Böhnecke, G.: Ein Aßmannsches Aspirationspsychrometer mit Umkippthermometern. 9259
Ein Aßmannsches Aspirationspsychrometer mit Umkippthermometern.
Von G. Böhnecke, Berlin.
Im Zusammenhang mit Kimmtiefenmessungen, die Herr Dr. Thorade!}) im
Jahre 1929 während einer Fischereischutzfahrt des Vermessungsschiffes „Meteor“
in die Gewässer um Island vornahm, entstand das Bedürfnis, den vertikalen
Gradienten der Lufttemperatur über der Wasseroberfläche von Bord aus zu
messen. Die damals angewandte Methode, die darin bestand, einen normalen
großen Aßmann in das betreffende Niveau zu bringen und nach einer gewissen
Anpassungszeit möglichst schnell
zwecks Ablesung zuüurückzuholen,
führte nicht immer zu befriedigen-
den Resultaten, da der Stand der
Thermometer sich auf dem Wege
von der Meßstelle zurück zum Beob-
achter meist um mehr oder weniger
große Beträge änderte, Es wurden
daher gemeinsam mit dem Verfasser
Versuche angestellt mit dem Ziele,
die in der Meereskunde gebräuch-
lichen Kippthermometer für diesen
Zweck zu verwenden. Ihr Wesen
besteht darin, die Temperatur des
Meßortes so zu fixieren, daß sie nach
beliebiger Zeit an anderer Stelle ab-
gelesen werden kann, Da die damals
verwandten Thermometer für diesen
speziellen Zweck nicht hergerichtet
waren, befriedigten auch diese Ver-
suche nicht.
Als nun im Jahre 1931 weitere
Arbeiten*) auf diesem Gebiete in
Aussicht standen, stellte die Firma
Richter & Wiese in Berlin in Zu-
sammenarbeit mit dem Verfasser
Kippthermometer her, die in bezug
auf Skalenteilung, Gefäßgröße usw.
den sonst bei Aspirationspsychro-
metern gebräuchlichen Instrumenten
gleichkamen, und änderte einen
Aßmann so um, daß er umgekippt \of
werden konnte. Diese Vorrichtung, 3
die in der nebenstehenden Abb, in Aßmann- Psychrometer mit Kippvorrichtung.
Seiten- und Vorderansicht dargestellt
ist, sei in den folgenden Zeilen kurz beschrieben, Ein rechteckiger Rahmen (A),
mit einer Länge von 535 mm und einer Breite von 166 mm, aus Profil-Messing,
trägt in der Mitte seiner langen Kanten zwei Bolzen (EB). An diesen Bolzen ist
ein Aßmann (C) drehbar angebracht, und zwar so, daß der Schwerpunkt etwas
über dem Drehpunkte liegt. An einer Seite des Uhrwerkgehäuses befindet sich
ein Zapfen (D), der in eine Klinke /£) einrastet, die durch eine Spiralfeder (F)
nach unten gezogen wird, Diese Klinke kann aber mittels einer Kette (&) auch
angehoben werden,
Die Vorrichtung arbeitet nun folgendermaßen: Für Messungen in Höhen,
die sich außerhalb der Reichweite des Beobachters befinden, wird der Rahmen
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2) H. Thorade, Bericht über die Kimmtiefenbeobachtungen an Bord des Vermessungsschiffes
„Meteor“ auf der Islandfahrt 1929, Veröff. d. Mar,-Obs, Wilhelmshaven. Berlin 1930. — ?) F, Conrad,
Astronomische Ortsbestimmung und Kimmtiefenmessung auf See, Veröff, d. Mar.-Obs. Wilhelms-
haven. Berlin 1933,