Castens, G.: Zur Kenntnis der einstündigen Temperatur-Wetterhaftigkeit, 295
Während des wetterwendischen Aprilmonats weist der jährliche Gang der interdiurnen t-Ände-
rungen in unseren Breiten ein Minimum statt eines Maximums auf, — Im sturmreichen Winter-
halbjahr beträgt in Hamburg die interdiurne t-Anderung des Tagesmittels 1.6°, im sturmarmen
Sommerhalbjahr 1.4°; die Differenz von 0.2° kann nicht als wetterliches Charakteristikam bezeichnet
werden, — Der Unterschied der entsprechenden Jahreswerte des wetterreichen Hamburgs und des
wetterarmen Tropenortes Daressalam beträgt nur 1°!
Ob es natürliche Wetterzeitspannen gibt, sucht die Wissenschaft zu er-
zründen, zumal die Periodenforschung. Den alten Weg der klimatologischen,
ad. h. Mittelwertsmethode habe ich zu gleichem Zweck eingeschlagen in der im
„Köppenband II“ von „Gerlands Beiträgen zur Geophysik“ (Bd. 33, 1931,
3. 268—285) veröffentlichten Untersuchung „Wetterhaftigkeit“, auf die hier hin-
gewiesen werden muß, um Wiederholungen zu vermeiden. Die Ausführungen
jener Abhandlung (Abschnitt 2) über die einstündige Temperatur - Wetter-
haftigkeit sollen hier vergleichsstatistisch ergänzt werden. Der Zahlenstoff er-
weitert vornehmlich unsere Kenntnisse von dem kurzfristigen wetterlichen Wärme-
umsatz; allgemeine Schlußfolgerungen ermöglichen die Ergebnisse zunächst nicht,
da nur ein Jahrgang (1912) behandelt worden ist. Es ist unwahrscheinlich, daß
auch in anderen Jahrgängen gewisse augenfällige Resultate in gleicher Weise im
täglichen Gang (vgl. Tabelle 3 und 4) zum Ausdruck kommen werden,
Insgesamt sind die einstündigen Temperatur-Änderungen von je 8783 Stunden-
werten der Orte Hamburg und Daressalam (Deutsch-Ostafrika), zusammen
17566 Angaben, verarbeitet worden. Die Untersuchung reicht nur bis zum
31. Dezember 1912 um 24 Uhr, da die Registrierergebnisse des Folgemonats nicht
verfügbar waren. Das Halbjahr I, II, III, X, XI, XII ist demgemäß mit 4391 Stunden
um eine Stunde kürzer als das Halbjahr IV bis 1X (= 4392 Stunden). Sämtliche
Änderungswerte sind befreit von dem Einfluß des vieljährigen, also klimatologischen
täglichen Temperaturganges. Nicht ausgeschaltet ist hingegen der Effekt des jähr-
lichen t-Ganges; er kann bei so kurzfristigen Änderungen wie den einstündigen
vernachlässigt werden, wenigstens soweit er in Gestalt der fortschreitenden
Äuderungen von Monat zu Monat erfaßbar ist. Letztere Größen erreichen, um-
gerechnet auf das einstündige Intervall, selbst in Hamburg nur im Februar 1912
den Betrag von 0.02°; in den übrigen Monaten wird der Wert 0.01° nicht über-
schritten. In Daressalam sind die betreffenden Änderungen natürlich noch be-
deutend geringer, ,
Der Tabelle 1 entnehmen wir folgendes: bei den kleinen Änderungs-
beträgen (etwa 0.1° bis 0.5°) übertreffen die Erwärmungen die Abkühlungen an
beiden Orten sowohl im Winter- wie im Sommerhalbjahr, während von etwa 0.6°
an die Abkühlungen überwiegen. Ganz besonders gilt dies letztere im Sommer
hinsichtlich der großen Beträge = 1.5°%. Daß diese Tatsache eng zusammenhängt
mit dem vertikalen Luftaustausch und den Niederschlägen, ist anzunehmen‘),
Weiteres läßt sich zu ihrer Erklärung kaum sagen ohne Berücksichtigung des
vertikalen Temperatur- und Feuchteverlaufes. Zu beachten ist hier sowohl wie
im folgenden immer wieder, daß mit der Ausschaltung des klimatologischen
täglichen t-Ganges der durchschnittliche Einfluß der Ein- und Ausstrahlung,
Konvektion, Turbulenz, Advektion, Bewölkung usw. auf den täglichen Temperatur-
verlauf eliminiert worden ist. — Welchen prozentualen Anteil in unserer Tabelle 1
die verschiedenen Temperaturstulen an den Summen der Erwärmungs- und Ab-
kühlungshäufigkeiten und -effekte haben, zeigt die kleine auf den Jahreswerten
[ußende Tabelle 2,
Wir sehen, daß die t-Effekte bei der mittleren t-Stufe doch recht erheblich
sind, während die entsprechenden Häufigkeitswerte n außerordentlich stark zu-
rücktreten gegenüber denen der niedrigsten Stufe 0.1° bis 0.5°. — Allgemein können
wir hier wie in der erwähnten Köppenbands-Abhandlung feststellen, daß „die
kleinwetterlichen einstündigen t-Anderungen in den Tropen annähernd von gleicher
Größenordnung sind wie in unseren Breiten“,
*) Verwiesen wird in diesem Zusammenhang auf die lehrreichen Berechnungsbeispiele von
Köppen: Met. Zschr. 1912, S. 481 ff, „Zusammenhang der vertikalen Temp’verteilung mit adiabatischen
Anderungen der Lufttemperatur‘,