292 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1933,
Bei den schwächeren Temperaturänderungen zeigt der Bodenluftdruck ein
unterschiedliches Verhalten, während das Barometer bei den stärkeren Kälte-
einbrüchen um so mehr fällt, je bedeutender die Abkühlung ist, und die
größten Erwärmungen sind mit den stärksten Druckanstiegen verbunden!
Sehr bemerkenswert ist, daß im Mittel bei den Temperaturrückgängen ein
Druckfall von —1.6 mb eintrat, während bei den starken Erwärmungen
eine Druckzunahme von -—+0.6 mb eintrat. Wir sehen hier, daß wir wenig
Berechtigung haben, Druckänderungen durch statische Gewichtsänderungen er-
klären zu wollen.
Unser Ergebnis steht scheinbar in Widerspruch zu den Folgernngen von Ekholm?). der ans den
Aufstiegen zu Lindenberg im ‚Fahre 1904 schloß, daß „das Barometer fällt, wenn die Temperatur der
oberen Luftschichten steigt“. Sieht man aber das von Ekholm benutzte Originalmaterial durch,
30 ergibt sich, daß die verwendeten Aufstiege eine Höhe von 1000 m kaum wesentlich überschritten,
and wir werden gleich sehen, daß die Folgerung von Ekholm, die sich eben nur auf die unteren
1000 m der Atmosphäre bezogen, auch an Hand der hier benutzten Aufstiege bestätigt wird, wenn
wir die unteren Temperaturänderungen gesondert betrachten, Demgegenüber kam Trabert!) bereits
zu einem ähnlichen Ergebnis. wenn er findet, „daß die Temperatur einer Luftsäule den Luftdruck an
der Erdoberfläche nicht unmittelbar beeinflußt‘““. Mas übereinstimmende Ergebnis von Dines wurde
vereits erwähnt,
In 5000 m Höhe ist nach Tabelle 2 die Beziehung zwischen Druck- und
Temperaturänderungen natürlich außerordentlich gut ausgeprägt: einer Tempe-
raturänderung von 1° entspricht in 5000 m eine Druckänderung von etwas mehr
als 1 mb.
Wir können die beobachteten Druckschwankungen am Boden in 2 Komponenten zerlegen: Durch
Multiplikation mit 1.89 erhalten wir den „Druckeffekt“ der 5000 m-Schicht auf den Boden, Ziehen
wir von der wirklich beobachteten Bodendruckänderung diesen aus der Druckschwankung in 5000 m
Höhe bewirkten Druckeffekt ab, so erhalten wir den durch Temperaturänderungen bewirkten statischen
Einfluß der Schicht von 0—5000 m, der in der letzten Reihe der Tabelle 2 wiedergegeben ist. Wir
sehen, daß der Effekt aus 5000 m Höhe und der statische Einfluß der unteren Troposphäre stets den
entgegengesetzten Einfluß auf den Bodendruck ausüben, der daher nur wenig schwankt.
Man kann also nur den Satz aufstellen, daß bei Temperaturrückgang
der Luftdruck in der Höhe fällt und umgekehrt, während der Bodendruck
keine ausgeprägte Beziehung zu den statischen Gewichtsänderungen der Tropo-
sphäre zeigt, im allgemeinen aber auch am Boden Druck- und Temperatur-
änderungen gleichsinnig verlaufen.
Berücksichtigt man nur die Fälle, wo die interdiurne Temperaturänderung
in 500 oder 5000 m Höhe mindestens 5° betrug, so ist das Ergebnis ähnlich.
Dies zeigt Tabelle 3, in der die Druckänderungen für alle Fälle berechnet wurden,
wo die Temperaturschwankung in 0.5 oder 5 km Höhe innerhalb von 16 bis
32 Stunden 5° überschritt und also alle mehrtägigen Beispiele nicht berück-
sichtigt wurden, Wir sehen, daß auch bei dieser Auszählung größerer Abküh-
lung stärkerer Druckfall entspricht und nur schwache Temperaturänderungen
entgegengesetzten Druckverlauf zur Folge haben. Im Mittel betrug die Druck-
änderung bei all diesen Kältevorstößen — 0.2 mb. Daß die Beziehungen jetzt
schwächer entwickelt sind, ist selbstverständlich, da bei dieser Auszählung
gerade die stärksten Temperaturschwankungen unberücksichtigt bleiben, weil
diese meist mit schlechtem Wetter verbunden sind und der Flugzeugaufstieg
gerade dann vielfach am Haupttag ausfällt.
Tabelle 3. Die Luftdruckänderungen in Abhängigkeit von den Temperaturschwankungen bei alleiniger
Berücksichtigung der FäMe mit einer interdiurnen Anderung = 5°.
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1) N. Ekholm, Die Luftdruckschwankungen und deren Beziehungen zu der Temperatur der
oberen Luftscehichten. Meteorol. Ztschr., Hann-Band, S. 228. — *) Meteorol. Ztischr, 27, S, 185 (1910).