespiegel von 1623 
ist in der Zeichnung der Umrisse für die Ems nicht selbständig, seine Ab- 
hängigkeit von Wagenaer ist nicht zu verkennen. Nur die Tiefenangaben 
sind selbständig. 
Nachdem wir, soweit unsere Quellen es erlauben, an das Anfangsstadium der 
Entwicklung zurückgegangen sind, erübrigt es sich, alle Stadien des Übergangs 
einzeln aufzuzählen. Wir beschränken uns darauf, aus der großen Zahl von 
Seekarten, die es gibt, erst die Karte von Keuchenius zu geben (1830) (Staats- 
archiv Aurich, Schiffahrtss. Nr. 9), die ziemlich am Ende der Entwicklung steht. 
Auf ihr ist das Emshörn schon ziemlich losgelöst vom Festlande. An seinem Süd- 
ausgange wird das Dukegat jedoch noch durch eine Bodenschwelle mit geringerer 
Wassertiefe versperrt, der Prozeß der Ablösung des Emshörns und damit des 
Durchbruchs der Sehne ist noch nicht abgeschlossen. Das Randzelgat ist bereits 
da, ist aber auch noch wie das Dukegat durch eine deutliche Bodenschwelle an 
seinem Südende von der Ems getrennt und führt bezeichnenderweise den Namen 
„Blindes oder Randzelgat“, war also eine Sackgasse. Wie die Karte 1 zeigt, war 
nicht einmal 1888 die Entwicklung abgeschlossen. Die Bodenschwellen am Süd- 
ende der Gaten deuten immer noch auf das Anfangsstadium hin, in dem die 
Sandbänke noch landfest waren, der Strom noch in den Bogen floß und die Sehnen 
aoch nicht durchgestoßen waren. Ich habe mehr als hundert Seekarten ein- 
gesehen, teils als Originale, teils in Kopien, in den Sammlungen des Staatsarchivs 
Aurich, der Wasserbauämter Emden und Norden und der Marinewerft Wilhelms- 
haven; dem Wasserbauamt Norden und der Marinewerft Wilhelmshaven bin ich 
auch sonst für vielfache Unterstützung bei meiner Arbeit sehr zu Dank verpflichtet, 
Die Karten, die zwischen 1642 und 1888 liegen, geben sämtlich irgendwelche 
Zwischenstadien, in denen der Prozeß der Durchbrechung noch mehr oder weniger 
unvollendet ist. 
Über den Gang der Entwicklung besteht kein Zweifel mehr: Die Ems auch 
in ihrem Unterlauf ist in großen geschwungenen Windungen der See zugeflossen. 
Erst in den letzten Jahrhunderten sind diese durchstoßen worden von Sehnen, 
die den Namen „Gat“ bekamen, während der alte Name „Ems“ auf den Bogen 
haften blieb. Beim Gatje war die Durchstoßung schon um 1600 ziemlich voll- 
endet, Dukegat und Randzelgat sind erst nach 1600 durchgebrochen. Über die
	        
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