Böhm, E.: Über die Verwendung der sogenannten Kammermannschen Konstanten usw, 305
typus des Oktober derart, daß die Kammermannsche Konstante nicht ausreicht,
die wahren Bodenminima zu erfassen. Einstrahlung und Wärmefluß genügen
nicht, die durch Ausstrahlung abgegebene Wärme zu ersetzen, Im Mai werden
die Temperaturen in Bodennähe mittels der Konstanten unbedingt sicherer er-
faßt. Die vorausgesagten Temperaturen bleiben wegen der geringeren Aus-
strahlung unterhalb der tatsächlichen Minima. Wie weit die Kammermannsche
Formel überhaupt geeignet ist, die Temperatur in Bodennähe vorauszubestimmen,
kann hier nicht untersucht werden. Die bodennahe Luftschicht hat nach
Geiger (7) ihr Sonderklima, Durch den Wechsel der Station sind die Beobach-
tungen für die bodennahe Luftschicht zweifellos stark lokal beeinflußt. Es
können daher wegen der Unstetigkeit der Beobachtungsreihe weitergehende
Schlüsse in diesem Zusammenhang nicht gezogen werden, (Schluß folgt.)
Schrifttum.
|. Almstedt, K.: Die Kälterückfälle im Mai und Juni. Diss, Göttingen 1913,
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6, Dinies, E.: Luftkörperklimatologie, Diss, Frankfurt a.M. Arch. d. Deutschen Seewarte 50, 6, 1932,
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3. Hellmann, G.: Störungen im jährlichen Gange der Temperatur in Deutschland. Sitz.-Ber, d.
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Knoch, K.: Die Eintrittszeiten der Spät- und Frühfröste in Norddeutschland. Abhdl. d, Pr.
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15.
Beitrag zur Frage der Nebelentstehung.
Von W. Findeisen, Hamburg,
(Hierzu Tafel 39.)
Die Ursachen der Nebelentstehung sind viel besprochen worden, Dennoch
ist e8 bislang noch unbekannt, welche Bedeutung in quantitativer Hinsicht den
einzelnen Ursachen im Vergleich miteinander zukommt. Wohl weiß man, daß
die Entstehung von Nebel wesentlich von dem Temperaturunterschiede zwischen
Unterlage (Erdboden- oder Wasseroberfläche) und Luft abhängt, aber es ist noch
nicht entschieden, wie das Temperaturgefälle in der Bodenschicht gerichtet sein
muß, damit die Nebelentstehung ermöglicht wird. Die Beobachtungen haben
ergeben, daß Nebel sowohl über kalter als auch über warmer Unterlage entstehen
kann (Labradornebel, arktischer Seerauch); dafür ist bisher keine befriedigende
Erklärung gegeben worden!). Auch sind die Unterschiede zwischen den Bedin-
2 W. Köppen weist darauf ausdrücklich hin; Ann. d. Sn usw. 1916, S. 233; Met. Zechr,
1917, 8. 209; s. auch K, Wegener, Ann. d. Hydr. usw. 1922, S. 209,
Ann, 4. Hydr. usw. 1933, Heft X.