Schott, G.: Die Bewölkung über dem Indischen und Stillen Ozean, 283
Eins der merkwürdigsten Ergebnisse bezieht sich auf die Bewölkung im
indischen SO-Passat, dem hier in rohen Zahlen der Breitenstreifen 10—35° $S
zugewiesen sei. Er ist in der Bewölkung dem indischen NO-Passat durchaus
unähnlich, da, hauptsächlich wieder im östlichen Drittel, eine durchschnittlich
sehr beträchtliche Himmelsbedeckung in seinem Bereiche auftritt. Werte von
< 3 oder gar <2 wie im NO kommen, vom Mozambique-Kanal abgesehen, im
Mittel überhaupt nicht vor; 5 und 6 und darüber herrschen vor, zumal unter
den Längen 80—110° O0. Die Isonephen 5 und 6 wölben sich in charak-
teristischer Weise vom Westwindgebiet aus über den Meeresflächen nordöstlich
von St. Paul und Neu-Amsterdam nach Norden bis über 20° S-Br, vor, so daß
eine trübe Zone mit mehr als 6 in wesentlichen Kontrast zu den sehr sonnigen
Meeresstrecken vor der Westküste Australiens gelangt, wo für Perth im Februar
und August 3.0 und 5.8, für Carnarvon entsprechend gar nur 2.0 und 2.3 er-
mittelt sind. Die entsprechenden Werte für das Zehngradfeld 20—30° S- Br.
30—100° O-Lg. sind dagegen 6.6 und 6.1, was auch durch die im Auftrage der inter-
nationalen meteorologischen Organisation alljährlich veröffentlichten Daten?) neuer-
dings wieder bestätigt wird. Im einzelnen müssen wir einen Bewölkungstypus see-
wärts von der Nordwestküste Australiens unterscheiden von einem solchen seewärts
ron der West- und Südwestküste Australiens. Im Gebiet der Timor- und Arafura-
See, also zwischen den kleinen Sunda-Inseln und der australischen Nordwestküste,
herrscht der SO-Passat nur im Südwinter; in dieser Zeit haben wir hier ein
niederschlagloses, sehr sonnenreiches, nahezu wolkenloses Meer, während im Süd-
sommer die Himmelsbedeckung vom Nordwestkap aus ostwärts mit Zunahme
der westlichen Monsunwinde und Regen energisch in Richtung auf Port Darwin
und die Torresstraße hin zunimmt. Die Jahresreihe für Port Darwin veran-
schaulicht den jährlichen Gang deutlich, Anders steht es mit der jahreszeitlichen
und räumlichen Wolkenverteilung vor der eigentlichen Westküste, also südlich
vom Nordwestkap. Hier ist der jährliche Gang gerade umgekehrt, wie die Reihe
von Perth andeuten mag. Außerdem aber besteht der soeben hervorgehobene
Kontrast der Bewölkung unter Land und nahe an Land gegenüber der Bewölkung
auf dem offenen Ozean weiter westwärts. Auch hat die Auswertung des nieder-
‚ändischen Tabellenmateriales?)
Bewölkung 010 | x | ar | am | ıv | vol vi vir(vruL Ix | x | xE Xu Jahr
Port Darwin... | | 73) 64 | 46| 29 | 20) 19" 1.9 | 20 | 40 | 5,5| 6] 45
Perth .... . |28*/ 3.0: 33 4353! 5.9 5355| 5.31 491 50 38 30] 43
ergeben, daß über diesem Teil des Passatgebietes weit westlich von Australien,
atwa unter 90—110° O-Lg., Nebel verhältnismäßig häufig auftritt, ferner daß
wiederum unter den Längen 80—110° O, die Wassertemperatur eine negative
Anomalie aufweist, und endlich — das Wichtigste —, daß unter diesen Längen
die Strömungen der Meeresoberfläche eine charakteristische N- bis NO-Richtung
einhalten, also die sogenannte Westwindtrift mit ihrem kühlen Wasser weit in
das Passatgebiet hinein bis fast 20° S-Br. vorstößt, in Konvergenz mit dem nördlich
davon nach Westen setzenden Südäquatorialstrom?). Was im Südatlantischen
Ozean unmittelbar vor der Küste Südwestafrikas stattfindet: starke
Bewölkung, kaltes Wasser, Nebel, das tritt im Südindischen Ozean
ähnlich auf, aber nicht an der Küste Westaustraliens, sondern um
mehrere Hundert Seemeilen westwärts verschoben, im landfernen
Meer. Von diesem allgemein wichtigen Charakter der Naturverhältnisse im
Grenzgebiet von Passat und Westwinden, von Äquatorialstrom und Osttrift,
konnten die Karten Teisserene de Borts noch keine Andeutung geben.
Unter Hinweis auf das Isoplethendiagramm (Abb. 1) mögen einige besondere
Worte den Verhältnissen in den ostafrikanischen Gewässern zwischen Kap
Guardafui und Kap Agulhas gewidmet sein, da sie durch eigens zu dem Zweck
1) Kon, Nederl. Meteorol. Inst, Nr. 107b, Utrecht: monthly meteorolog. data for ten-degree
gquares in the oceans, -— 2?) Siehe Fußnote Nr. 4, S. 280. — 3) M. Willimzik, Strömungen im
aubtrop. Konvergenzgebiet d. Ind. Oz. Veröffentl. Instit, f. Meeresk., N, F., Nr. 14. Berlin 1929.