Saitzeff, G.: Hydrologische Untersuchungen des Moskaner Ozeanographischen Instituts usw. 237
A. Südlicher Abschnitt des Kola-Meridians (69° 30’ bis 73° N-Br.).
Auf diesen Teil entfallen acht Stationen. Für jede wurden die mittleren
Temperaturen und Salzgehalte sowohl des ganzen Wasserkörpers (von der Ober-
fläche bis zum Boden) wie der 50 m mächtigen Bodenwasserschicht getrennt
ermittelt nach der Methode von Prof. N. Subow!). An Hand der betreffenden
tm-Werte ließ sich der Südabschnitt des Querschnitts in vier Glieder zerlegen
(Abb, 1, Kurve A): Erster warmer Zweig von der Küste bis 70° 45, erster
kalter Zweig weiter nordwärts bis 71° 15’, zweiter warmer Zweig bis 72° 15’ und
endlich zweiter kalter Zweig bis 73° N.
Der jährliche Verlauf der mittleren Wasserkörper-Temperatur des erörterten
Profilabschnittes scheint sich wie folgt zu gestalten: Die winterliche Abkühlung
des Wassers dauert bis Ende März; die dann einsetzende Temperaturzunahme
währt bis November. Das Temperaturmittel des Wassers von der Oberfläche
bis zum Boden hat also jährlich ein Maximum im November und ein Minimum
im Frühjahr (Abb, 2, Kurven A). — Einen anderen Verlauf zeigt die Temperatur
der Bodenwasserschicht (Kurven B): Bis Ende März findet ebenfalls Abkühlung
statt; dann setzt bis Juni ein schwacher t-Anstieg ein, dem ein unbedeutender
Abfall folgt, worauf im August der Hauptanstieg beginnt, der sich bis zum
Januar fortsetzt. Die Bodenwasserschicht weist mithin je zwei Maxima und
Minima auf; ihr Haupt-Temperaturmaximum fällt auf den Januar, Bei einem
Vergleich der warmen und kalten Abschnitte der Kurven von Abb. 2 fällt uns
vor allem auf der Parallelismus des Temperaturverlaufes des ganzen Wasser-
körpers (A) zur Zeit der niedrigsten t-Werte mit dem Verlauf der entsprechenden
Bodenwasserwerte (zumal 1930, Anfang III bis Ende VI).
Im Jahre 1931 trifft die oben angedeutete thermische Vierteilung des Kola-
Meridianschnittes nicht zu. Der südlichste Teil z. B., der 1930 den „ersten warmen
Zweig“ bildete, wies 1931 niedrigere Temperaturen auf als im Vorjahre der nord-
wärts folgende „erste kalte Zweig“. Infolgedessen müssen wir den Vergleich
beider Jahre für jede einzelne Station getrennt durchführen. Zu dem Zweck
sind deren mittlere Monatstemperaturen sowohl für die ganze Schicht von der
Oberfläche bis zum Boden als auch für die Bodenwasserschicht allein bestimmt
worden. Das Ergebnis zeigt Abb, 3, die an Hand der Skala in der Mitte des
Bildes ohne weiteres verständlich sein dürfte; die schraffierten Flächen geben
an, daß das Wasser 1931 kälter als 1930 gewesen ist. Wir entnehmen der Dar-
stellung, daß 1931 ein Abkühlungsprozeß stattgefunden hat, der sich besonders
in der Küstenzone geltend gemacht hat. Bei der Station 69° 30’ N hat die Differenz
selbst der zehnmonatigen Temperaturmittel noch 1.0° betragen; auch die beiden
folgenden nördlicheren Stationen weisen noch Differenzen von 0.6 und 0.5° auf.
Die starke Abkühlung 1931 ist an den anderen Stationen ebenfalls noch wahr-
nehmbar, wenn auch mit gewissen Schwankungen. Nur an den Stationen 72° 30’ N
und 73° N lagen die mittleren Zehnmonats-Temperaturen von 1931 über denen
des Vorjahres (um 0.2 und 0.3°), während der übrige Teil des Querschnitts im
Zehnmonatswert kälter war. Die Temperaturen des Bodenwassers (Bildreihe B)
lassen gleichfalls 1931 eine starke Abkühlung bis Mai einschließlich erkennen,
aber schon im Juni setzen offenbar Bodenströmungen ein mit wärmerem Wasser
als im Vorjahre. Diese Erwärmung ist so bedeutend, daß sie sogar auf die
mittleren Monatstemperaturen der gesamten Wasserschicht einwirkt. Der Ver-
gleich der beiden letzten Bilder dieser Diagramm-Serie (Zehnmonats-Mittel) zeigt,
daß der ganze küstennahe Teil des Kolaprofils 1931 bis 70° 30’ N kälter war als
1930. Weiter nordwärts unterlagen der Abkühlung (1931) indes nur die oberen
Schichten, während die Bodenwasserschichten wärmer als 1930 gewesen sind.
Im vorstehenden sind die thermischen Verhältnisse der Kolaschnitte während
der Jahre 1930 und 1931 miteinander verglichen worden; nunmehr seien zum
Vergleich die langjährigen Mittelwerte herangezogen. Diese sind von N. Subow?)
‘) „Hydrograph, Denkschriften“, Leningrad 1926, Bd, 51, S. 169ff: Mittl. Temperaturen einer
hydrolog. Station und eines hydrol. Profils, — 2) „Hydrogr. Denkschriften“, Leningrad 1929, Bd. 59,
8. 66ff,: Mittl. Temp’n der hydrolog. Schnitte auf dem Kola-Meridian usw.