Thorade, H.: Erdgezeiten und Meeresgezeiten,
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?/, annahm, fand Schweydar!) aus fünfjährigen Beobachtungen an zwei Hori-
zontalpendeln in einem Bergwerk bei Freiberg sogar 0.84; Prey nimmt als
plausibelsten Wert 0.74 an. Nach Schweydar scheint der schon erwähnte
Druck des Meeres infolge der Meeresgezeiten von einem Einflusse zu sein, der
sich wohl noch nicht völlig übersehen läßt. In jenem Bergwerk z. B. fand
Schweydar, daß der Erdboden um 20 cm?) auf und ab schwankte
(Hauptmondtide M,), daß aber etwa die Hälfte davon auf die Wirkung
der Meeresgezeiten zurückzuführen war. Mag man daher auch nicht
geneigt sein, weitgehende Schlüsse aus den am Baikalsee erhaltenen
Werten auf die elastischen Eigenschaften der Erde zu ziehen, so darf
man doch umgekehrt in den Erdgezeiten eine bessere Erklärung
für den Widerspruch zwischen Sternecks Theorie und der Beob-
achtung erblicken, als in der von ihm herangezogenen Reibung
s. u. S, 55).
; Bei Einfihrung der Erdgezeiten gelangt Grace auch zu einer
fast vollständigen Übereinstimmung zwischen den beobachteten
Gezeiten des Sees und der Gleichgewichtstheorie, wie es an-
gesichts seiner kurzen Eigenperiode von etwa 4 Stunden selbst.
verständlich erscheint. Freilich ist dabei in Betracht zu
ziehen, daß es außer dieser Eigenperiode noch eine andere
gibt, die im wesentlichen von der Drehgeschwindigkeit der
Schwingungsebene eines Foucaultschen Pendels, nicht
aber von der Größe des Beckens abhängt (man denke
an den sogenannten Trägheitskreis); doch hat Proud-
man (1) gezeigt, daß solche Schwingungen, wenn aus-
nahmsweise vorhanden, bei der Analyse einer hin-
reichend langen Beobachtungsreihe herausfallen.
4. Anwendung auf das Rote Meer. Das Rote Meer
hat wegen seiner einfachen Beckenform, wie sie aus
der Darstellung seiner Querschnitte nach Grace
(3), Taf. 6, Nr. 1 hervorgeht, die Aufmerksam- -
keit der Gezeitenforscher in besonderem Maße © auf sich gezogen.
Die Leser dieser Zschr. (1921, S. 100 bis 107) „6 erfuhren von einer
ersten ausführlichen theoretischen Berech- 48 nung A. Defants aus
dem Jahre 1919, der er selbst 1926 (S. 185 „° bis 195) eine Wieder-
holung auf Grund neuer Beobach- % tungen Vercellis auf dem
„Ammiraglio Managhi“ * folgen ließ. Im nächsten Jahr-
gange (1927, S. 129 bis 184) erörterte R. Sterneck die
Vercellischen harmo- nischen Konstanten zusammen mit
älteren und kam zu dem Ergebnisse, daß die M,-Tide des
Roten Meeres zu etwa s '/s, die S,-Tide zu !/, eine selb-
ständige, also von den Gezeitenkräften im Roten Meere selbst erregte Schwingung,
der Rest aber ein Mitschwingen mit dem Indischen Ozean und somit auf eine
durch die Straße von Bab-el-Mandeb eindringende Welle zurückzuführen sei. Doch
erklärte er eine erneute numerische Rechnung für notwendig).
Eine solche nimmt Grace (3) vor (für M,), und zwar sowohl nach der
ersten als auch nach der zweiten Methode Proudmans, nachdem dieser das
Rote Meer als besonders geeignet für die Ermittlung der Erdgezeiten vorgeschlagen
hatte, Er zieht quer zur Mittellinie 39 Querschnitte im eigentlichen Roten Meer
and 6 im Meerbusen von Suez, die untereinander eine Entfernung von je 50 km
haben, Um mit der zweiten Methode zu beginnen, so bleiben auch nach Fort-
lassen der weniger gesicherten harmonischen Konstanten noch mehr als genug
) W.Schweydar, Lotschwankung u. Deformation der Erde durch Flutkräfte usw., Zentralbureau
der Internationalen Erdmessung, Neue Folge der Veröffentlichungen, Nr. 38, Berlin 1921. -— Hierzu sei
bemerkt, daß Schweydar von Börgens Methode der harmonischen Analyse ausging. Inzwischen
haben Hessen (diese Zschr. 1920, S. 2) und Rauschelbach (A. d. A, d. Deutschen Seewarte, XLII,
Nr. 1, S, 6) darauf aufmerksam gemacht, daß Börgens Formeln eine größere Anzahl von Druckfehlern
enthalten, — ®%) Tomaschek stellte kürzlich anderen Orts sogar fast 1/, m fest. — 3% Eine französische Be-
arbeitung A, Blondels (Ann, Fac., Toulouse 1912) wurde später von E. Chandon (C.R. 1928) verbessert.
Ann, €. Hydr. usw. 1933, Heft III.
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