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Full text: 61, 1933

Thorade, H.: Erdgezeiten und Meeresgezeiten. 
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bis auf eine zu addierende Konstante. Bei der Methode II wurde vorausgesetzt, 
daß die Erdtide zu der Gleichgewichtstide proportional wäre; die Kurven müßten 
in diesem Falle dieselbe Gestalt wie die in Taf. 6, Nr. 4 haben; sie sind jedoch, 
vermutlich infolge von Beobachtungsfehlern, so unruhig, daß sich dies nicht mit 
Sicherheit feststellen läßt, und hier liegt der Grund für den obigen unbefriedi- 
genden Wert von y. Vergleicht man, ganz roh, den gesamten Anstieg der beiden 
gestrichelten Linien, so kommt man nach Grace zu einem Verhältnisse von 1:4, 
woraus h—k=1/, oder 1—h +X|= 0,75 kommen würde, in Übereinstimmung 
mit dem von Prey angenommenen Werte. Nach der Gestalt der beiden Kurven 
freilich könnte man auch auf den Gedanken kommen, daß die Erdtide sich im 
Roten Meere in einer Art stehender Schwingung äußerte, mit einem Schwingungs- 
bauche in der Mitte. Doch bedürfen alle diese Vermutungen einer Prüfung durch 
weitere Beobachtungen, und man kann mit einiger Sicherheit wohl nur das eine 
sagen, daß die Gezeiten des Roten Meeres sich nicht erklären lassen 
ohne Berücksichtigung der Erdtide, und daß die von dieser hervor- 
gerufenen Beschleunigungen ungefähr von derselben Größenordnung 
sind wie die der fluterzeugenden Kräfte. 
5. Der Meerbusen von Suez. Von vornherein drängt sich bei den Darlegungen 
von Grace der Einwand auf, daß die Reibung nicht berücksichtigt ist, die ja 
sogar Sterneck als so wirksam angesehen hatte, daß er glaubte, sie verkleinere 
lie Gezeiten des Baikalsees zum Teil bis auf die Hälfte. Es ist deshalb erwünscht, 
daß wenigstens für einen Teil der betrachteten Gewässer, den Meerbusen von 
Suez, eine genauere Berechnung von Grace (4) vorhanden ist. Er rechnet nach 
jer Methode II, nimmt aber für 1—h+Kk nach Jeffreys den Wert 0.67 als 
zegeben an und erhält die Größe der Reibung als Unterschied zwischen den 
wirklichen (auf die Mittellinie umgerechneten) Gezeiten und denen, die bei den 
Längen- und Tiefenverhältnissen des Meerbusens unter der Wirkung der (ver- 
besserten) fluterzeugenden Kräfte eintreten sollten. Zwei Ansätze werden versucht: 
Einmal wird die Reibung proportional zu den (nach Methode I gefundenen) 
Geschwindigkeiten, das andere Mal zu deren Quadraten angenommen: lineares 
und quadratisches Reibungsgesetz; schreibt man = H cos (ot— x), so erhält 
man für die harmonischen Konstanten die folgende Gegenüberstellung: 
Aschrafi | Schedwan 
HH +* H % 
Beobachtet. .....0.0..00. 004 
Ohne Reibung, ... 
Berechnet % Reibung linear ... 
Reibung quadratisch 
em cm em em om ‚cm 
56.1 2770142,4 279°|18.4 268° 5.1 21491138 121°/25.2 117° 
54,2 2789°43.8 278° 19.6 277° 5.0 275°|12,8 990120.6 99° 
54.4 278°/43,7 2779°|18.9 268°| 5.6 228°15.3 118°23.1 112° 
343 2780%1438 277°/19.0 269° 5.7 2309153 119°230 113° 
Man sieht, daß der Einfluß der Reibung trotz der geringen mittleren Tiefe 
des Meerbusens von 44 m doch nur klein ist, Es sind eigentlich nur zwei 
Beobachtungstatsachen, die ohne Reibung unerklärt bleiben würden: Einmal der 
Unterschied der Amplitude an der Mündung, bei Schedwan, und dann die all- 
mähliche Zunahme der Phase von 117° bis auf 277°, während bei einer einfachen 
Mitschwingung zwischen Aschrafi und Tor ein sprunghafter Wechsel um 180° 
stattfinden müßte. Da die Konstanten, außer für Suez, nur auf 1.5 cm und 8° 
genau sind, so ist nicht zu entscheiden, welches der beiden Reibungsgesetze das 
bessere ist. Grace berechnet für das lineare Gesetz einen Reibungsfaktor, der 
von dem von Defant berechneten nur den fünften Teil ausmacht, findet aber 
andererseits für das quadratische Gesetz einen größeren Betrag der Reibung, als 
nach Ekman und Taylor zu erwarten wäre. Natürlich handelt es sich bei der 
yanzen Bearbeitung um eine Gesamtwirkung der Reibung, nicht um ihre Ab- 
hängigkeit von den Geschwindigkeitsunterschieden der einzelnen Wasserschichten, 
und Grace sieht deshalb bewußt ab von der bei Gezeitenuntersuchungen in der 
Nordsee aufgetretenen Möglichkeit eines. Gangunterschiedes zwischen Reibung 
und Geschwindigkeitsunterschieden.
	        
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