Mey, A,: Platzregen über Bremen,
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wenig trockener und wärmer geworden war, wird man annehmen müssen, daß
im Gebiete zwischen Rhein und Weser, wo am 12. Juli bereits eine erhebliche
und teilweise sehr kräftige Niederschlagstätigkeit auftrat, der Vorstoß der
kühleren Luftmasse in der Höhe schon stattgefunden hat. Da die Wind-
richtungen in den höheren Schichten Westdeutschlands (gemessen bis 6000 m)
nicht über SE hinweggehen — darüber in Bremen und Hamburg Drehung bis
auf SSW —, so muß die kühlere Luftmasse aus südlichen Gegenden heran-
geflossen sein, Am 13. Juli ist auch in der Höhe über Hamburg die feuchtere
und um 2° bis 4° kühlere Luft eingetroffen, ihre Front lag, nach der Linden-
berger aerologischen Übersicht dieses Tages, auf der Linie Unterelbe—Schlesien,
auf der, wie schon früher bemerkt, auch die Mehrzahl der besonders starken
Regengüsse sich erstreckt (vgl. auch die Stabilitätsverhältnisse in der Atmosphäre
über Hamburg nach Fig. 8), Am 14. ist auch in der Höhe über Königsberg die
neue Luftmasse zu erkennen, und nun kam es auch in Ostpreußen zu Starkregen,.
Sonach wurden die günstigen Bedingungen für die Entstehung von Starkregen über
Norddeutschland in der Zeit vom 12, bis 14. Juli 1932 dadurch geschaffen, daß sich
über eine sehr warme kontinentalsubtropische Luftmasse eine etwas kühlere, sehr
feuchte Luftmasse, ebenfalls subtropischen Ursprungs, herüberschob, wodurch große
Feuchtlabilität entstand. Die Front kennzeichnete sich durch besonders starke
Regengüsse, aber auch hinter ihr blieb die Neigung zu Labilitätsschauern bestehen,
wobei allerdings die noch intensiven Güsse vorwiegend in den Gebirgsgegenden
auftraten, wo sie durch die erzwungene Hebung offenbar unterstützt wurden.
Indessen wird für das Auftreten besonders starker Schauer am 15. Juli auf
einem vonder Jade bis nach der Mark und nach Schlesien sich erstreckenden
Streifen, der auch die Bremer Platzregen enthält (Fig. 9), eine neue Ursache in
Betracht kommen, Auf der Rückseite der flachen mitteleuropäischen Depression,
deren. Kern am 14, Juli schon über Posen lag und einen Ausläufer nach der
deutschen Bucht erstreckte, drang allmählich eine kühlere Luftmasse nach
Westdeutschland herein; an Hand der äquipotentiellen Temperaturen läßt sich
der keilförmige Vorstoß dieses neuen Luftkörpers am Morgen des 15. Juli sehr
gut erkennen (siehe Fig. 10), Der Unterschied der Äquivalenttemperaturen be-
trägt zwischen Elbe- und Rheingebiet etwa 11°, Kahler Asten, Feldberg i. T, und
Wasserkuppe zeichnen sich durch stark herabgesetzte Äquivalenttemperaturen
aus, der Brocken liegt im Grenzgebiet; es scheint die Kaltluft in der Höhe sehon
weiter als unten ostwärts vorgedrungen zu sein. Der nächstliegenden Annahme,
daß ein an der Erdoberfläche vordringender Kaltluftkeil an seiner Front durch
Unterschieben unter die Warmluft die Starkregen des 15. Juli ausgelöst habe,
steht hinsichtlich Bremens die Tatsache entgegen, daß hier ganz und gar die
Kennzeichen einer Einbruchsfront in Barogramm, Thermogramm und Anemo-
gramm fehlen, der Luftdruck vielmehr seine seit dem 10, Juli fast durchweg be-
stehende Tendenz langsamen Fallens bis einschlieBlich den 16. Juli beibehielt,
Auch die Möglichkeit, daß durch starke Erwärmung‘ der untersten Luftschichten
eine vertikale Umlagerung der Luftmassen herbeigeführt worden sei, scheidet
hier aus, da infolge anhaltend vollständiger Himmelsbedeckung eine Mitwirkung
der Einstrahlung fortfiel, so daß bei einer Mitteltemperatur von 18.6° die Tages-
schwankung am 15. Juli nur 2° betrug. Außerdem traten die Schauer in Bremen
unabhängig von der Tageszeit auf.
Man wird sonach zu der Annahme gedrängt, daß die für die Starkregen
am 15, Juli erforderliche große Labilität der Luftmassen über Bremen dadurch
entstand, daß die von Westen her im Vordringen begriffene Kaltluft in der Höhe
über Bremen schon vorhanden war, als in den unteren Schichten noch immer
die alte Luftmasse subtropischen Ursprunges rückfließend langsam strömte. Es
sind leider wegen der niedrigen Wolkendecke am 15, Juli in Bremen keine Höhen.
windmessungen möglich gewesen, die Nachbarmeßstellen ergeben:
Th Hannover, 13% 6x Hamburg. 138
unten: WzN 4, unten: WzN3, | unten: Stille, unten: SW 3
200 m: WNW 7. 200m: W 6. 200m: E22. 200m: 8 4,
400 m: WNW_10. 300m: WzN 7. | 400 m: Stille, 500 m: SEZE 3,
600 m: NWzZW 10. 1000 m: NE 4