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Full text: 61, 1933

388 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1033, 
bewegung in meridionaler Richtung setzt die Kugelgestalt der Erde ein kräftiges 
Hindernis von solcher Stärke entgegen, daß z. B. zwischen 10° N-Br, und 10° S-Br. 
nur ost-westliche Ströme zur Entwicklung kommen können (planetare Wirbel- 
wirkung W,). 
Seit Aufstellung dieser „älteren Theorie“ hat man, zumal im Luftmeere, die 
Beobachtung gemacht, daß die Scheinreibung nicht in allen Schichten gleich 
groß ist, sondern daß sie mit dem Abstande vom Boden wächst. Wie Ekman 
bereits 1906 (diese Ztschr., S. 484) vermutete, und wie, unabhängig davon, später 
Taylor zeigte, wird man den Tatsachen im Luftmeere am besten gerecht, wenn 
man eine verhältnismäßig zähe, am Boden haftende „Reibungsschicht“ ausscheidet, 
oberhalb deren dann die Reibungsverhältnisse andere sind; Ekman untersuchte 
später näher diese Annahme und legt sie, werın er sie auch nur als einen Kunst- 
griff wertet, als die zur Zeit anpassungsfähigzste der jetzt vorgenommenen YVer- 
besserung seiner Theorie zugrunde, Obwohl über das Wirken einer solchen 
GHeitschicht im Meere noch die Beobachtungen fehlen, namentlich auch hinsichtlich 
verschiedener Grade der Bodenrauhigkeit, so scheint es doch schon jetzt sicher, 
daß der Quasiwirbel dadurch auf ein Mehrfaches der früher berechneten Stärke 
anwachsen kann, 
Aber das Fallenlassen einer anderen Voraussetzung der „älteren Theorie“ 
(von 1923) hat viel tiefergehende Folgen. Zwar ist nach wie vor nur von 
stationären Strömen die Rede, d.i. von solchen, die sich im Laufe der Zeit 
nicht mehr ändern: trotzdem treten auch in diesem Falle Beschleunigungen auf, 
weil Flüssigkeitsteilchen auf ihrem Wege an Orte mit anderer Geschwindigkeit 
gelangen, so daß ihr Bewegungszustand sich ändert. Aus dieser Beschleunigung 
der Teilchen erwächst eine solche des Wirbels, und diese bildet den Haupt- 
gegenstand der neuen Untersuchung Ekmans, Nicht mehr der reine Quasiwirbel 
ist gleich der Summe der anemogenen, topographischen und planetaren Wirbel- 
wirkung Wr -+ Wa + W,, sondern der Quasiwirbel W plus der Wirbelbeschleuni- 
gung W', also W + W' = Wr + Wa -- Wy, und dadurch verwickelt sich die Aufgabe 
so sehr, daß hier auf eine elementare Wiedergabe verzichtet, und nur das Er- 
gebnis mitgeteilt werden soll. Übrigens sind die mathematischen Schwierigkeiten 
so groß, daß auch die Analysis nur grundsätzliche Hinweise und Annäherungen 
liefert, 
Die ältere Theorie (1923) hatte in ihrer Weiterentwicklung auf den Begriff 
eines „Rotationsradius“ geführt, der nicht eben große Werte annahm und einen 
Kreis bestimmte, innerhalb dessen die Einheitlichkeit des Tiefenstroms bereits 
völlig zerstört war, Bei Berücksichtigung dier Beschleunigung W‘, so lehrt die 
„neuere Theorie“ (1932), ist der Spielraum etwas größer, aber wahrscheinlich 
immer noch sehr klein. Um den Einfluß von W" weiter zu klären, macht Ekman 
für einen Augenblick die Annahme, nur W*“ wäre vorhanden, und der Quasi- 
wirbel W selbst wäre nicht da: in einem solchen vielleicht in Wirklichkeit kaum 
yorhandenen Stromfelde, stellt sich dann zunächst eine örtliche Verschiebung 
der Wirbelwirkung heraus: Die topographische, Wa, ist am stärksten nicht mehr 
über der steilsten Böschung des Meeresbodens (s. 0.), Sondern sie ist am stärksten 
an der tiefsten oder höchsten Stelle selbst, und die planetare ist es dem- 
entsprechend auf der nördlichsten bzw. südlichsten Breite, die das Teilchen er- 
reicht. Auch ist die Gesamttiefe des Meeres nicht mehr gleichgültig, wie in der 
älteren Theorie, sondern die Wirbelbeschleunigung wird bestimmt durch das 
Verhältnis der Unebenheiten zur Gesamttiefe, also durch die relativen Tiefen- 
unterschiede, 
Im allgemeinen Falle, wo weder die Wirbelbeschleunigung W‘, noch der 
Quasiwirbel W_ verschwindet, ist daher neben einer Abschwächung des Quasi- 
wirbeis mit einer örtlichen Verschiebung zu rechnen; doch gelingt eine genauere 
mathematische Lösung der Aufgabe nur, wenn sie auf die unmittelbare Umgebung 
ainer Stelle mit einem gegebenen gleichmäßigen Tiefenstrom beschränkt wird, 
Tritt alsdann eine Störung auf, z. B. durch eine Bodenschwelle, so besteht eine 
erste Wirkung der Beschleunigung darin, daß die Teilchen nicht sofort die durch 
das Hindernis bedingte neue Bahn einschlagren, sondern sich an dieser, mit ab-
	        
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