"76 Annalen der Hydrographie und MariLimen Meteorologie, November/Dezember 1933,
Zur Frage der Temperaturmessung auf Schiffen.
Von Dr. Walter Stein, Leer,
(Hierzu Tafel 56.)
Auf meiner Ausbildungsweltreise habe ich auf Anregung der Deutschen See-
warte, insbesondere der Herren Professor G. Schott und Dr. J, Wittenbecher,
neben fortlaufenden Wetterbeobachtungen eine Reihe von Sonderaufgaben ver-
folgt, über deren Ergebnisse ich in den Ann. d. Hydr, berichten werde.
In der vorliegenden Arbeit soll über die Resultate einer Beobachtungsserie
zur Frage der Temperaturmessung auf Schiffen berichtet werden, Auf einer
Fahrt mit der Viermastbark „Padua“ von Hamburg nach Talkahuano (23. De-
zember 1930 bis 3, März 1931) wurden vierstündig, zeitweise zweistündig gleich-
zeitig abgelesen: Das Thermometer einer kleinen braunen, schiffseigenen Hütte
an der Rückseite des Kartenhauses, die beiden Thermometer einer weißen, frei-
stehenden Seewartenhütte und das Aßmannsche Aspirationspsychrometer. Die
Seewartenhütte wurde, frei dem Winde zugänmglich, über 2 m hinter dem Karten-
haus am mittleren Sonnensegelstützen Achterkante Hochdeck auf einem Bort
über dem Geländer angebracht. Dieser Platz wurde nach Beratung mit Herrn
Kapitän Klauß gewählt, dem ich für bereitwillige Unterstützung auch an dieser
Stelle herzlich danke. Das Psychrometer wurde unter Beachtung aller Sicherheits-
maßregeln in Luv abgelesen. Zu jedem Termin wurden alle Daten gesammelt,
die zur Diskussion von Strahlungseffekten usw. wichtig werden konnten. _
Die Bearbeitung nach dem Verfahren der Arbeit von H. Seilkopf: „Täglicher
Gang der Aufstellungsfehler bei Temperatur messungen auf Schiffen!)“ bestätigt
auch für Segelschiffe die charakteristische Kur ve des Gangverlaufs (siehe Tabelle 1).
In den Maximalwerten ergeben sich weitgehende Abweichungen. Ferner zeigt
sich bei der Bordhütte ein zweites Maximum bei 18b, das bei dem Material der
zitierten Arbeit nicht beobachtet wurde, Die dort benutzte Hütte ist vielleicht
ähnlich ungünstig aufgestellt gewesen wie unsere Bordhütte, denn bei der frei-
stehenden Seewartenhütte ist der Maximalfehler nach Mittag sogar nur -+ 0,03°
(Tabelle 1). (Der Instrumentenfehler ist berücksichtigt.)
Tabelle 1.
m— , — Turn — m. um mamaeemarn,
Beobachtungstermin | 0000 | 0800 | 1200 | 1600 1800 | 2000
Bordhütte minus Aßmann .....' —0.08° | 40.320 | -+0.57° | 4 0.48° | + 0.529 | +0.08°
Seewartenhütte minus Aßmann .. —03 Ö —002 1.10.03 '-— 001 | —021
Um ganz eindeutige Verhältnisse zu schaffen, habe ich mich dann auf das
Material der fast ausschließlichen Südkurse (Lizard bis Staateninsel) beschränkt.
Die Mittelung dieses reduzierten Materials ergibt (siehe Tabelle 2):
Tabelle 2,
0000 | 0800 * 1200 | 1600 | 1800 | 2000
40.140 | -+0.38° ' 40.769 ' 40.590 | +0.72° | 40.140
— 0.19 0 4003 41009 ' -—0.05 | —0.17
—005 | 007
a? — — =
Beobachtungstermin
Bordhütte minus Aßmann ‚....
Seewartenhütte minus Aßmann ..
Steuerbord- minus Backbordthermo-
meter der Seewartenhütte ,.,.
1. Die schiffseigene Bordhütte läßt einen maximalen Fehler von + 0,8°
zwischen 12h und 16h erwarten, die Ablesung ist immer zu hoch, Das zweite
Maximum bei 18% hat sich verschärft,
2. Die Gangkurve des Aufstellungsfehlerrs der Seewartenhütte (Abb. 1) hat
den erwarteten Verlauf, ein scharfes Maximum. Die Hüttentemperatur ist zwischen
8h und 17h etwas zu hoch (maximal nur —+0.1° etwa um 14b), sonst etwas
zu niedrig.
Das zweite Maximum bei 182 ist hier also nicht vorhanden. Die schräge
LA MR
3 Ann, d. Hrydr. usw. 1929, 8. 108 bis 113.