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Full text: 61, 1933

Michler, H.: Beobachtungen mit dem Libellensextauten auf D, „Arucas“ im Mai 1933, 255 
waren recht ungünstig, so daß an Instrument wie Beobachter sehr große An- 
[orderungen gestellt wurden. Es herrschte nahezu während der ganzen Reise 
starker Seegang — ausgehend rollte das Schiff zeitweise heftig, während es auf 
der Heimreise bis zum Kanal bei Seegang 4 bis 6 schwer stampfte. Selbst bei 
leichterer See arbeitete das zu kurze Schiff, das dazu — besonders auf der Aus- 
reise — nicht voll beladen war. Durch diese ungünstigen Bedingungen sind 
die Beobachtungsergebnisse jedoch besonders aufschlußreich, da es sich eben 
nicht um „Schönwetterbeobachtungen“ handelt, 
Darstellungssystem, Ich habe nach einigen Versuchen in Übereinstimmung 
mit Prof. Dr. Meldau von der Seefahrtschule Bremen und Lt, a. D. Martini von 
der Marineleitung graphischen Darstellungen längerer Beobachtungsreihen den 
Vorzug gegeben, zumal diese gegenüber der Auswertung von Einzelbeobachtungen 
(oder kurzen Reihen von 3 bis 5 Messungen) objektiver sind und als Kurve dar- 
gestellt auf den ersten Blick ein vergleichendes Urteil zulassen. Auch die prozentuelle 
Auswertung nach Fehlergrenzen ist nur auf diesem Wege einwandfrei möglich, 
da hier immer eine Anzahl von Messungen verglichen werden, die tatsächlich 
unter vollkommen gleichen Bedingungen gemacht wurden, Es wurde nun der- 
gestalt beobachtet, daß in Zeiträumen von 10 bis 20 Minuten eine möglichst große 
Anzahl Höhen fortlaufend gemessen wurden; und zwar wurde nach jedem Stoppen 
das Instrument abgesetzt, aber die Einstellung nicht verändert, so daß bei der 
darauffolgenden Messung das Gestirnsbild mit der Libellenblase, nach deren 
Ruhigstellung, durch kurzes Herandrehen erneut in Deckung zu bringen war. 
Es könnte nun eingewendet werden, daß im Laufe der Zeit eine gewisse Technik 
im „Nachdrehen“ erlangt wurde, die dann das Gesamtbild fälschen könnte, Da- 
gegen ist zu sagen, daß einmal die Einzelmessungen nicht in genau gleichen 
Zwischenzeiten folgen, ferner daß die Höhenänderung ja mit der Größe des 
Azimutes verschieden ist, so daß eine „Nachdrehtechnik“, die sich diesen beiden 
Faktoren anpassen könnte, wohl kaum zu erreichen sein dürfte, Zum andern 
soll ja gerade durch das Nachdrehen eine größere Genauigkeit einer Anzahl von 
Einzelmessungen erreicht werden. Die so aufgenommenen Höhenreihen von 
10 bis 30 Einzelmessungen wurden einmal mit immer gleichzeitig gemessenen 
Kimmabständen und zum andern mit den für die einzelnen Beobachtungszeit- 
punkte errechneten wahren Höhen verglichen, wobei im letzteren Falle auf 
möglichst sorgfältige Bestimmung des Schiffsortes Bedacht genommen wurde, 
Bei großem Azimut wurden für den Beobachtungsabschnitt von 10 bis 20 Minuten 
die wahren Höhen zum Zeitpunkt der ersten, einer mittleren und der letzten 
Libellenhöhe errechnet und im übrigen der Verlauf der Höhenänderung als 
Gerade angenommen, Bei kleineren Azimuten, also bei ungleichem Verlauf der 
wahren Höhenänderung im Beobachtungszeitraum, wurden auch noch für da- 
zwischenliegende Zeiten die wahren Höhen errechnet, um eine möglichst große 
Genauigkeit der Kurve für die wahre Höhenänderung zu erhalten. Beide Kurven 
wurden hernach graphisch dargestellt, auf der Kurve der Höhenänderung nach 
Rechnung wurden sodann die mit den einzelnen Libellenhöhen zeitlich korre- 
spondierenden Punkte festgelegt, um die Differenzen B—R ablesen zu können. 
Schiffsorte, Azimute, Größe der Einzelmessungen und Uhrzeiten sowie deren 
Stand gegen M.G. Z.sind so genau angegeben, daß eine Nachprüfung jederzeit 
möglich bleibt. Es wurden insgesamt etwa 30 derartige Beobachtungsreihen mit 
über 600 Einzelmessungen von 5 verschiedenen Beobachtern während der Reise 
gemacht, davon einige im Hafen. Dazu sind zu Versuchs- und Übungszwecken 
nahezu ‘die gleiche Anzahl Messungen vorgenommen worden, die nicht ausgewertet 
wurden. Ferner wurden noch eine Anzahl Einzelhöhen gemessen, die zur Ortung 
praktisch verwertet wurden. 
Über die Technik der Messungen. Bei dem, wie schon gesagt, zeitweise schwer 
arbeitenden Schiff waren auch nur einigermaßen befriedigende Ergebnisse nur 
dann zu erzielen, wenn das Azimut des Gestirns etwa 90° zur Schiffsbewegung 
war, d. h. bei rollendem Schiff mußte etwa in der Kielrichtung, bei stampfendem 
Schiff in der Dwarsrichtung beobachtet werden. Beobachtungen in der Richtung 
der Schiffsbewegung mußten unterbleiben, da die Libellenblase durch die Schiffs-
	        
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