380 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1933,
Es waren gut verdämmte, wenige Meter tief in das Eis eingegrabene Dynamit-
mengen zur Explosion zu bringen und die dadurch im Eis entstehenden Er-
schütterungen mit Seismographen aus kleinen Entfernungen (bis zu etwa 1 km)
photographisch aufzunehmen. Aus den Laufzeiten dieser Wellen sind die Eis-
licken zu berechnen. Die hierzu erforderlichen Instrumente (2 Vertikalseismo-
graphen nach Wiechert, 1 Horizontalseismograph nach Angenheister und
die erforderlichen Registriersysteme) waren im Geophysikalischen Institut der
Universität Göttingen konstruiert worden,
Zum Studium der Schallausbreitung waren oberflächlich liegende Dynamit-
mengen zur Explosion zu bringen und die dadurch in der Luft entstehende
Schallweile durch Schallempfänger in großen Entfernungen (mehrere hundert
Kilometer) photographisch aufzunehmen. Dr. Woelken hatte hierzu Schall-
empfänger und Registrierinstrumente, nämlich 3 Undographen und 1 Membran-
apparat, mitgenommen, KErstere waren im Meteorologischen Observatorium
Potsdam, der letztere im Geophysikalischen Institut der Universität Göttingen
konstruiert worden. — Durch diese Schallversuche soll festgestellt werden, ob
auch in der Polarnacht der Schall wie in umseren Breiten in einer Höhe von
etwa 40 km zur Erde zurückgebogen wird, Als Ursache dieser Umbiegung wird
eine warme Schicht von etwa +30°C in etwa 50 km Höhe angenommen. In
der Polarnacht müßte diese Schicht sich abkühlen. — Das Geophysikalische
Institut Göttingen hatte diese Versuche vorgeschlagen und auch den Plan zu
ihrer Ausführung ausgearbeitet. — Gesprengt wurde, soweit bisher bekannt ge-
worden, bei Kap Schelanija (76° 57’ N, 68° 54’ 0) am 16, und 23. XII. 1932 sowie
am 6. I. 1933, — Russischer Hafen (75° 40’ N, 61° 0’ O0) am 16. und 23, XIL 1982
sowie am 11. I. 1933, — Matotschkin Schar (73° 16’ N, 56° 24’ O0) am 24. und
26. XII 1932 sowie am 6. I. 1933).
©. Tromsö, Nord-Norwegen. Dr.-Ing. und Dipl.-Ing. W. Bauer, Assistent am
Photophysikalischen Institut der Technischen Hochschule Danzig-Langfuhr, hatte
bereits im Winter 1931/32 zu Tromsö, also innerhalb der Zone größter Häufigkeit
der Polarlichter, mit Unterstützung der Notgemeinschaft der Deutschen Wissen-
schaft, der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft und der Heinrich-Hertz-Gesell-
schaft zur Förderung des Funkwesens Höhenbestimmungen des Nordlichts und
kinematographische Aufnahmen von Nordlichtern gemeinsam mit dem Vorstand
der Tromsöer Beobachtungsstation des norwegischen Instituts für kosmische
Physik durchgeführt, Die guten Ergebnisse ha ben die Fortsetzung dieser Arbeiten
im Winter 1932/33 mit parallelen Untersuchungen der elektromagnetischen Wellen
veranlaßt. Die Durchführung dieser Arbeiten gerade im Polarjahr bietet den
Vorteil, daß ihre Ergebnisse in Verbindung mit denen der gesamten Beobachtungen
des Polarjahres an Wert gewinnen. Zur wäissenschaftlichen Vorbereitung des
Unternehmens war eine „Arbeitsgemeinschaft für Elektrophysik der hohen Atmo-
sphäre“ gebildet worden, Vorsitzender Dr. K. W. Wagner, Präsident der Heinrich-
Hertz-Gesellschaft zur Förderung des Funkwesens, E, V,
Die Mittel für die Ausführung des Arbeitsplans von Dr. Bauer haben die
Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft und die Gesellschaft der Freunde
der Danziger Technischen Hochschule aufgebracht; die erforderlichen Instrumente
hat die A.E.G. zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die Entsendung des
funktechnischen Beobachters Dr.-Ing. A. C. Kre ielsheimer, Assistent am Heinrich-
Hertz-Institut für Schwingungsforschung, und für seine funktechnische Aus-
rüstung hat die Heinrich-Hertz-Gesellschaft getragen.
Beobachtet wurde auf der norwegischen Station Tromsö sowie auf den
Nebenstationen Tennes und Lingöy.
Eine englische Expedition nach Tromsö unter der Leitung von Appleton
hat dort ebenfalls im Rahmen des Polarjahres Höhenbestimmungen der Kennelly-
Heaviside-Schicht mittels des Echos elektrischer Wellen ausgeführt. Die Arbeits-
1) Nach Mitteilung von G. Angenheister, K. Duckert, H. Hergesell (in Secr, de l’Organ.
Möt&orol. Intern. No. 16, III. rapport de la Commiss. Intern. de l’Ann&e Polaire 1932/33. Compte-
rendu des traveaux de Ia comm. Öctobre 1931—Mai 1933. Proc&s-verbaux des scances de la rEun,
& Copenhague, Mai 1933. SS, 91/95) und nach Mitteilung von K, Stuchter.