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Full text: 61, 1933

Windberg, F.: Zur Geschichte der Unterems. 
AM 
Zur Geschichte der Unterems. 
Von Friedrich Windberg, Bederkesa bei Bremerhaven. 
(Hierzu Tafel 8 mit Karten 1 bis 3.) 
Berichtigung zu Tafel 8. Karte 1: Westerbalje nicht 25, sondern 2,5 m Tiefe, — Karte 3: Nicht Huyben-, sondern Huybers Sant. 
Die Ems trägt in ihrem Oberlauf bis an die ostfriesische Grenze bei Halte 
die Charakterzüge eines Tieflandflusses; in ungezählten Windungen fließt sie 
durch die diluviale Landschaft dahin (von den durch den Bau des Dortmund- 
Ems-Kanals verursachten Änderungen können wir hier absehen). Nördlich der 
ostfriesischen Grenze finden wir dieselben Windungen noch weiterhin. Neben 
ihnen treten jedoch als Neuerscheinungen Durchbrüche auf, die die Bogen wie 
Sehnen durchschneiden. (Weener, Mark, Jemgum u. a.) Wir wissen aus geschicht- 
lichen Quellen, daß diese Durchbrüche gegen den Widerstand der Anwohner ent- 
standen sind. Jahrhundertelang haben beide Flußarme, der Bogen sowohl wie 
die Sehne, nebeneinander als Wasserführung gedient. Schließlich sind die Bogen 
allmählich verlandet und dann durch künstliche Dämme vom Flusse abgeschlossen 
worden. Der Fluß benutzte fortan bloß noch die ehemaligen Durchbrüche als Bett, 
Bei Jemgum konnten die genauen Daten festgestellt werden (24) *). 1362 geschah 
der Durchbruch und 1594 war die alte Schleife so weit verlandet, daß sie durch 
Deiche geschlossen werden konnte. Eine Strecke flußabwärts ein weiteres Beispiel, 
das wir bis in alle Einzelheiten verfolgen können. Vor Emden floß in einem 
weiten nach Süden geöffneten Bogen die Ems dicht unter der Stadtmauer vor- 
über (24, 16), Im Jahre 1362 begann die Flut von Westen her den Bogen zu 
durchstoßen, und 1509 war der Durchbruch vollendet. Die Emder Bürgerschaft 
hat lange mit ungeheurem Kraftaufwand versucht, das neue Fahrwasser, die 
„Frische Ems“, durch eine Spundwand aus Eichenpfählen, das „Emder Höft“, ab- 
zudämmen, Das neue Fahrwasser aber, die Sehne, die den Bogen durchstoßen 
hatte, nahm bald sehr große Wassertiefe an, und Emden, das nun am toten Arm 
lag, hatte fortan mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen. Das alte Bett 
verlandete und wurde völlig unbefahrbar, Der Durchbruch war von W nach O 
erfolgt, war also eindeutig ein Werk des Flutstroms. 
Uns sind zwei Formen des Strombettes entgegengetreten: der Bogen und 
die Sehne. Die Erscheinung des Bogens ist die häufigere: Es sind die Mäander- 
windungen des Tieflandflusses, Der Vorgang, der zu ihrer Bildung führt, ist 
zum Gegenstand vieler Untersuchungen geworden, man hat ihn in der freien 
Natur wie in Versuchsanstalten beobachtet. Wenn die allerletzten Ursachen 
seiner Entstehung auch nicht aufgedeckt sind, so ist die Abfolge der Vorgänge 
bei Flußmäandern doch durchaus bekannt (12). 
Für unsere Zwecke genügt der Hinweis auf wenige Erscheinungen. Vor- 
aussetzung ist dabei immer, daß Untergrund und Wassermenge sich gleich 
bleiben. Erstens schließt sich, wenn der Vorgang der Bogenbildung einmal 
eingesetzt hat, immer Bogen an Bogen; der Vorgang duldet keine Unterbrechung. 
Zweitens werden im Laufe der Zeit die Bogen immer mehr ausgearbeitet; am 
Prallhang wird das Ufer angegriffen, während es am Gleithang anlandet. 
Was die zweite Form, die Sehne betrifft, so haben wir festgestellt, daB sie 
bei Emden dem Drängen des Flutstroms und nicht der Ebbe oder der Strömung 
des Flusses, die sich in der Richtung ja mit der Ebbe deckt, ihre Entstehung verdankt, 
Wir können weiter sehen, daß flußaufwärts die Mäanderbogen so weit unver- 
letzt geblieben sind, wie die Gezeitenwirkung sich nicht bemerkbar macht, Von 
der ostfriesischen Grenze, also von der Stelle an, bis zu der die Gezeitenwirkung 
reicht, abwärts haben auch Mäanderbogen bestanden, sie haben sich auch viele 
Jahrhunderte gehalten, sind schließlich aber doch durchbrochen worden. 
In Emden sind die Begleitumstände am besten bekannt. Der Durchbruch 
geschah trotz des Widerstandes der Anwohner, deren wirtschaftliche Existenz 
bedroht wurde. Es gab für die Wasserführung kein Pendeln zwischen dem 
alten und neuen Bett, sondern mit elementarer Gewalt wühlte sich das Wasser 
den neuen geraden Weg. Wir müssen also eine Anderung in den Grundlagen 
*) Diese und die folgenden Ziffern bezichen sich auf das Literaturverzeichnis am Schluß dieser Abhandlung. 
Ann, d., Hydr. usw. 1933, Heilt 11
	        
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