Castens, G.: Zur Kenntnis der einstündigen Temperatur-Wettierhaftigkeit, 299
nach Köppen’) — „nächst der absoluten Höhe der Elemente wichtigsten Zug im
Klima eines Gebietes“, die wetterliche „Unbeständig keit“ zu einem klimato-
logisch brauchbaren Faktor gestalten, Im vorstehenden ist nur auf die kurz-
fristige einstündige Wetterhaftigkeit näher eingegangen worden, vor allem, um
die bereits vorhandenen mühseligen Berechnungen mehr auszunutzen. Praktisch
ergiebiger dürften indes sicherlich die in meiner früheren Untersuchung auf-
iretenden größeren Zeitspannen von 7, 9, 11, 14, 22, 24 und 28 Tagen sein!
Über die Verwendung der sogenannten Kammermannschen Konstanten
zur Nachtfrostprognose,
rüft an dem Königsberger Material 1888 bis 1931.
Von Erhard Böhn, Hamburg.
‚Hierzu Tafel 38 mit Figur 1 bis 3.)
A. Grundsätzliches zur Arbeit.
1. Übersicht über die bisherigen Ergebnisse der Prognese der letzten und ersten Fröste.
Für die Vorhersage von Frösten sind aus Gründen der Praxis ausschließlich
die Schadenfröste Gegenstand eingehender Untersuchung gewesen, Es sind die
mit beginnender und absterbender Vegetation auftretenden Fröste, die man
geeigneterweise als letzte und erste Fröste bezeichnet. Für ihre Prognose sind
im wesentlichen in Literatur und Praxis zwei Formeln eingegangen, Die Bestim-
mung des Minimums der folgenden Nacht mittels der Taupunktsmethode nimmt
an, daß das Minimum im wesentlichen mit dem an einem Termin bestimmten
Taupunkt übereinstimmt, Als Termin wurde der 14h. und 20b-Termin gewählt.
Die Ergebnisse sind von €, Lang (16)*) und J. Schubert (22) diskutiert worden.
Die zweite gebräuchliche und von W, Kammermann (1) angegebene Vorhersage
besagt, daß die aus der Ablesung des feuchten Thermometers zu irgendeinem
Termin und dem Minimum der darauffolgenden Nacht gebildete Differenz eine
Konstante ist. Die über einen längeren Zeitraum ermittelte Konstante gestattet
daher, aus dem Stand des feuchten Thermometers zum Mittags- oder Abend-
termin das Minimum der folgenden Nacht vorauszusagen, A. Ziegra (2) zeigte
als erster die Abhängigkeit der Kammermannschen Konstanten von der Lage
der Station und ihren jährlichen Verlauf, glaubte aber aus den Ergebnissen
seines Materials den Schluß ziehen zu müssen, daß die Kammermannsche Vorher-
sage als eine genaue Vorhersage keine Beachtung verdient. Seitdem B. Kiers-
nowskij (ıs, 14) und in neuerer Zeit besonders E. Less (m) die Überlegenheit
der letzteren über die Taupunktsmethode zeigte, ist der Vorzug der Kammer-
mannschen Vorhersage als erwiesen anzusehen.
Die Kammermannsche Prognosenformel ist eine reine Strahlungsformel.
A. Ängström (%) hat sie als solche zuerst diskutiert, in dem er von der
Defantschen (4) Abkühlungsformel
A4T=G(T— 8)
ausging, wobei 6 = f (Dampfdruck) (mm Hg), &« = const,, T = Temperatur in C° ist,
Integriert man die Gleichung
so erhält man:
T= 84 (1. — 9) eat,
wobei To=T für t=0 ist.
t ist die Zeit, in der die Abkühlung stattfinden kann, Für Kremsmünster
und Tiflis lagen die Resultate von Defant vor. Ängström geht nun von dem
durch Defant angegebenen Beobachtungstermin aus und setzt die für die Ab-
kühlung angegebene Zeit in die Formel ein. Man erhält dann Gleichungen der
allgemeinen Form:
Tre = a8 + LE
‘) Met. Zschr. 1912, S. 97,
*) Diese und die folgenden Zilfern beziehen sich auf das Schrifttum am Schluß dieses Artikels,
Ya