Mey, A.: Platzregen über Bremen.
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zeiten des Starkregens an den weiter außerhalb gelegenen Stationen, dem Verlauf
des Schauers und der Verteilung der Gesamt-Niederschlagsmengen läßt sich
schließen, daß der Gesamtvorgang sich radial ausgebreitet und zugleich langsam
ostwärts verlagert hat. Die Schauer an den äußersten nordwestlichen Meßstellen
sind wahrscheinlich davon abzutrennen,
Über die allgemeine Wetterlage, bei welcher der geschilderte Vorgang sich
abgespielt hat, wird später gesprochen werden, es soll zunächst nur über das
Verhalten der übrigen meteorologischen Elemente zur Zeit des Regenschauers
berichtet werden. Der Luftdruckgang beim Observatorium zeigt in der schon
seit Mitternacht langsam fallenden Kurve um die Zeit des Schauers keine auf-
fallende Änderung. Ebensowenig erscheint in der Temperaturkurve ein größerer
Einfluß, als daß mit Einsetzen des Niederschlages von 12 Uhr ab die Temperatur
bis 14 Uhr langsam um einen Grad fiel, worauf bis gegen 18 Uhr wieder ein
ganz leichter Anstieg um knapp 1° erfolgte mit anschließendem Temperaturfall
um 2!/,° bis zum Morgenminimum, Die Temperaturkurve dieses Tages hatte die
geringe Amplitude von rund 21/,°, Die bemerkenswerteste, aber auch nicht be-
deutende Änderung um die Zeit des Regenbeginnes zeigt noch der Wind, der
von WNW zunächst auf WzN und nach einer Stunde auf W drehte und von
seiner mittleren Geschwindigkeit von 2 bis 3 m/sec vor dem Regeneinsatz noch
etwas abflaute, um dann etwas anzuschwellen, so daß er in der ersten Stunde
des Schauers im Mittel etwa 4 m/sec, im Maximum 6*/, m/sec erreichte; in den
folgenden Stunden lag die Geschwindigkeit zwischen 3 und 4 m/sec. Nach alle-
dem scheinen die Vorgänge und Verhältnisse am Boden von geringem Einfluß
auf die Schauerbildung gewesen zu sein. Eine Höhenwindmessung fand wegen
anhaltend niedriger Bewölkung in Bremen nicht statt, die stündlichen Wolken-
beobachtungen der Flugwetterwarte ergaben bis 9 Uhr ganz bedeckten Himmel
mit Steu, deren untere Grenze von 300 m um 5 Uhr auf 100 bis 200 m um
9 Uhr herabsank, von 10 Uhr ab wurden 7/10 bis 9/10 Nb in zwischen 50 und
200 m schwankender Höhe notiert, über denen eine Ast-Decke erkennbar war.
Die Sicht am Boden ging nicht unter 6 km herab.
Die weiteren Starkregen, die während des Abends und der Nacht zum
16. Juli über bremischem Stadtgebiet niedergingen, lassen sich nicht, wie der
erste, hinsichtlich ihres Entstehungsortes und ihres Umfanges festlegen, da sie
sich zum Teil jenseits des mit registrierenden Regenmessern besetzten Gebietes
abspielten. Die Darstellung der Fig. 1 zeigt, daß zuerst, gegen 20” Uhr, im
Nordwesten ein Schauer auftrat, der aber nur bei den Stationen 1 und 2 starken
Regen brachte, während er bei den Nachbarstationen 3 und 4 nur noch schwach
angedeutet ist, Über ihn lassen sich keine weiteren Angaben machen, die
Registrierinstrumente des Observatoriums zeigen um diese Zeit keine Besonder-
heiten im Gange, Nicht im Zusammenhang mit ihm steht ein Starkregen, der
sich (siehe Fig. 5) kurz vor 22 Uhr zuerst im Nordosten (Station 8) bemerkbar
machte und sich in südwestlicher Richtung über die Stadt ausbreitete, wobei
die Ergiebigkeit nachließ. Auch die Regendichte war nur an den nordöstlichen
und östlichen Stationen erheblich, den Grenzwert 1 mm/5 Min. erreichten und
überschritten nur die Stationen 2, 4, 6, 8, 9 und 10. Außer hinsichtlich seiner
erwähnten südwestlichen Ausbreitung läßt sich über diesen von den Meßstellen
auch nur teilweise erfaßten Starkregen ebenfalls nichts weiteres feststellen. Auch
in diesem Falle zeigen Barogramm und Thermogramm des Observatoriums keine
auffallenden Änderungen, dagegen drehte der Wind von 21% bis 22” Uhr lang-
sam von W auf WNW und dann sprunghaft bis auf NzW, welche Richtung etwa
10 Min. lang beibehalten wurde, worauf die Fahne innerhalb 15 Min. wieder auf
WNW zurückdrehte. Mit dem raschen Drehen um 22%“ Uhr, d. i, die Zeit des
Schauerbeginnes beim Observatorium, war eine vorübergehende Geschwindigkeits-
zunahme von 3 auf 6 m/sec verbunden. Noch einmal in dieser Nacht traten
Starkregen zwischen 2 und 4 Uhr des 16. Juli an verschiedenen Stationen auf.
Die Verteilung der Niederschlagsmengen, die aus Fig. 6 erkennbar ist, läßt
wiederum den Schluß zu, daß es sich bei den links der Weser gelegenen Sta-
tionen 5 und 11 einerseits und den östlichen Meßstellen 8, 9 und 10 anderer-