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Full text: 61, 1933

50 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1933. 
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döch der Größenordnung nach bis etwa ein Achtel der ursprünglichen Höhe 
betragen können. Sie darf daher hier nicht außer acht bleiben. 
Zweitens wirkt die fluterzeugende Kraft auch auf den festen Erdkörper, 
indem sie den Meeresboden B,B,, etwa bis B,B,‘, hebt. Damit hebt sich auch 
der Pegel P,P, um ein gleiches Stück (in der Abbildung ist die neue Lage der 
Deutlichkeit halber neben die alte gezeichnet) P,P, = %&, und ebenso die Null- 
marke N, um NyN, =. Nicht aber hebt sich die Wasseroberfläche um diesen 
Betrag; denn ihre Entfernung vom Erdmittelpunkte wird allein geregelt durch 
das Gleichgewicht zwischen fluterzeugender Kraft und Schwerkraft, Höchstens 
wird die Massenanziehung des Fluthügels ein wenig vermehrt dadurch, daß er 
nunmehr in seinem untersten Teile aus fester Erde, anstatt aus Wasser, besteht, 
Um dies zu berücksichtigen, sei künftig mit £, der Betrag bezeichnet, um den 
die rohe „Gleichgewichtshöhe“ £ durch die gemeinsame Anziehung von Erde und 
Wasser wächst. Endlich ist noch zu bedenken, und diese Frage hat Schweydar 
eingehend untersucht, daß der feste Meeresboden durch das Gewicht des Fluthügels 
eingedrückt wird, wodurch sich die Erhebung %, verringern würde, Um auch 
diesem Umstande Rechnung zu tragen, bedeute fortan % die wirkliche Erhebung 
des Meeresbodens, ohne Rücksicht darauf, welche Kräfte dabei zusammenwirken. 
Wie Abb. 1 lehrt, ist alsdann die am Pegel abgelesene Erhebung des Wasserspiegels 
NA == EA Co Do 
{= verbesserte Gleichgewichtstide), Bezeichnet man die seitwärts von P,Py auf- 
tretenden Winkel von H,H,’ gegen HH’ mit zo, die von B,B, gegen ByBy mit &o, 
so wird der gesamte Neigungswinkel der Wasseroberfläche gegen die Waagerechte, 
a= a + &o—0y und damit die waagerechte Komponente der Beschleunigung — 
gig (da-+a,g-— a), oder wegen der Kleinheit der Winkel auch 
= (@ + do — 0) 
Bei Untersuchungen im Innern des Landes pflegt man anzunehmen, daß 
E& und & beide zu 5 proportional sind, daß es sich also bei der festen Erde 
um Gleichgewichtstiden handelt. Man setzt 
So=h£, Ze = k£$, also 
Sl k)E, 
und es ist alsdann = (1—h + k) das Verhältnis der beobachteten, durch die 
Gestirnskräfte erzeugten Lotstörung zu derjenigen, die man auf einer absolut 
starren Erde finden würde?) 
2, Die Gezeiten als Wellenerscheinung. Es ist im Gegensatze hierzu bekannt, 
daß die Meeresgezeiten im allgemeinen keine Gleichgewichtserscheinung sind, 
Die Trägheit des Wassers ist zu groß, als daß es sich immer sogleich an dem 
Punkte der Erde zu einem Flutberge sammeln könnte, über dem das fluterzeugende 
Gestirn gerade steht. Höhe und Neigungswinkel des Wasserspiegels entsprechen 
also im allgemeinen nicht den Flutkräften, sondern das Gefälle enthält bald 
einen Überschuß, bald einen Mangel an waagerechten Kräften, verglichen mit der 
waagerechten Komponente der Gestirnskraft, und dieser Überschuß oder Mangel 
hat waagerechte Beschleunigungen der Wassermassen zur Folge, d, i. Schwingungen, 
Nur wenn die Periode der Zwangskraft sehr viel länger ist als die Eigenperiode 
des schwingenden Gebildes, spielt die Trägheit keine Rolle, und man beobachtet 
in der Tat den Gleichgewichtswert. Man hat geglaubt, diese Voraussetzung treffe 
zu auf die 14tägige Mondtide, und man hat diese benutzt, um die Größe 1—h+Kk 
daraus herzuleiten und Schlüsse auf das elastische Verhalten der Erde zu ziehen, 
doch wurde dies Verfahren kritisiert”). 
Dagegen hat neuerdings J, Proudman (2) gezeigt, daß die hydrodynamische 
Theorie der Gezeiten, wenigstens für kanalartig schmale Gewässer, weit genug 
entwickelt ist, um die Erdgezeiten mit in Rechnung zu ziehen. Die Beschränkung 
1) Schweydar (s. u.) gebraucht h und k in umgekehrtem Sinne. — % Vgl. z. RB. W. Schweydar: 
Untersuchungen über die Gezeiten der festen Erde. — Veröff, Kg}, Preuß. Geod, Inst., N. F. Nr. 54. 
Potsdam 1919. 8, 57 bis 58,
	        
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