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Annalen der HArdrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1933,
löchert ist. In diesen Zylinder wird der Thermometerhalter (in Fig. 1 rechts) von
oben her eingeschraubt. Dieser Halter ist hohl; er erweitert sich oben zu einem
Trichter und ist unten in Höhe der Thermometerkugeln durchbohrt. Hierdurch
wird das Wasser, das nur von oben her durch den Trichter eindringen kann,
gezwungen, die Thermometerkugeln kräftig zu umströmen und den ganzen
Schöpfer zu durchspülen, Es genügt, das Gerät einige Minuten längsseit mit-
schleppen zu lassen, um die Oberflächentemperatur auf mindestens 0.1° genau zu
erhalten; dies ergaben Vergleiche mit dem üblichen Verfahren (Messung in einer
Zinkpütze — Segeltuchpützen sind wegen der Verdunstungskälte zu vermeiden).
Auch die Wasserproben sind einwandfrei. Die Thermometer sind federnd in
Gummi befestigt; zudem ist der Schöpfer außen mit zwei
Tauwerkringen versehen; es kam daher auch bei grober
See nur selten vor, daß die Thermometerfäden infolge An-
schlagens des Schöpfers an die Bordwand rissen und die
Messung wiederholt werden mußte, Die Lufttemperatur
wurde mit Aßmann-Psychrometern in etwa 9 bis 10 m
Höhe über der Meeresoberfläche stets an der Stelle des
Schiffs gemessen, die wirklich zuerst vom Wind getroffen
wurde, Damit dürfte der von G. Wüst auf 0.2 bis 0,3°
und mehr veranschlagte erhöhende Einfluß des Schiffs-
körpers doch praktisch ausgeschaltet sein. [Die von Wüst
zugrunde gelegten Messungen sind nicht unmittelbar in Luv
gemacht?).] Die Lufttemperaturen zu den meteorologischen
Terminen (6, 12, 18 Uhr) sind von dem Meteorologen der
Versuchsfahrt, Fr. Wagner, zur Verfügung gestellt; die
übrigen Beobachtungen sind vom Verfasser ausgeführt.
In Fig. 2a und 2b, Tafel 46, sind an den Reiseweg als
Abszisse die Temperatur- und Salzgehaltswerte als Ordinaten
angetragen, Die im Mai (Fig, 2a) angetroffenen Tempera-
turen entsprechen zwischen Kap Spartel und Kap Blanco
im ganzen der Mai-Karte der Oberflächentemperatur in
Schotts Geographie des Atlantischen Ozeans (Tafel IX), so.
weit der kleine Kartenmaßstab einen Vergleich erlaubt,
Südlich von Kap Blanco wurden jedoch auf D, „Westfalen“
schon von 191/,” N ab ständig Temperaturen über 20° ge-
messen, während bei Schott die 20°-Isotherme bis südlich
von Kap Verde ausholt. Die Werte vom 13, bis 18. Mai 1933
stimmen auffallend gut zu dem Jahresmittel der Ober-
Nächentemperatur (Schott, a, a. O0, Tafel X}; sie mögen
deshalb auch den Normaljahresmitteln gegenübergestellt
werden, die Krümme) für die einzelnen Breitenkreise der
Nordhalbkugel berechnet hat (Handbuch der Ozeanographie, 2, Aufl., 1907, Band 1,
S, 401), Diese Normalwerte sind am linken Rand der Karte eingetragen; an ihnen
gemessen würde etwa unter 33° N das Temperaturdefizit der Meeresoberfläche
beginnen,
6 Zwei Kerngebiete kühlen Wassers heben sich ab, ein nördliches südwestlich
von Kap Kantin, ein südliehes westlich und südwestlich von Kap Blanco, beide
also, in der vorherrschenden Wind- und Stromrichtung gesehen, in Anlehnung
an die nördlichen Eckpfeiler der beiden ausgeprägtesten Buchten. Die Tempera-
turen in diesen Kerngebieten sind annähernd gleich (zwischen 17,5° und 18,5°);
das Kap Blanco-Minimum wird durch den alsbald einsetzenden Temperatur-
anstieg nach Süden hin augenfälliger. Zudem liegt von Kap Bojador bis süd-.
westlich von Kap Blanco die Lufttemperatur bis zu 1° über der Wassertemperatur,
während diese Temperaturumkehr weiter nordwärts, im Bereich des Kap Kantin-
Minimums, nur vereinzelt auftritt. Das Gebiet, in dem „das Wasser kälter als
die Luft zu sein pflegt“, soll nach Schotta Karte „Lufttemperatur minus Wasser-
1 G. Wüst, Die Verdunstung auf dem Meere, Veröff, d, Instituts f. Meereskunde. N, F.
Reihe A, Heft 5, Berlin 1920, 8, GG.
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