290 Annalen der Hydrographie und Maritimera Meteorologie, Oktober 1933,
die zugrunde liegenden Schiffbeobachtungen längst nicht so zahlreich und
systematisch bearbeitet sind wie im Indischen, so dürfte doch gesichert sein,
daß im Südsommer, wo Taf, 37 die Linie von 8 bringt, durchschnittlich die
Wolkendecke noch etwas reicher wird als im Südwinter; für die Gewässer am
Kap Hoorn ergab sich beispielsweise 8 und 8.2 im Sommer, 7.3 und 7.6 im Winter.
Ganz entschieden gilt die Wolkenverminderung des Winters für das Südliche
Eismeer; im Roß-Meer geben die englischen Quellen für Kap Adare 5.2 als
Wintermittel gegenüber 7.7 im Sommer. Hiermit sind wir bei dem Einfluß
kontinentaler Verhältnisse angelangt,
Der Einfluß starker troposphärischer Temperaturschwankungen
auf den Luftdruck,
Nach einer statistischen Bearbeitung der holländischen aerologischen Flugzeugaufstiege.
Von R. Scherhag, Hamburg, Deutsche Seewarte,
Zusammenfassung: Wenn die Temperatur in der unteren Hälfte der Troposphäre innerhalb kurzer
Zeit stark abnımmt, so fällt über Hollaod in den meisten Fällen auch der Luftdruck, während
Temperaturanstiege vorwiegend mit Drackzunahme verbunden sind. Sinkt die Temperatur aber in
den Schichten unterhalb von 1000 m am stärksten, sO steigt der Luftdruck an, während ein
Überwiegen der Abkühlung in Höhen von 3000 bis 5000 m mit starkem Druckfall verbunden
ist. Ebenso sind Temperaturanstiege in der Höhe mit Druckaostieg verbunden, während
antere Temperaturzunahme mit Druckfall gekoppelt ist, Zu diesem Ergebnis führt eine
statistische Bearbeitung von 461 Fällen, in deuen die Temperatur über Soesterberg von einem Aufstieg
bis zum nächsten sich in 500 oder 5000 m Höhe um mindestens 5° änderte, Die Druckänderungen
am Boden lassen sich also nicht nur durch Veränderungren des statischen Gewichts der Troposphäre
erklären.
Die Forschungen über die Beziehung zwischen den Druckänderungen und
dem Temperaturverlauf in der freien Atmosphäre haben fast übereinstimmend
ergeben, daß der Luftdruck am Boden dann hoch ist, wenn die Temperatur
in der Troposphäre zugleich übernormal ist*), W. H. Dines?) erhielt z.B. als
Korrelationskoeffizient zwischen dem Bodendruck und der Mitteltemperatur der
Troposphäre den hohen Wert r = + 0,47.
Die folgenden Zeilen sollen durchaus nicht etwas wesentlich Neues bringen,
doch ist es vielleicht nicht unberechtigt, die Beziehungen zwischen den Druck-
änderungen und den Temperaturschwankungen auf Grund der neueren Beob-
achtungen der Wetterflugzeuge zu untersuchen und sich dabei die teilweise etwas
in Vergessenheit geratenen früheren Ergebnisse über die Beziehungen zwischen
Druck und Temperatur ins Gedächtnis zurückzurufen.
Die Veröffentlichungen der holländischen aerologischen Flugzeugaufstiege?)
gestatten eine rasche Übersicht über die aufgetretenen Druck- und Temperatur-
änderungen, wobei es noch ein Vorteil ist, daß dort bereits seit 1924 die Auf-
stiege fast regelmäßig durchgeführt werden konnten, Von Interesse wird zudem
ein späterer Vergleich der Ergebnisse der hier benutzten Station mit den Ver-
hältnissen über anderen Erdräumen sein.
Es wurden aus dem siebenjährigen Zeitraum von 1924 bis 1930 aus den
Aufstiegsergebnissen über Soesterberg (bei Utrecht) alle Fälle herausgeholt, die
folgenden Bedingungen genügten:
Die Temperaturänderung muß zwischen zwei Tagen in 0.5 oder 53km Höhe mindestens 5°
betragen, wobei die Fälle nach dem jeweiligen Sitze der maximalen Änderung zu den oberen
der unteren Temperaturschwankungen gerechnet werden, Eine Trennung in diese beiden
Höhenstufen wurde vorgenommen, da wir uns nachher der gesonderten Betrachtung der oberen
and unteren Temperaturschwankungen zuwenden wollen, Für die untere Schicht wurden die
Femperaturrückgänge in 5300 m herausgesucht, da diese weniger von den unmittelbaren Boden-
einwirkungen beeinflußt sind als die unterste seichte Luftschicht, deren Bedeutung für die bier
zur Diskussion stebenden statischen und dynamischen Probleme nur gering ist,
1) Vgl. z. B. Hann-Süring, Lehrb, d. Met, 4. Aufl., S. 551ff, — *) W. H. Dines, The vertical
distribution of Kemperaturo in the Atmosphere over England. Brit. Met. Off, Geophys. Memoirs
Nr. 2; £erner: The Characteristics of the free Atmosphere, Ebenda Nr. 13. — *) Ergebnisse aerologischer
Beobachtungen, herausgegeb. v. Kon. Nederlandsch, Met. Instituut.