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Full text: 61, 1933

54 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1933, 
Gleichungen zum Bestimmen der vier Unbekannten übrig, wodurch eine Kontrolle 
möglich wird; sie liefern das erstaunliche Resultat 
1b E=—0.42. 
Obwohl dieser Wert ganz aus der Reihe fällt, so befriedigt er die Gleichungen 
gut: Zerlegt man ähnlich, wie Sterneck, die so erhaltenen Gezeiten in eine 
Schwingung, die mit der fluterzeugenden Kraft in der Mitte des Roten Meeres 
synchron ist, und in eine zweite, deren Phase mit derjenigen in Aden überein- 
stimmt, so kann man diese beiden Teiltiden als die selbständige und die Mit- 
schwingungszeit ansehen. Zwar hat Defant darauf aufmerksam gemacht (diese 
Zschr. 1928, S. 274 bis 280), daß durch Reibungseinflüsse die Mitschwingungs- 
gezeit aus einer stehenden zu einer fortschreitenden Welle wird; man dürfe dann 
also nicht mehr den mit der Tide am Eingange des Kanals in gleicher Phase 
befindlichen Anteil der Kanalgezeiten mit der Mitschwingungsgezeit gleichsetzen, 
Aber bei der großen Tiefe des Roten Meeres kann man annehmen, daß die 
Reibung hier keine hervortretende Rolle spielt (s, a, u. 5. 55). Aus Taf. 6, Nr. 2 geht 
hervor, daß die theoretisch gefundenen Gezeiten im ganzen recht gut mit den 
auf die Mittellinie umgerechneten und in derselben Weise zerlegten beobachteten 
Gezeiten übereinstimmen. Eine Ausnahme bildet Massaua, aber dieser Hafen liegt 
in einer seichten Bucht hinter Inseln, so ‚daß die Beobachtungen als örtlich ge- 
stört anzusehen sind. Ferner ist die Übereinstimmung schlecht im Meerbusen 
von Suez, worüber weiter unten noch zu sprechen ist, Im ganzen bestätigt sich 
die Richtigkeit der Sterneckschen Ansicht, indem die Anteile der erzwungenen 
und der freien Welle sich im eigentlichen Roten Meere etwa verhalten wie 3:10, 
Endlich deutet die gute Übereinstimmung mit den Beobachtungen darauf hin, 
daß der auffällige Wert 1-—h }+k=-—042 zumindest den Gezeiten des Roten 
Meeres gerecht wird, mag er herrühren, woher er will, und vielleicht von dem 
Bodendrucke der Gezeiten im Indischen Ozean stark beeinflußt sein. 
Um so mehr Aufmerksamkeit verdient deshalb die Untersuchung der gleichen 
Beobachtungen nach der ersten Methode Proudmans. Die Ergebnisse sind in 
graphischer Umformung in Taf, 6, Nr. 3 bis 5 wiedergegeben, Zunächst der 
Wasserstand. Ist die beobachtete Gezeitenbewegung auf die Mittellinie um- 
gerechnet und der Wasserstand längs dieser, % =H cos (gt— x) gesetzt, wobei 
die Zeit sich auf den 68. Längenkreis östlich Greenwich bezieht, und setzt man 
H cos x = ©, H sin x =", so drückt sich der Wasserstand aus durch die Gleichung 
= ZZ cosat--Z“ainot, 
eine Umformung, die von Sterneck vielfach angewandt wurde, und die sich 
dahin deuten läßt, daB man die beobachtete Schwingung £& auffaßt als zusammen- 
gesetzt aus zwei stehenden Wellen, X” cos ot und {” sin gt, die miteinander inter- 
ferieren und einen Gangunterschied von !/, Periode haben. Die Kurven für 7 
und 5” sind in Taf. 6, Nr. 3 angegeben; sie stellen zugleich den Wasserspiegel dar im 
Augenblick ot = 0 und vyt == 90°, d. i. in zwei um !/, Periode aufeinanderfolgenden 
Zeitpunkten. Nach einer weiteren Viertelperiode würde der Wasserspiegel dar- 
gestellt durch die erste, stark gestrichelte Kurve, wenn man bei ihr oben und 
unten vertauscht, und nach im ganzen %, Perioden durch die Umkehrung der 
ausgezogenen Kurve, In derselben Taf. 6, Nr. 3 stellen die beiden dünn gezeichneten 
Linien in gleicher Weise die rohe (Heichgewichtsgezeit dar!); man sieht daran, 
wie sehr die wirklichen Gezeiten darch die Trägheit des Wassers vergrößert 
sind. Aber der Unterschied ist nicht nur ein solcher der Größe, vgl. die in fünf- 
mal so großer Überhöhung gezeichnete Taf, 6, Nr, 4, sondern auch ein solcher der 
Form: Wenn auch allenfalls die beiden gestrichelten Kurven, abgesehen vom 
Meerbusen von Suez, einen ähnlichen Gang haben, so fehlt dieser doch bei den 
ausgezogenen Linien. Im Sinne der Methode I veranschaulicht Taf, 6, Nr, 5 sodann 
den Unterschied zwischen dem Meeresspiegel, wie er wirklich ist, und dem, wie 
er bei vollkommen starrer Erde und ohne gegenseitige Anziehung der Wasser- 
massen wäre, oder, anders gesagt, den Überschuß der Erdtide über die durch 
die gegenseitige Anziehung hervorgebrachte Anschwellung („relative Erdtide“), 
1) Diese Kurven sind, ebenso wie die in Taf, 6, Nr, 4 und 5, aus den Ergebnissen Graces durch 
numerische Integration abgeleitet,
	        
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