260 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August/September 1933,
mit den oben und unten befindlichen Ösen an einer Flaggleine befestigt. Nachdem
das Uhrwerk aufgezogen und das Thermometer befeuchtet ist, wird der Aßmann
in die auf der Abb. angegebene Stellung gebracht. Hierauf hievt man das In-
strument mit Hilfe der Flaggleine in die gewünschte Höhe und läßt die Thermo-
meter anpassen. Durch Ziehen an der durch eine Schnur verlängerten Kette (6)
nebt man dann die Klinke (EZ), worauf der Aßmann durch sein Übergewicht
umkippt. Die Quecksilberfäden des Thermometers reißen ab und geben die
Temperatur an der Meßstelle an. Auf Nebenthermometer, wie sie bei ozeano-
graphischen Kippthermometern angebracht sind, ist verzichtet worden, da die
Angaben der Lufttemperatur nur auf */.,” benötigt werden. Bei Messungen
zwischen Wasseroberfläche und Deckshöhe wird das Instrument an einer Spier,
an der die Auslöseschnur mittels Ringen entlang geführt wird, in das gewünschte
Niveau gebracht,
In der eingangs zitierten Arbeit von F, Conrad finden sich eine große Zahl
von Messungen des vertikalen Gradienten von Lufttemperatur und Feuchtigkeit,
die auf der „Hunte“ im Sommer 1931 im Kattegat nach der oben angegebenen
Methode angestellt wurden und den Beweis erbringen, daß die Vorrichtung für
solche Zwecke gut geeignet ist, Mit Hilfe dieses relativ einfachen Instruments
ist es möglich, auch auf Schiffen, die nicht über die komplizierte und auch
kostspielige Anlage von elektrisch anzeigenden Einrichtungen (z, B. Multithermo-
graphen) verfügen, derartige Messungen auszuführen, Ebenso kann der Apparat
natürlich für ähnliche Aufgaben an Land benutzt werden.
Der Rechenstab im Unterricht der Seefahrtschulen?
Von Dr. Chr. Peter, Studienrat an der Seefahrtschule in Lübeck.
In früheren Jahrgängen dieser Zeitschrift!) sind verschiedene Abhandlungen
erschienen, die Rechenstäbe für die nautische Praxis zum Gegenstand hatten,
und es ist dabei der Erwartung Ausdruck gegeben worden, daß solche Rechen-
stäbe sich einbürgern würden, Trotz der Vorteile, die sie unzweifelhaft besitzen,
ist diese Hoffnung enttäuscht worden. Der Grund dafür ist m. E. nicht schwer
zu finden: Der angehende Nautiker lernte in der Hauptsache die logarithmische
Rechnung sowie die nautischen Tafeln kennen und erlangte die nötige Sicherheit
in ihrem Gebrauch. Rechenstab und Nomogramm mit logarithmischen Skalen
waren und sind ihm unbekannt geblieben. Bekam er sie später einmal zu Gesicht,
konnte er sich nicht in ihnen zurechtfinden und erblickte zu viel Fehlermöglich-
keiten darin. Sich aber in derartige Dinge selbst einzuarbeiten, ist nur Sache
von wenigen.
Soll der Rechenstab und die graphische Rechentafel dem ausübenden
Praktiker nutzbar gemacht werden, so kann es nur so geschehen, daß man dem
angehenden Offizier frühzeitig, während seiner theoretischen Ausbildung auf der
Schule, das Verständnis und Interesse für diese Rechenmittel weckt. Da der
Seefahrtschule seit der Neuregelung der Ausbildung der Seesteuerleute mehr
Zeit zur Verfügung steht, scheint es mir nicht müßig, einmal die Frage auf-
zuwerfen, ob nicht im Unterricht der Seefahrtschule der Rechenstab mit Nutzen
angewandt und dem Praktiker nahegebracht werden kann, Der Rechenstab
gerade, weil er vielseitiger zu verwenden ist, als eine bestimmte Rechentafel,
und weil er die Grundlage gibt für die meisten dieser Tafeln, Der Grund für
diese Erörterung liegt zunächst in der Überzeugung, daß auch der gewöhnliche
Rechenstab mit den vier logarithmischen Zahlen- und zwei trigonometrischen
Skalen (z. B. A. W. Faber, Castell Nr. 375) dem Praktiker schon nützlich sein
kann, wenn er richtig damit umzugehen weiß. Weiter aber, wenn man den
Rechenschieber in der Seefahrtschule behandelt und ihn überall benutzt, wo es
möglich ist, hat man in ihm ein wertvolles didaktisches Hilfsmittel. Die auf
‘) Z. B. Ann, der Hydr. 1909, S. 369; 1910 S, 560; 1911 S. 665; 1912 ©. 114.