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Full text: 61, 1933

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Ann. d. Hydr. usw., LXI. Jahrg. (1933), Heft I1l. 
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Erdgezeiten und Meeresgezeiten. 
Nach neueren Arbeiten des Tidal Institute [The Observatory] in Liverpool. 
Von H. Thoradel). 
(Hierzu Tafel 6.) 
1. Die Gezeiten als Gleichgewichtserscheinung,. Macht man für einen Augen- 
blick die vereinfachende Annahme, daß die Wassermassen einer vom Meere völlig 
bedeckten Erde den fluterzeugenden Gestirnskräften sofort folgen, ohne durch 
ihre Trägheit aufgehalten zu werden (Gleichgewichtstheorie), und beschränkt 
man sich zunächst auf die Wirkungen eines einzelnen Gestirns, so geht die 
vorher kugelförmige Meeresoberfläche in ein verlängertes Umdrehungsellipsoid 
über, das mit seiner großen Achse nach dem Gestirn hinweist. In Abb, 1, die 
das zugespitzte Ende, also zugleich den Zeitpunkt des Hochwassers, darstellt, 
sei B,By der zunächst als unbeweglich vorausgesetzte Meeresboden, auf dem ein 
Pegel P,P, errichtet sei, und das Gestirn 
befindet sich gerade in der Verlängerung 
von P,P,; die fluterzeugenden Kräfte 
werden durch die Pfeile versinnbildlicht. 
Das Wasser ist gestiegen vom Mittelwasser 
M,M,y bis HH’, und am Pegel wird ein 
Wasserstand AN, = über Mittelwasser 
abgelesen. Der Spiegel des Hochwassers 
liegt bei A waagerecht, seitwärts aber fällt 
ar ab. Denn hier bildet die fluterzeugende 
Kraft einen Winkel mit der Senkrechten 
und läßt sich daher in eine senkrechte 
und eine waagerechte Komponente zer- 
legen, wie es in der Abb. 1 schematisch 
ausgeführt ist. Die waagerechte Kom- 
ponente wird — immer Gleichgewichts- 
zustand vorausgesetzt — durch das Gefälle 
aufgewogen, und man kann dieses letztere 
deshalb geradezu als ein Maß für die waage- 
rechte Komponente der fluterzeugenden ß, „wm mm m 
Kraft betrachten. Nennt man den mit der 8, BE LATE 
Entfernung von A zunächst wachsenden 
Gefällswinkel x, und die Beschleunigung des freien Falles g, so ist die waage- 
rechte Komponente der durch das Gefälle hervorgerufenen Beschleunigung 
= g-tga, oder, bei der Kleinheit von «x, mit genügender Genauigkeit = ga. 
Diese einfache, aus der Lehre von den Gezeiten vertraute Vorstellung bedarf 
nun für den vorliegenden Zweck zweier Verbesserungen. Erstens übt der Flut- 
hügel bei A auf die seitwärts befindlichen Massen selbst eine Anziehung aus, 
die zu einer Erhöhung des Wasserstandes führen muß, etwa auf H,H,’, um den 
Betrag AA,== C& am höchsten Punkte; unter den für die Erde geltenden Ver- 
hältnissen würde die Erhöhung infolge der Nähe der anziehenden Massen, trotz 
ihrer Geringfügigkeit im Verhältnisse zu den in Frage stehenden Weltkörpern, 
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4) Zusammenfassender Bericht über: (1) Proudman, J.: Note on the Forced Tides in a Lake. — 
Monthly Notices of the Roy. Astr, Soc., Geophys. Suppl., Bd. II, S. 96—97, — (2) Proudman: The 
Determination of Earth-Tides by means of Water-Tides in narrow seas. Bull, Nr. 11 de la Section 
d’Oc6anographie du Conseil de Recherches, Venedig 1928, 6 Seiten, — (3) Grace, S. F,: The 
Semidiurnal Tidal Motion of the Red Sea, — Monthly Not. Roy. Astr. Soc., Geoph. Suppl. Il, 1930, 
Ss, 273—296, — (4) Ders.: The Semidiurnal Lunar Tidal Motion of Lake Baikal, and the Derivation 
of the Earth-Tides from the Water-Tides, — The Influence of Friction on the Tidal Motion of the 
Sulf of Suez, ebda, Bd, II, 1931, S, 301—318, — Der obige Bericht, der diese Arbeiten kurz mit 
(1), (2), (3), (4) bezeichnet, versucht die wichtigsten Gedankengänge in elementar-mathematischer 
Form wiederzugeben, weicht also hierin von den Abhandlungen selbst in gewisser Weise ab. 
Ann. d. Hydr. usw. 1938, Heft IIL
	        
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