Böhm, E.: Über die Verwendung der sogenannten Kammermannschen Konstanten usw. 303
Die graphische Darstellung (Fig. 1) zeigt den von Ziegra gefundenen und
von Ängström bestätigten Verlauf. Die Kammermannschen Konstanten sind,
wie zu erwarten war, für die Bodentemperaturen am größten. Unter den gleich-
artigen Kurven fallen die geringen Werte des Abendtermins auf, die gleichzeitig
die kleinsten Fehler zeigen. Für den praktischen Gebrauch verspricht daher
die Kammermannsche Konstante des Abendtermins bessere Werte für die Prognose
zu liefern als die Differenz des Mittagtermins. Der jährliche Verlauf der Kammer-
mannschen Konstanten wird nach Ängström und Less von der Dauer der Aus-
strahlung bestimmt, da mit abnehmender Zeit der Abkühlung der Temperatur-
fall geringer sein muß. Innerhalb der Werte muß aber das Absinken der Kurve
im Oktober auffallen, das allgemein vorhanden ist (23). Den Grund für diese
Tatsache deutete bereits Ziegra an. Die Größe der Kammermannschen Differenz
wird nicht allein durch die Temperaturamplitude, sondern auch durch das Maß
der Feuchtigkeit bestimmt. Temperatur und Feuchtigkeit gehen invers: Große
Temperaturamplitude und geringe Feuchtigkeit bedingen eine große, geringer
Temperaturabfall und ein größeres Maß von Feuchtigkeit eine kleine Kammer-
mannsche Differenz. Es ist daher er-
klärlich, daß der Monat Oktober ge-
ringere Werte als der Monat September
aufweist, der durch sein warmes und
beständiges Wetter mit klaren Nächten
bekannt ist. Die relativ größeren
Werte des Monats Mai gegenüber denen
des Oktober deuten einen stärkeren,
mittleren nächtlichen Temperaturfall
im Mai an. Die Gegenüberstellung in Tabelle 2 1äßt dieses erkennen, Es sind
die Maximalamplituden der Temperatur von Mai und Oktober 1888 bis 1931 und
die Tagesamplituden der Frosttage zusammengestellt,
Der Mai zeichnet sich durch größere Amplituden als der Oktober aus,
b) Fehlerbetrachtung. Mit Hilfe der ermittelten Kammermannschen
Konstanten habe ich, ausgehend vom Mittags- und Abendtermin, die Nachtfröste
im Mai und Oktober vorausgesagt., Dabei wurde eine Voraussage dann als
Treffer bezeichnet, wenn die Abweichung vom beobachteten Minimum + 1° war,
Diese Fehlergrenze konnte angenommen werden, da k selbst bis auf einen Fehler
von + 0.1 bis + 0.2 bestimmt wurde und durch Ablesung und Einfluß von Be-
wölkung ein weiterer Fehler von -+ 0.5, wie Ängström darstellte, vorhanden ist.
ce) Ergebnisse: I. Für die Frosttage, Tabelle 3 gibt die Trefferzahlen
in Trefferprozenten wieder. Die Darstellung der Trefferprozente unter den an-
zegebenen Fehlergrenzen wurde gewählt, da es nur auf einen Vergleich relativ
zu der Methode mittels der allgemeinen Kammermannschen Konstanten und einer
speziellen und noch anzugebenden Methode ankommt. Die Anzahl der Fälle für
die Zeit 1888 bis 1931 sind der Tabelle in den eingeklammerten Zahlen bei.
zefügt. Für 1920 bis 1931 sind die Trefferprozente aus Gründen späterer Be-
irachtung auch dargestellt für 11 Fälle im Mai und 47 Fälle im Oktober.
Tabelle 3, Treffer in Prozenten.
Mai
Oktober
un} 21n
1888-—1931 |! 55 (47) 68 (47) 61 (170) | 76 (170)
1920—1931 | etwa 36 (11) | etwa 45 (IH | 61 (47) | 78 (47)
EEE EL a
Es bestätigt sich, daß dem Abendtermin die größere Vorhersagegenauigkeit
zukommt (2). Beachtenswert ist der Unterschied in der Vorhersage der beiden
Monate. Oktober weist an beiden Terminen größere Trefferzahlen als Mai auf.
Er erscheint also für die Vorhersage nach Kammermann begünstigter. Über