Hintergrund und Ziele 5
Ganske (2019a, 2019b). Basierend auf diesen Daten zeigen sich über der Nordsee keine signifikanten
Änderungen der Windgeschwindigkeiten bis 2100. Es ist allenfalls ein leichter positiver Trend in der
südöstlichen Nordsee zu erkennen, der aber kleiner ist als die jährliche und dekadische Variabilität.
Des Weiteren zeigt sich ein leichter Anstieg der Häufigkeiten von westlichen Windrichtungen. Auch
dieser Anstieg ist insbesondere bei hohen Windgeschwindigkeiten in der gleichen Größenordnung wie
die dekadische Variabilität. Dies verdeutlicht ein zentrales Problem mit der Analyse von potentiellen
Klimaänderungssignalen bzgl. Wind und damit eng verbundener Phänomene: die natürliche Variabili-
tät ist so groß, dass dieses „Rauschen“ eventuell vorhandene Änderungen (Trends) maskiert. Zudem
sind Zeitreihen von Windmessungen im Allgemeinen noch zu kurz, um eventuell vorhandene Trends
zu identifizieren.
Erste Untersuchungen zur Einbeziehung von Wetterlagen und Wasserstand auf die Bewirtschaftung
des NOK wurden in Phase I ebenfalls durchgeführt (Schade et al.,2020). Bei der Analyse für die Nord-
seeregion wurden Stürme identifiziert und nach Stärke klassifiziert: Sturm (G = Gale), Starker Sturm
(SG = Severe Gale) und Sehr Starker Sturm (VSG = Very Severe Gale). Auf Basis von 8 verfügbaren Si-
mulationen aus zwei regionalen Klimamodellen im Hochemissions-Szenario RCP8.5 und den drei ge-
nannten Sturmklassen werden für die ferne Zukunft teilweise höhere relative Häufigkeiten festgestellt.
Besonders die stärkste Sturmklasse (VSG) zeigt eine hohe relative Änderung gegenüber der Vergan-
genheit, die Wetterlage „Nordwest“ (NW) wird in Zukunft signifikant häufiger auftreten (Jensen, 2019).
Hier kommt aber das zweite zentrale Problem bzgl. windbezogener Klimaänderungssignale zum Tra-
gen: Wind ist eine Variable bei der allgemein und insbesondere bzgl. der Klimaänderung eine ver-
gleichsweise hohe „Modellunsicherheit“ besteht, ganz besonders für den Nordatlantik und Europa
(siehe dazu Abschnitt 4.5.1.6 in Lee et al., 2021). Es erfordert darum die Auswertung einer Vielzahl von
Simulationen möglichst vieler verschiedener Klimamodelle, um belastbare Erkenntnisse zu gewinnen.
Ferner wurde deutlich, dass der fortlaufende Meeresspiegelanstieg das Entwässerungszeitfenster des
NOK deutlich verkürzen wird und gegenüber allen atmosphärischen Änderungen den größten Einfluss
haben wird. Ein Zusammenspiel von Meeresspiegelanstieg und Sturmflut könnte eine Entwässerung
sogar sehr viel eher weiter beschränken.
2.2 Ziele für Phase II
Als ein wichtiges Forschungsziel für Phase II ergab sich daraus die Ausweitung der Untersuchungen zu
geänderter Wetterlagendynamik mit direktem Bezug zu Sturmfluten. Dieser Aspekt wird im Bericht zur
Wirkungsanalyse „Sturm/Sturmfluten“ (Schade et al., 2023) aufgegriffen. Hier wird ein größeres Mo-
dellensemble (23 Modellläufe gegenüber 8) für die Analyse genutzt, mit Hilfe dessen statistisch belast-
barere Ergebnisse erzielt werden. Die Bewertungsparameter (Stärke und Richtung der Anströmung)
werden dabei direkt aus den modellierten Luftdruckdaten bestimmt, die gegenüber den (modellierten)
Winddaten u.a. den Vorteil haben, dass sie in gröberer räumlicher Auflösung vorliegen können. Somit
kann auf eine größere Anzahl von aktuellen Globalmodellläufen zurückgegriffen werden (die CMIP6-
Regionalmodellläufe sind zudem derzeit noch nicht abgeschlossen). Ferner liefern die hier erzielten
Ergebnisse Erkenntnisse über mögliche Änderungen der großräumigen Zirkulation, die auch weitere
relevante Klimaparameter wie Luft- oder Meerestemperatur, Strömungen, etc. beeinflusst.
Die in dieser Arbeit verwendeten CMIP6 Globalmodelle haben bereits gezeigt, dass sie dank verbes-
serter Modellphysik und erhöhter Auflösung gegenüber den älteren Modellgenerationen besser in der
Lage sind die nordhemisphärischen Sturmzugbahnen abzubilden und Abweichungen gegenüber Re-
analysen zu verringern (Harvey et al., 2020; Priestley et al., 2020). Des Weiteren finden die neuen SSP