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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 45. Bd. Heft 3.
verschoben sind, wobei die Zone westlicher Winde auf Kosten der Zone östlicher Winde in der
Höhe an Breite gewinnt. Beim Vordringen des Tiefs nach NO über den Kanal (123) arbeitet sich der
Westwind zuerst am Boden vor. Temperaturmessungen fehlen leider.
Gruppe II. Westwindzone.
Südlich des Tiefkerns herrscht ständig südwestlicher Wind (Aufstieg 8—17); mit der Höhe dreht er
nach rechts und nimmt an Geschwindigkeit zu (15—-17).
Die Westwinde reichten im März 1924 auf dem Ozean sehr 'weit südwärts bis 28° Nord
breite. Es ist dies als seltene Ausnahme, selbst für den Frühling anzusehen. In der Höhe, in 1 bis
3 km, herrschte sogar noch 3° weiter südlich, in 25' Breite Südwestwind (Aufstieg 21 aus Gruppe III).
Gruppe III. Roßbreitenhoch.
Die Aufstiege dieser Gruppe zeigen das Einsetzen des NO-Passats an seiner polaren Seite (21).
Der Passatwind schiebt sich im März auf seiner Wanderung nach nördlicheren Breiten unter die dort
befindlichen Luftmassen und -Strömungen und dringt auf diese Weise keilförmig allmählich auch in der
Höhe weiter nordwärts vor.
Insbesondere ist also auch hier wieder festgestellt, daß die die gemäßigten Breiten beherrschende
Westwindzone in der Höhe viel weiter nach Süden reicht, als am Boden. Am Boden
herrscht schon NO- und Ostwind, in 1 km Höhe oder etwas höher ist meist Windstille, und darüber
wehen die südlichen und südwestlichen Winde der sich nördlich anschließenden Breiten. Alle 4 Auf
stiege zeigen fast das gleiche Bild.
Gruppe IV. Nordostpassat.
Zu a—c Taf. 9. Die 14 +17 = 31 Aufstiege im Nordostpassat bestätigen uns, daß dieser Wind nur
in den unteren 1 bis 2 km weht, und zwar außerordentlich beständig. Darüber liegt die typische Zone der
Windunbeständigkeit und -schwäche.
Westliche Winde in größeren Höhen beobachteten wir 7 mal, und zwar von folgenden Höhen an
und bei folgenden Aufstiegen: Von 5 Kilometer an bei Aufstieg 34, 35 und 98, von 10 Kilometer an bei
97 und von 6 Kilometer an bei 30; bei diesen 5 Aufstiegen war die Richtung in der Höhe mehr südwest
lich (bei 30 sogar 20 mps), während sie bei den beiden Aufstiegen Nr. 100 von 4 Kilometer an und bei
Nr. 25 von 17 Kilometer an mehr nordwestlich war, bei Nr. 100 sogar 22 mps in 12 bis 16 Kilometer Höhe.
Zu d. Besonders interessant erscheint der Vergleich der Aufstiege 100 und 94. Ersterer liegt
offenbar noch auf der polaren Seite des Passatgürtels, ebenso wie auch, die Aufstiege 98 und 97; alle
3 zeigen in der Höhe noch westliche Winde. Dagegen scheint der Aufstieg 94 ein charakteristisches
Beispiel für die Windrichtungsverteilung über der äquatorialen Seite des Passatgürtels mit durchgehen
den östlichen (nordöstlichen) Winden) bis zu großen Höhen, bis 15 Kilometer nach Aufstieg 95 und 94, zu
sein. Der NO-Wind ist in dieser Höhe im Anfang Juni in 10° Nordbreite sogar sehr stark gewesen,
12—17 mps. Der Breitenunterschied zwischen den beiden Aufstiegen 97 und 95, die in der Höhe ent
gegengesetzte Windströmungen aufwiesen, West 5—10 mps in 12—17 km und Nordost 6—17 mps in
9—13 km, beträgt nur 3° (14° —11° Breite); hier lag scheinbar das Zentrum des Passatgürtels Anfang
Juni 1924 (vgl. Abschnitt 13).
Aufstieg 97 erscheint als ein Tohuwabohu von Windströmungen. Unten weht der normale NO-
Passat; wir befinden uns im stationären mittleren Teil des Passatgebiets in 14° Nordbreite. In 1,5 Kilo
meter Höhe folgt die gesetzmäßige Abnahme auf fast Windstille, darüber weht mäßiger Ostsüdost als
Urpassat, in 5000 m herrscht abermals Windstille, dann folgt bis 7 km eine schwache Südströmung,
bis 9 km schwache NO-Strömung, bis 15 km eine mäßige NW-Strömung und von 16—17,2 km eine
schwache SW-Strömung; leider platzte der Ballon in dieser Höhe.
Die mittlere Windgeschwindigkeit über alle Schichten beträgt bei diesem Aufstieg 97 skalar 6,0 mps,
während die Horizontalentfernung zwischen Aufstiegs- und Platzort nur 4,6 km beträgt, woraus sich eine