Ann. d. Hydr., usw., LXI. Jahrg, (1933), Heft XI/XIL
FIESn
Platzregen über Bremen.
Von A, Mey, Bremen,
(Hierzu Tafel 53 und 54.)
Am 15. Juli 1932 erregte ein um 12” Uhr beim Observatorium Bremen ein-
setzender starker Regen unsere besondere Aufmerksamkeit dadurch, daß nach
einer Stunde, während hier in anhaltender Folge bereits 12 mm gefallen waren,
der 5 km südlich gelegene Flugplatz noch niederschlagsfrei war. Man hatte
dort, nach einer Außerung des Leiters der Flugwetterwarte, aus Sichtweite und
Himmelsaussehen „überhaupt nicht den Eindruck, daß in so geringer Entfernung
Niederschläge fielen“. Der technische Assistent der Flugwetterwarte, der auf
seinem Fahrrade zur Stadt fuhr, „wurde erst an der Neuenlanderstraße gegen
12% Uhr aufmerksam, daß in der Rathenaustraße, etwa mitten zwischen Neuen-
lander- und Erlenstraße (bezeichnet auf Fig. 2 durch +) die Straßenoberfläche
zu glänzen schien, als ob Wasser ausgeschüttet wäre. Als er näher kam, bemerkte
er zu seinem größten Erstaunen, daß es dort kräftig regnete. Die Grenze des
Niederschlages war scharf ausgeprägt, eine Übergangszone mit leichterem Regen
fehlte vollkommen. Erst um 1327 Uhr setzte auch am Flugplatze stärkerer Regen
ein, der aber durch zeitweisen Staubregen angekündigt wurde.“
Da im Bremer Stadt- und Vorortgebiet 12 registrierende Regenmesser während
der warmen Jahreszeit in Betrieb sind, so war die Möglichkeit gegeben, den
Spuren dieses Regengusses weiter nachzugehen. Es ist durch gute Überwachung
der Uhrwerke im Laufe der letzten Jahre gelungen, den Gang der Registrier-
trommeln recht zuverlässig zu gestalten, und es wurden auch am Tage nach
diesem Niederschlage die Gangfehler der Uhren noch besonders festgestellt; sie
überschritten nur in zwei Fällen den Betrag von 10 Min. je Tag (Höchstbetrag
19 Min.). Demnach können die verbesserten Zeitangaben als ziemlich genau an-
gesehen werden. Leider war das Uhrwerk einer im Nordwesten gelegenen
Station gerade in Reparatur, so daß nur 11 Registrierstationen für die Unter-
suchung herangezogen werden konnten, von denen eine (Nr. 5) infolge Hakens
der Schreibvorrichtung zeitweise nur in Treppen geschrieben hat.
Die Auswertung der verschiedenen Registrierkurven ergab das in der gra-
phischen Darstellung (Fig. 1) wiedergegebene Bild, in dem die einzelnen Säulen
die Niederschlagshöhe (mm) für jede Viertelstunde bedeuten. Darnach ist nicht
nur der eine schon erwähnte Platzregen, der um die Mittagszeit des 15, Juli
begann, über bremischem Gebiete niedergegangen, sondern am Abend des 15,
und in der Nacht auf den 16, Juli ereigneten sich über einzelnen Stadtteilen
noch weitere, ebenso ertragreiche Starkregen. Die Darstellung zeigt, daß die
Zeit zwischen den Haupterscheinungen vorwiegend mit leichtem Niederschlag
ausgefüllt wurde. Vor dem ersten Schauer hat nur die Station 5 gegen 11% Uhr
0.2 mm aufgezeichnet, am 13. und 14. Juli war es ebenfalls an den meisten Meß-
stellen trocken, nur vereinzelt wurde ein ganz leichter Schauer registriert, während
am Spätnachmittage des 12. fast alle Meßstellen einen schwachen oder mäßigen
Schauer von 1 bis 4 mm Ertrag verzeichneten.
Der erste Starkregen ist besonders bemerkenswert dadurch, daß man
den Ort seines Entstehens gerade über der bremischen Innenstadt ungefähr um-
grenzen und daß man auch seine Weiterentwicklung verfolgen kann. Die auf
Fig. 2 in den Lageplan der Regenmeßstellen eingetragenen Linien gleichen Regen-
beginnes sind in ihrer nordwestlichen Erstreckung fraglich, es ist wahrschein-
licher, daß es sich bei den Stationen 1 und 2 um einen selbständigen Regen-
schauer handelt; leider war die Station, die diese Frage hätte klären können,
gerade vorübergehend außer Betrieb, Nach den übrigen Seiten hin erscheint
es durch die Aufzeichnungen der Regenmesser genügend festgelegt, daß das
Einsetzen der Schauertätigkeit sich radial von jenem Gebiet ersten Auftretens
aus fortgepflanzt hat, Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit dieses Beginnes er-
Ann. 4. Hydt, usw. 1983, Heft XI/XII.