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Object: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

178 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1912, 
in der die Höhen mit vorgedruckt sind, dient zur Eintragung der 
Beobachtungen.) 
Um nun die Windrichtung und -geschwindigkeit in den verschiedenen 
Höhen zu erhalten, brauchen wir uns nur zu vergegenwärtigen, daß die horizontale 
Fortbewegung des Ballons als Windwirkung anzusehen ist, Unsere Aufgabe wird 
also sein, die Ballonbahn in der horizontalen Projektion genau zu be- 
stimmen. , 
Ist h die angenommene Aufstiegsgeschwindigkeit und ß, der beobachtete 
Höhenwinkel, so ist die Horizontalentfernung des Ballons vom Aufstiegsort 
nach einer Minute: x, = h-.ctgß,, nach zwei Minuten: x, = 2h-.ctgß, usw. 
Bei ß, oder x, sei das Azimut «, beobachtet. Wir tragen dann in 
der Richtung a, die Strecke x, in verkleinertem Maßstab vom Mittelpunkt 
der vorgedruckten Windrose (vgl. Fig. 1) aus ab und wiederholen dasselbe 
für x,, x; usw.; die Verbindungslinie der Endpunkte aller x. stellt die gesuchte 
Ballonbahn dar. 
Die Horizontalentfernungen x werden auf der Drachenstation der 
Seewarte mittels eines Rechenschiebers bestimmt, dessen tg-Skala auf 
halbe Grade geteilt ist. Die Genauigkeit ist vollkommen ausreichend; sie ist 
sogar größer, als der Beobachtung des Winkels #ß am Theodoliten entspricht, und 
der Vorteil ist der, daß die Bestimmung mittels des Rechenstabes weit schneller 
geht, als wenn wir Zahlentafeln für die Kotangenten, Logarithmen oder Multi- 
plikationstafeln anwenden würden. Die Einarbeitung ist sehr leicht und die 
Methode einfach und daher zuverlässig. 
Zur Eintragung der Horizontalentfernungen x in die Windrose dient die 
obere Millimeter-Teilung an unserem Rechenschieber, die an ihrem 
Nullpunkt mit einer federnden Spitze versehen ist. Diese wird in den 
Mittelpunkt der Windrose eingestochen, so daß der Maßstab um den Nullpunkt 
leicht drehbar ist. Die Längen x können auf diese Weise sehr bequem und 
schnell in den zugehörigen Azimuten auf dem Papier abgetragen werden, ohne 
jedesmal den Nullpunkt am Lineal neu anlegen zu müssen. Die durch die End- 
punkte der x gelegte Kurve gibt — wie gesagt — die Ballonbahn. 
Als Maßstab für die Horizontalentfernungen wird entweder 1: 100 000, 
1 km = 10 mm, genommen oder, wenn die Zeichnung größer werden soll, 1 : 50 000, 
1 km = 10 Doppelzentimeter, wozu die an derselben Skala befindliche 
Teilung nach Doppelzentimetern dient, 
Die Richtung des Windes wird nun folgendermaßen abgelesen: Wir 
legen den Rechenstab in die Richtung der Tangente der Ballonbahn 
— die Verbindungslinie zweier aufeinanderfolgender Endpunkte von x genügt 
im allgemeinen — und verschieben ihn parallel mit sich selbst mit Hilfe 
des herausgezogenen Schiebers so weit, daß er durch den Mittelpunkt der 
Windrose geht, und lesen an deren Teilung die Windrichtung ab. 
Zur Bestimmung der Geschwindigkeit des Windes brauchen wir jetzt 
nur an der unteren Skala unseres Rechenschiebers die Entfernung zweier 
aufeinanderfolgender Endpunkte von x abzulesen; diese gibt uns ohne weiteres 
die mittlere Windgeschwindigkeit für die betreffende Höhenschicht, da die 
Skala nicht in mm, sondern in “/,, mm und eine zweite in !”/,, mm als 
Einheit geteilt ist. Würden wir die Entfernung in Millimetern ablesen, so 
müßten wir zur Berechnung der Geschwindigkeit, wenn die Beobachtungen 
60 Sek. auseinanderliegen, noch durch 60, oder bei einem Beobachtungsintervall 
von 120 Sek. durch 120 dividieren; durch Anwendung dieser besonderen Skalen 
wird die Umrechnung vermieden und damit nicht nur die Fehlermöglichkeit 
herabgesetzt, sondern auch Zeit erspart. 
Der Vorteil unserer Methode gegenüber der des G. Jonas ist der, daß 
wir ohne Benutzung von Zahlentafeln, drehbarer Scheibe oder Winkelmesser und 
Lineal allein mit dem Rechenschieber die Auswertung auf demselben Blatt Papier 
1) Formulare wie Fig. 1 in Blocks zu 50 oder 100 Stück liefert Hammerich u. Lesser. 
Altona. Köniestraße.
	        
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