350 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November/Dezember 1933,
scheint, wenn man die Anfangzeiten bei den Stationen 5, 6 und 8 in Betracht
zieht, nach Osten hin etwa doppelt so groß gewesen zu sein als nach Westen
hin. Man könnte hierin eine hemmende Wirkung des Weserstromes erblicken,
aber es gibt doch noch eine andere Erklärungzsmöglichkeit. Dazu sind in Fig, 3
bei den Regenstationen die Zeiten eingetragen, bis zu denen mindestens 1 mm
in 5 Min. gefallen ist, Die an sich etwas willkürliche Begrenzung wird dadurch
gestützt, daß tatsächlich zu den gleichen Terminen die Regendichte wesentlich
nachließ, Die eingezeichneten Isolinien weisen darauf hin, daß die Schauer-
erscheinung als Ganzes sich in westöstlicher Richtung fortbewegt hat, was der
bis in die höheren Luftschichten vorhandenen schwachen westlichen Luft-
strömung entsprechen würde, Sonach könnte die in Fig. 2 zum Ausdruck
kommende ungleichmäßige Ausbreitung des KRegenbeginnes auch auf das Zu-
sammen wirken zweier Vorgänge zurückzuführen sein, nämlich einer gleich-
mäßigen, radialen Ausbreitung (A,) und eiraer darüber gelagerten West-Ost-
bewegung (Abtrift A.) des ganzen Systems, Es müßte dann die tatsächliche
Ostwärtsausbreitung sein gleich A, + A, die tatsächliche Westwärtsausbreitung
gleich A, — A, Aus Fig. 2 entnehmen wir, daß die ungefähr auf einer West-
Dstlinie gelegenen Stationen 5 und 8 gleichen Regenbeginn hatten und daß ihre
Entfernungen von der 12%.Linie des Starkregzens sich ungefähr wie 4:1 ver-
halten. Das würde bedeuten, daß in der gleiezhen Zeit (A, + A,) den vierfachen
Weg von (A, — A,) ausmacht, also:
Ay} Ay= 4(A, — Asyl; Ay,
Der rund 4 km betragende Weg bis nach Station 8 wurde in 45 Minuten
zurückgelegt, das sind 1.5 m/sec, also ist A, |- Ay = 1.5 m/sec. Da wir A, =
fanden, so ergibt sich für die westöstliche A_btrift des Niederschlagsystems ein
Betrag von 0.6 m/see und für die radiale Ausbreitung: A, — 1.0 m/sec.
Man kann den Wert von A, noch nachprütifen, indem man ihn mit Hilfe der
Station 4 berechnet, deren Verbindungslinie mit dem Herd des Schauers un-
gefähr senkrecht zur Verlagerungsrichtung cAes Systems steht, so daß hier die
Ausbreitungsgeschwindigkeit gar nicht oder raur unbedeutend durch die Abirift
beeinflußt wird. Es dauerte rund 40 Min, bis in der etwa 2.5 km vom Zentrum
entfernten Station 4 der Regenschauer einsetzte, so daß man auf einen Wert
von rund 1 m/sec für A, kommt, der mit dem vorhergefundenen übereinstimmt,
Für eine langsame Ustwärtsbewegung der Schauererscheinung sprechen auch
die folgenden Zahlen, die für die einzelnen Stationen angeben, wie lange an ihnen
der Regenguß mindestens 1 mm/5 min lieferte.
Station Nr. | 3 |2]3 1415 6 |7 8 |9 voln
Dauer in der Minute 17 | 38 | 82 | 28 | 230 | 73 | 7 | 62 | 4 | 18 | 0
Die Stationen, die sich durch besonders lange Dauer des starken Regens hervor-
heben, liegen auf einem etwa 3 km breiten Streifen, der sich von der Weser
östwärts erstreckt.
Die Verteilung der Gesamtmenge des ersten Starkregens von Beginn bis
19 Uhr, einem Zeitpunkt, zu dem keine der Stationen mehr erheblichen Regen
verzeichnete, ist in der folgenden Tabelle und in Fig. 4 dargestellt.
21835] 4| 5] 617] 8) 9) 0ln
Gesamtregenmenge {mm} | 12.1 | 17,0 | 34.6 | 22.0 | 226 393 | 35.1 | 28.0 | 35.4 | 19.2 | 110
Die Linien gleicher Niederschlagsmenge liegen konzentrisch um die bremische
Altstadt.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß sam 15. Juli 193% zur Mittagsstunde
an zwei etwa 2 km voneinander entfernten Meßstellen der Innenstadt starker
Regen einsetzte, Ob es sich dabei um ein einheitliches Phänomen oder um
zwei gleichzeitige Schauer handelte, läßt sich richt entscheiden. Aus den Anfangs-