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Full text: 61, 1933

364 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Novenmber/Dezember 1933, 
herabgezogen und verlaufen hier wirbelfrei am Hang herunter. In Sonderfällen 
kann auch ohne Abfluß der unteren Luft Föhn entstehen durch „mehr gewalt- 
sames Durchbrechen durch die unteren Schichten?)“. 
Das Ende des Föhnwetters wird meist dadurch erreicht, „daß kalte Luft- 
massen sich unter die Föhnströmung einschieben und letztere dann in die Höhe 
drängen. Das Anschwellen der kalten Luftmassen, deren obere Grenze durch 
eine str-cu-Decke sichtbar gemacht war, konnte direkt beobachtet werden?)“. 
Zu beachten ist auch der jahres- und tageszeitliche Wechsel des Berg- und 
Talwindes, der das Strombild im Gebirge noch verwickelter macht; der vom Tal 
zum Berg wehende Talwind setzt zuerst in den bodennahen Schichten ein und 
ist in allen Höhen stärker als der entgegengesetzt gerichtete Bergwind®), 
Bei Ballonfahrten über Küsten und Meere ist die charakteristischste 
Winderscheinung der Land- und Seewind; dazu kommt der thermische und der 
dynamische Auf- und Abwind. Von diesen sechs Strömungsarten ist der Ballon- 
fahrer an der Küste durchaus abhängig. Auch der Motorluftfahrer hat diese 
sechs Strömungen in Rechnung zu stellen. Vom Segelflieger wissen wir es, wie 
sehr er es tut und die Strömungen ausnutzt, 
Genaue Kenntnis vom Auftreten der Land- und Seewinde zu den ver- 
schiedenen Tages- und Jahreszeiten und bei den verschiedenen Wetterlagen ist 
erforderlich, um nicht im Ballon auf See abgetrieben zu werden, 
Wenn bei Fahrten über Land durch unrichtige Vertikal-Navigation ein 
gestecktes Ziel nicht erreicht wird, so landet man eben an irgendeiner anderen 
Stelle, und es entgeht einem höchstens die Ehre des Siegs, wenn es sich um 
sine Wettfahrt handelt. Anders ist es an der Küste; hier bildet eine falsche 
Vertikal-Navigation, ohne Berücksichtigung des Landwindes oder des Abwindes, 
eine Gefahr für den Ballon und seine Insassen durch Abtreiben auf das Meer, 
Die Abb. 13 zeigt eine Ballonfahrt an der schleswig-holsteinschen 
Westküste entlang (17); man sieht den charakteristischen Wechsel von Land- und 
Seewind und erkennt, daß diese Strömungsstörun g nur bis etwa 300 m Höhe reicht*). 
Im folgenden sollen noch weitere Beispiele von Ballonfahrten über See und 
Landungen an der Küste angeführt werden, bei denen es nötig war, auf die 
Lokalwinde und Vertikalnavigation Rücksicht zu nehmen, 
Am 15. Juni 9 Uhr überflog ich, wie schon oben (3) erwähnt, die Küste der 
Zuidersee bei Kampen in 150 m Höhe, Das Wasser hatte um diese Zeit wenig 
Temperaturunterschied gegen das Land, so daß das vermutete Fallen des Ballons 
nicht eintrat; ich mußte sogar Ventil ziehen, um das Schlepptau ins Wasser zu 
bringen, da ich ganz tief fahren mußte, um die Zuidersee richtig überqueren 
zu können und nicht zu weit nordwärts nach diem offenen Ausgang nördlich von 
Helder abgetrieben zu werden. Das jenseitige Ufer, das gegen '/„12 Uhr erreicht 
wurde, zeigte starken Auftrieb durch Erwärmung, dem durch Ventilziehen ent- 
gegengewirkt werden mußte, wenn auch noch gut 30 km Land bis zur Nordsee 
voraus war, 
An der Küste der Bretagne (5) überflog ich im Oktober einmal nachts 23 Uhr 
mit dem Ballon mehrere Meeresbuchten kurz wor der Landung bei Kap Prehel, 
ohne aber dabei eine Gefahr, abgetrieben zu werden, einzugehen, denn die 
Buchten oder Fjorde waren nur schmal, und der Wind war so kräftig, daß eine 
erhebliche Richtungsänderung und ein vorzeitiges Hinaustreiben auf den Ozean 
ausgeschlossen war, 
Teile der Ostsee wurden mehrmals überquert, Im Juni befanden wir uns 
abends 22 Uhr 200 m über dem Plöner See in Holstein und beabsichtigten nach 
den Dänischen Inseln hinüberzufahren (18). Da sich jedoch die Windrichtung 
änderte und Wetterleuchten auftrat, mußten wir unseren Plan aufgeben, fuhren 
1) Sitzungs-Ber, d, Wiener Akademie der Wiss. 1912, Bd, 121, 2a, S. 846, — % Ebenda S. 541, 
Zusammenfassend sagt von Ficker (Zitat 2) S. 46}, „daß die Ballondrift bei alpinen Fahrten aller- 
dings zahlreiche Beobachtungen über den Stromlinienverlauf im Gebirge zuläßt, daß aber zur Gewinnung 
ron Ergebnissen allgemeinen Wertes eine weitaus größere Zuhl systematisch durchgeführter Aufstiege 
ausgeführt werden müßte, bei denen Beobachtungen kinematischer Art die Hauptaufgabe sein müßten“, — 
5) Vgl, u. a. van Everdingen, Zur Theorie der Berg- und Talwinde, Beitr, zur Physik der freien Atın, 
Bijerknes-Festband 1932, 8, 109, — *) Das Wetter, 1914, 5, 105,
	        
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