274
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1933,
Die beiden großen Expeditionen auf „Challenger“ und „Gauß“ brachten
aber keine Bestätigung der obigen Ergebnisse!l). W.Meinardus, der bei seiner
Verarbeitung der Windbeobachtungen während der Seefahrt des „Gauß“ die
Frage der täglichen Periode der Windstärke ausführlich behandelt*) und seine
Ergebnisse mit denen vergleicht, die Buchan aus den Beobachtungen der
„Challenger“-Expedition ermittelte®), muß feststellen, daß die Ergebnisse beider
Expeditionen sich völlig widersprechen. Auch eine speziellere Betrachtung allein
für den Nordatlantischen Ozean und das Passatgebiet bringt keine Übereinstim-
mung, so daß die Frage der täglichen Periode des Windes auf hoher See bei
dieser neuesten Untersuchung unentschieden bleibt. Es ergeben sich folgende
Zahlenreihen über die Abweichungen in +}. Beaufort:
» 28 1 12 16 | 20 24" A | Mittel
2' 0.14 12.98 Bit.
0.35 [2.78
Meinardus gibt eine Häufigkeitsstatistik über die Anzahl der positiven Ab-
weichungen für jede Stunde, um zu sehen, ob bestimmte Stunden von positiven
Abweichungen bevorzugt werden; hierbei ergibt sich eine Andeutung, daß posi-
tive Abweichungen am häufigsten auf 8 und 20% fallen, Dies ergibt sich bei
Zusammenfassung aller Breitenzonen des Atlantischen Ozeans, auffallenderweise
aber gerade nicht für die Tropen. Und bei Zusammenfassung aller Breitenzonen
zwischen 50° N und 55° S bei 252 Beobachtungstagen gilt für die „Gauß“-Fahrt
folgender täglicher Gang der Windstärke in Abweichungen vom Tagesmittel in
:1„ Beaufort-Teilen;
Zeit] 2 | 4 618 2120| 38 |) 14 | 16 18! 20 | 22 | 21 | 4A | Mittel
(Abw| 8 3 +9 414 L3iI LI AL HET —3)-—8*] 0.15 [3.95 Beaufort :
®a——r —— —————
d. h. bei allerdings sehr geringer Amplitude zwei Maxima um 8% und 20* und
zwei Minima um 24h und 12b im merkwürdigen Gegensatz zu dem vorhin er-
wähnten Ergebnis allein in den tropischen Breiten. Die „Challenger“-Fahrt ergibt
bei Zusammenfassung des ganzen Atlantischen Ozeans entgegengesetzte Ab-
xeichungen, Minima gerade um 8b und 18—-20%.
Meinardus kommt zu dem Schluß‘): „Vielleicht kann als alleiniges Ergeb-
nis der bisherigen Beobachtungen überhaupt nur dieses gelten, daß die tägliche
Amplitude der Windstärke auf dem offenen Ozean außerordentlich klein ist. Es
bedarf offenbar eines weit umfangreicheren Materials, wie es eine einzelne
Expedition liefern kann, um die Frage nach der täglichen Periode der Wind-
stärke auf dem Ozean zu entscheiden. Die Hauptschwierigkeit besteht sicher-
lich darin, die Windstärke auf dem fahrenden Schiff so genau zu schätzen, daß
lie offenbar nur sehr kleine Schwankung derselben einwandfrei ermittelt
werden kann.“
Auf die Untersuchungen, die auf Grund von Registrierungen des Windes
von Inseln und Küstenorten angestellt worden sind, soll hier nicht ein-
zegangen werden, da es uns ankommt auf die Ergebnisse, die auf Grund von
Schiffsbeobachtungen auf hoher See fern von Landeinflüssen gewonnen
wurden >).
-
‘) Nach den Beobachtungen der „Novara“. Expedition 1858/59 berechnete Hann für 40 Tage
Aufenthalt im Stillen Ozean zwischen 10° N und 10° S eine im wesentlichen einfache Tagesperiode der
Windstärke mit Maximum um 12b und Minimum um 4h, also nicht übereinstimmend mit den anderen
Ergebnissen auf dem Ozean, eher mit denen an Land. {Hann, Untersuchungen über die tägliche
‘ezillation des Barometers, Denkschriften Wiener Akad., Math.-Naturw. Kl, Bd, 55, Wien 1889.) —
?, Deutsche Südpolar-Expedition 1901—03 („Gauß“- Expedition), Meteorologie I, 3. Teil: Meteorologische
Ergebnisse der Seefahrt des „Gauß“, S. 462—4#8, — *) Challenger-Report, Physics and Chemistry,
Vol. II, 1889, 8. 25. — 1) 23.2.0... 5. 464. — *%) Die Beobachtungen über den täglichen Gang der Wind-
;tärke, die W. Ullrich veröffentlicht hat in den Ann. d, Hydr. 1927, S. 326, und 1928, S, 327, zeigen