accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 61, 1933

262 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August/September 1933. 
An diesen wenigen Hinweisen mag deutlich geworden sein, daß sich der 
Rechenstab in der Tat als ein didaktisch wertvolles Instrument im mathematischen 
Unterricht der Seefahrtschule bewähren kann. Doch nicht nur im mathematischen, 
sondern auch im physikalischen Unterricht ist er bei der Auswertung von Ver- 
suchen und Aufgaben zu verwenden; und endlich im nautischen Unterricht. Die 
Frage nach seiner Anwendung hier ist die Frage nach seinen Möglichkeiten in 
der Praxis. 
Es darf immerhin zweifelhaft erscheinen, ob es gerechtfertigt wäre, den 
Rechenstab nur um seiner didaktischen Vorteile willen im Unterricht der See- 
fahrtschule einzuführen, Wie schon gesagt, bin ich aber der Ansicht, daß er 
auch dem Steuermann in der Praxis gute Dienste leisten kann. (Das ist mir 
auch von jüngeren Steuerleuten, die den Rechenstab auf der Schule kennengelernt 
und sich etwas damit eingearbeitet hatten, bestätigt worden.) Ich hebe nur 
hervor, daß er den üblichen Rechenverfahren wie auch einer Tafel gegenüber 
Zeit spart, meist jedoch handlicher als diese ist und trotzdem Nachteile, wie 
z. B. das Interpolieren, vermeidet. Dabei enthält er aber eine ganze Menge von 
Tafeln in sich. 
Zu verwenden ist der Stab zunächst in der terrestrischen Nautik, Da ist 
vor allem das Koppeln der Kurse, die Verwandlung von Abweitung in Längen- 
unterschied und umgekehrt zu nennen, Rechnungen, die jeden Tag vorkommen 
und durch den Schieber leicht, schnell und mit genügender Genauigkeit aus- 
geführt werden können. Tafeln, wie „Abstand durch Höhenwinkel“, „Abstand 
bei Doppelpeilungen“ ersetzt der Rechenstab vollkommen. Weiter wird der 
Ladungsoffizier Berechnungen über Raum, Ladung u. dergl. machen müssen, bei 
denen ihm der Stab viel Zeit ersparen kann. — Für die astronomische Navigation 
kommt natürlich ein einfacher Stab — abgesehen von kleinen Nebenrechnungen — 
nicht in Frage, Hier hat man jedoch schon viele, sicher brauchbare, Spezial- 
rechenstäbe (z. B. Azimutstab) und Nomogramme konstruiert, die aber nur auf 
der Grundlage des einfachen Schiebers verstanden werden können. Ob und wie 
weit sie sich bewähren, ist m. E. noch eine offene Frage. Die Tatsache, daß sie 
sich bisher nicht eingeführt haben, beweist nur, daß man niemandem zumuten 
kann, komplizierte Mechanismen mit Verständnis zu handhaben, ohne den ein- 
fachen dieser Art je gesehen, geschweige denn erfaßt zu haben. Hier könnte und 
sollte die Schule eingreifen und dem Seemann den üblichen Rechenstab nahe 
bringen, In drei Semestern hat er Gelegenheit genug, sich damit zu befreunden. 
Wenn nun der Einwand erhoben wird, daß die Vorteile des Rechenstabs 
und Nomogramms doch nicht so hervorragende seien, um eine Einführung in 
die Praxis wünschenswert erscheinen zu lassen, so komme ich auf das oben 
Gesagte zurück und meine, daß zu den Vorteilen für den Praktiker der eines 
wertvollen Unterrichtsmittels hinzukommt, den wir heute auf den Seefahrtschulen 
keinesfalls außer acht lassen sollten. Leider enthalten die Lehrpläne ihn nicht, 
obwohl er in einigen Entwürfen vorgesehen war. Die genannten verschiedenen 
Möglichkeiten der Ausnutzung des Rechenstabs lassen ihn aber wohl der Be- 
Achtung wert erscheinen, die er trotzdem schon an einigen Seefahrtschulen 
genießt. Dieser Hinweis möchte dazu anregen, ihn allgemein einzuführen und 
jede Gelegenheit im Unterricht auszunutzen, damit der Schüler schon mit ihm 
vertraut wird und seine Vorzüge kennen und schätzen lernt. Dann wird er 
ohne Zweifel sich seiner auch in der Praxis bedienen und andere Rechenstäbe 
und graphische Tafeln mit Verständnis und Interesse auf ihren Gebrauchswert 
hin prüfen können. 
Kleinere Mitteilungen. 
1. Dürrejahre in Coeara — Nasse Jahre in Nebraska. Ein bedauerlicher- 
weise noch nahezu unerforschtes Gebiet der Weltwetter- und Zirkulationsforschung 
ist jenes der gegenseitigen Beziehungen des Regenfalles in den verschiedenen 
Teilen unserer Erde; gerade derartige Untersuchungen könnten manche bedeut- 
same Klärung über die allgemeine atmosphärische Zirkulation herbeiführen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.