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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 61 (1933)

366 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1933, 
Über die Verwendung der sogenannten Kammermannschen Konstanten 
zur Nachtfrostprognose, 
gevrüft an dem Königsberger Material 1888 bis 1931. 
Von Erhard Böhm, Hamburg. 
[Schluß.] 
2. Untersuchungen dynamischer Art. 
a) Wetterlage. 
Wetterlagen einzelner Fröste, Um die bei den einzelnen Frostlagen 
herrschenden synoptischen Verhältnisse festzulegen, wurden zunächst die Wetter- 
lagen für jeden Frosttag bestimmt. Wenn dlie Wetterberichte der Deutschen 
Seewarte Hamburg zu einer näheren Einsicht nicht genügten, wurden die an 
der Wetterdienststelle Königsberg Pr. gezeichneten Karten herangezogen. Der 
Wettertypus der einzelnen Fröste ist von Pollack eingehend dargestellt worden, 
30 daß eine Charakterisierung hier überflüssig erscheint. Die Angaben von 
Pollack könnten nur in vollem Umfange bestätigt werden. Im Hinblick auf 
die gestellte Aufgabe wurden vielmehr nur diejenigen Fälle ausgesucht, die 
besonders typisch für ein Versagen und für Treffer der Kammermannschen 
Prognosenformel sind. Die letzten und ersten Fröste werden unter diesem ein- 
heitlichen Gesichtspunkt behandelt. 
Wetterlage der Frostperiode vom 4. bis 5. Mai 1928, 
8. Mai 1928 (Vortag). Die Wetterlage dieser Tage wird von einem ausgedehnten 
Hoch über dem Nordmeer und Fennoskandien beherrscht. Über dem SW und 5 
Europas lagern maritime und subtropische Warmluftmassen, Ein über dem 
Balkan und dem Schwarzen Meer gelegenes Tief zeigt in seiner Bewegung öst- 
liche Tendenz. Durch das Druckgefälle nordwest-südöstlicher Richtung bestimmt, 
strömen am Ostrande des Hochs Luftmassen der Polargegend über den Konti- 
nent bis nach Mitteleuropa. 
4. Mai 1928 (Frosttag). Die pontische Zyklone hat sich durch Zufuhr 
warmer Kontinentalluft an ihrer Vorderseite mach NNE vorgeschoben. Ihr folgt 
das nordische Hoch in südöstlicher Richtung, das durch anhaltenden Zustrom 
polarer Luftmassen genährt wird. Die Strömungsrichtung verlagert sich in 
östlicher Richtung. So drehen die Winde der Station vom 3, bis 4. Mai von 
NNE und NE nach E. Der Kontinentalcharakter der Luftmassen wird damit 
verstärkt. Über dem übrigen Teile Europas bleibt das Druckbild erhalten. 
5. Mai 1928 (Frosttag). Die Wetterlage äst im großen und ganzen erhalten 
geblieben. Das am 4. Mai nach SE vorstoßerade Hoch hat sich zu einer Hoch- 
druckbrücke entwickelt, die bis nach Rumänien reicht, In Deutschland herrscht 
bis auf einen geringen Teil im Westen antizyklonales Wetter, Die Strömungs- 
rerhältnisse werden ganz von der die Wetterlage beherrschenden Brücke bestimmt, 
die namentlich dem Osten Deutschlands bei nordwestlicher Luftströmung die 
über Skandinavien gelegenen Reste polarer Kaltluft zuführen. Die Winde 
der Station drehen im Laufe des 4. Mai auf Nord. In der Nacht vom 4, bis 
5. Mai herrscht Windstille. 
Ergebnis der Prognose, Die beiden Fröste werden nach Kammermann 
nicht vorausgesagt. Ihr wahres Minimum liegt tiefer, als man nach der Vorher- 
sage annehmen konnte, am 4, Mai um 2.1°, am 5. Mai um 2.7° tiefer, Bei dem 
am 4. Mai durch einen bereits am 3. Mai erfolgten Kaltlufteinbruch aus NE ver- 
arsachten Frost genügt die allgemein ermittelte Kammermannsche Konstante 
nicht, den Temperaturfall vorauszusehen. Durch geringen Zustrom von Luft- 
massen polarer Herkunft werden die Massen polar-kontinentalen Charakters 
verstärkt und führen nach der durch Advektion vorbereiteten Frostlage im 
antizyklonalen System zu einem reinen Strahlungsfrost. Auch in diesem beson- 
deren Falle ist die allgemeine Konstante unzulänglich. Die unerwartete Tem- 
peraturerniedrigung und die intensive Ausstrahlung muß durch die speziellen 
Eigenschaften der vorliegenden Luftmengen bedingt sein,
	        
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