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Full text: 61, 1933

A 
Amnalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1933. 
5, Die britische Tiefsee-Expedition auf „Discovery II“ 1932/33, Yon 
den großen ozeanographischen Unternehmungen im letzten Jahrzehnt wurde in 
dieser Zeitschrift jeweils nach Beendigung der Reisen der äußere Verlauf und 
der Umfang des zu erwartenden wissenschaftlichen Gewinnes bekannt gegeben, 
so von der deutschen Expedition auf „Meteor“ 1925/27, von der amerikanischen 
auf „Carnegie“ 1928/29, von der dänischen auf „Dana“ 1928/30, von der nieder- 
ländischen auf „Willebrord Snellius“ 1929/30, Es ist Pflicht und Bedürfnis, auf 
eine vor kurzem abgeschlossene, ganz große britische Leistung hinzuweisen, auf 
die Tiefsee-Expedition durch „Discovery 11“ vom 8. April 1932 bis 29, März 1933; 
sie stellt in ihrer Art eine bisher selten erreichte wissenschaft- 
liche und vom seemännischen Standpunkt aus einzigartige Tat dar. 
Sie kann der altberühmten „Challenger“ Expedition in mancher Hinsicht, z. B, in 
der Folgerichtigkeit des Planes, an die Seite gestellt werden. Die Expedition 
gipfelte in einer systematischen ozeanographisch-biologischen Erforschung der 
höheren und höchsten südlichen Breiten in allen drei Weltmeeren: die bewunderns- 
werte nautische Seite liegt in dem Umstand, daß mit Rücksicht auf die prak- 
tischen Fragen der Verbreitung der Wale und ihrer Nahrung der größte Teil 
der Reise im südlichen Herbst und Winter ausgeführt wurde. Was das 
bedeutet, in den langen Winternächten bei ganz kurzem Tageslicht viele Male 
bis zur Packeisgrenze vorzustoßen und dabei in rauhem Wetter und hohem See- 
gang zu stoppen und wissenschafilicher Arbeit nachzugehen, davon eine ent- 
sprechende Vorstellung zu geben, würde mehr Raum als hier verfügbar ist, er- 
fordern. Ein überaus tragisches Geschick hat es gewollt, daß gerade der Kom- 
mandant W. M. Carey 2 Tage vor der Rückkehr der „Discovery II“ nach England 
in der Biskaya über Bord gespült worden ist. Ungefähr alle großen Expeditionen 
auf See scheinen je ein besonders wertvolles Menschenleben zu fordern. 
Die Wissenschaft kennt schon seit mehreren Jahren die Leistungen des 
„Discovery“-Committee in London, das dem Colonial Office angegliedert ist, von 
Dr. Stanley Kemp geleitet wird und zunächst sein Arbeitsgebiet in den so- 
genannten Falkland Dependencies im südlichsten Atlantischen Ozean suchte, Mit 
zwei Forschungsschiffen, „Discovery II“ und „William Secoresby“, wurden diese Ge- 
wässer in der neuzeitlichsten Form untersucht; man braucht nur die Discovery 
Reports zur Hand zu nehmen, in denen alle ozeanographischen Tiefstationen, die 
beispielsweise bis Mai 1931 auf See ausgeführt wurden, bereits 19832 veröffentlicht 
sind, um sich von der vor der Weltreise liegenden Tätigkeit Rechenschaft 
zu geben, 
Die nachfolgenden Angaben über die Unternehmung 1932/33 beruhen auf 
freundlichen Mitteilungen von Kemp, Mackintosh und auf einem Aufsatz von 
D, John, einem Expeditionsmitglied („Times‘“, 3, Mai 1933}, Der Reiseweg der 
„Discovery II“ (siehe die Abb. S. 343) läßt 7—8 V-förmige Einzelwege erkennen; 
nach je einem Vorstoß bis zur Packeisgrenze ging es stets nordostwärts bis un- 
gefähr 40° S-Br. Eine Hauptaufgabe der Expedition bestand nämlich in möglichst 
rollkommener Festlegung der Nordgrenze des kalten antarktischen Oberflächen- 
wassers, das in dem Konvergenzgebiet mit wärmeren Wassermassen irgendwo 
zwischen 40 und 50° S-Br. zum antarktischen Zwischenstrom untertaucht. Die 
regionale Ausdehnung des salzarmen Polarwassers oder die Lage der Südpolar- 
[ront ist auch wichtig, weil diese Wasserart den Futterplatz der Blauwale 
und Finwale abgibt; denn hier entwickeln sich die unendlichen Massen der 
von den Norwegern „Kril“ genannten kleinen Krebse (Euphausia- und Amphi- 
podenarten), Der Kril seinerseits lebt von den Diatomeen, die als Pflanzen wieder- 
um von den im Meerwasser vorhandenen chemischen Nahrungsstoffen abhängig 
sind. Da die Konvergenzlinie nicht bloß örtlich, sondern auch jahreszeitlich sich 
mit Wandlung z. B. meteorologischer Vorgänge zweifellos bis zu gewissem Grade 
verschiebt, erkennt man die Notwendigkeit möglichst genauer wissenschaftlicher 
Untersuchung aller Faktoren. Schon vor der letzten Weltreise hatten die britischen 
Untersuchungsfahrzeuge im Südatlantischen Ozean die Grenzlinie an 20 Positionen 
festgelegt, Nunmehr wird man bald auch für die zwei anderen Meere die Lage 
der Konvergenz und eine Fülle sonstiger Tatsachen erfahren. In der Abbildung
	        
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