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Full text: 61, 1933

8354 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorcalogie, November/Dezember 1933, 
Nach der Druckverteilung von 8 und 14 Uhr muß man annehmen, daß für 
Bremen ähnliche Windverhältnisse in Betracht: kamen, wie sie Hannover auf- 
weist, also größere Geschwindigkeit einer westLichen Luftströmung in der Höhe, 
wie es in Bremen bis in 500 m Höhe auch schon am 14, Juli festgestellt wurde, 
so daß die Annahme berechtigt ist, daß in Aer Höhe der Rückfluß der alten 
Warmluft schon früher beendet war als unten. In Hamburg ist es erst am 
16, Juli zu Starkregen gekommen, es ist deshalb lehrreich, die Ergebnisse des 
Flugzeugaufstieges in Hamburg zu betrachtem; leider ist, was für die Fest- 
stellung der Änderungen wichtig gewesen wäre, ein Aufstieg in Hamburg am 
158. nicht gemacht worden, gegenüber dem 14. Ju 3i sind die Temperaturänderungen 
in den verschiedenen Höhen: 
unten: — 1.2°, 1000 mi. — 3.79, 3000 m: — 40°, 
500 m: — 3,3% | 2000 m: — 4.69, | 4000 m: — 3.6°, 
es hat also seitdem eine allgemeine Abkühlung stattgefunden, die am Erdboden 
noch gering, in 2000 m am größten ist, In Fig, 11 ist die Zustandskurve nach 
den äquipotentiellen Temperaturen des Morgen aufstiegs vom 16, Juli von Ham- 
burg dargestellt, und dazu sind die entsprechenden Werte der deutschen Berg- 
stationen vom 16, Juli morgens eingetragen, Wir können drei verschiedene 
Luftmassen unterscheiden: in den unteren Schichten über Hamburg noch die 
alte subtropische Luftmasse von mehr als 50° äquipotentiell, dann eine zweite 
von ungefähr 45°, in der ein großer Teil der deutschen Bergspitzen liegt, und 
schließlich eine um nochmals 5° kältere, die arı den nordwestlichen Gipfeln und 
am Feldberg i. Schwarzwald sich zeigt und imı westlichen Deutschland (Aachen, 
Essen) schon am Boden auftritt. In dem Harmburger Aufstieg ist sie zwischen 
2400 und 3500 m erkennbar, so daß für Ham burg am 16. Juli das Vorauseilen 
der kälteren Luft in der Höhe erwiesen ist. Dae große Feuchtlabilität an diesem 
Tage über Hamburg ist aus Fig. 8 zu erkenmen, Man wird ähnliche Verhält- 
nisse für den 15. Juli über Bremen annehmen dürfen. 
Danach wären die Platzregen, die am 15. und in der Nacht zum 16. Juli 
1932 über Bremen niedergingen, einzuordnen in die von Refsdal') nach- 
gewiesene Klasse der feuchtlabilen Schauer, Nie ausgelöst werden durch eine 
schwache obere Front. Letztere ruft nach Re fsdal in den unteren Luftmassen 
eine vorübergehende Turbulenz hervor und kaann dadurch in den feuchtlabilen 
Schichten Vertikalbewegungen auslösen, Tatsächlich wurde in unseren Fällen 
rorübergehend gesteigerte Unruhe des Bodenweindes festgestellt, während Luft- 
druck und Temperatur beim Schauerbeginn keine besonderen Merkmale aufwiesen, 
Die untere Luftmasse hatte um 11 Uhr ©. Z, in Bremen eine Temperatur von 
19.2° und eine relat, Feuchtigkeit von 92%, Demnach lag ihre Kondensations- 
höhe in 210 m; die Höhe h, um die eine feuchtlabile Luftmasse über ihr Kon- 
densationsniveau gehoben werden muß, um selbständig weiter steigen zu können, 
berechnet sich nach der Refsdalschen Scha werformel unter Zugrundelegung 
des am 16. über Hamburg in den untersten S@hichten herrschenden Gradienten, 
zu ungefähr 150 m, sie war also nur gering und der Schauerbildung günstig. 
Der geringen Kondensationshöhe entsprechen die stündlichen Wolkenbeob- 
achtungen der Flugwetterwarte, die bis 9 Uhr 10/10 Steu in 100 bis 300 m, dar- 
nach 6/10 bis 9/10 Nb in 50 bis 200 m und durch die Wolkenlücke Ast feststellten. 
Dazu schreibt der Leiter der Flugwetterwarte»: „Flugzeugführer, die kurz vor 
dem Eintritt des Regens (gemeint ist der Schauer vom Mittag des 15. Juli) 
landeten, berichten, daß die Niederschläge zuraächst aus hohen Wolken gefallen 
sind.“ Diese Bewölkungsverhältnisse haben viel Ähnlichkeit mit den bei dem 
Hämburger Frühaufstieg am folgenden Tage besobachteten (Aerologische Berichte 
1. Teil, 1. bis 31. Juli 1932, herausgegeben vom der Zentralstelle für Flugsiche- 
rung): „9/10 sich lockernde Freu und Frst 150 bis 400 m; einzelne Quellungen in 
S bis 700 m; 1500 bis 2500 m 10/10 Nb mit Regen bis 2200 und quellender 
Oberfläche teilweise bis 2900 m; 2990 bis 4300 geschlossener Ast, darüber an- 
schließend 9/10 Ast und Acu.“ Die Ähnlichkeit des vertikalen Aufbaues über 
Bremen am 15, und Hamburg am 16, Juli erscheint auch hierdurch nahegelegt. 
1} Geofysiska Publikasjoner, Vol, V, Nr. 12,
	        
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