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Full text: 61, 1933

230 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August/September 1933, 
niedriger als die Lufttemperatur sich stellte: das ist aber hier nicht der Fall, 
da die Lufttemperaturen in Onslow sich für die in Betracht kommenden Monate 
wie folgt ergeben haben‘): 
V. YI. VIL WILL IX. } Man vgl. mit 20—22° S-Br, 
22.0 18.9 17.8 19.2 21.5) 114—116° O-Lg. auf S. 227. 
Die einzige Folge kann man vielleicht in der für die Gegend von Onslow 
und Roebourne gültigen, sehr geringen „Verläßlichkeit“ der mittleren Regenmenge 
finden; nach einer Karte von Gr. Taylor®) beträgt auf dieser Strecke die Wahr- 
scheinlichkeit, daß der an sich kleine Niederschlagsbetrag auch tatsächlich der 
Küste zuteil wird, nur 50% und steht damit auf gleicher Stufe mit dem innersten 
Australien. In Onslow fielen in den einzelnen Jahren von 1906 bis 1915 folgende 
Beträge: 180, 229, 250, 686, 180, 127, 25, 180, 50, 250 mm. Man wird annehmen 
dürfen, daß in den Jahren, die eine beträchtlichere Erniedrigung der Küsten- 
temperatur bringen, auch die Regenmenge weit unter das Mittel gedrückt ist, 
Allerdings bleibt dabei wieder die Frage offen, ob in solchen Jahren das kalte 
Wasser als solches oder ein besonders starker SO-Passat als trockener Wind die 
Regenmenge unmittelbar herabsetzt; letztere Ansicht scheint G. Taylor zu haben ®). 
Das kalte Wasser wäre dann nur Begleiterscheinung, nicht Ursache, 
Während des Frühjahrs und Sommers entfällt die Möglichkeit von Auftrieb- 
wasser von vornherein, da Wind und Strom auflandigen Charakter, wie wir sahen, 
gewinnen. Überhaupt kommen während fast des ganzen Jahres auch an der 
Nordwestküste in See zum Festland hin gerichtete Luftströmungen vor, wie das 
schon in den Seebrisen sich ausdrückt; sie sind offenbar häufiger als man aus 
den Windtabellen der Landstationen entnehmen würde, Broome hat selbst im 
August, zur Zeit des Höhepunktes des Passates, 26% Westwinde. Für die Gegend 
des Kap Bougainville (14° S-Br., 126° O-Lg.) macht der englische Pilot*) die 
Angabe, daß von Mai bis Oktober bei wunder vollem klaren Wetter Land- und 
Seebrisen regelmäßig, auch Westwinde {in dieser Periode des SO-Passates!) von 
etwas längerer Dauer auftreten, ja daß im September SW-Winde überwiegen. 
Anscheinend übt der immer recht heiße nordwestliche Teil des Festlandes in 
allen Monaten, auch im Südwinter, eine starke Anziehungskraft auf Winde von 
See her aus, 
2. An der Westküste fehlt, soweit man bis jetzt feststellen kann, Aufquell- 
wasser gänzlich. Dies steht in Übereinstimmung mit der in den Segelhandbüchern 
(z. B. Australia Pilot, vol, V, 8. 22, 330, London 1923) wiederholt betonten Tat- 
sache, daß „wegen der Tendenz der Winde, aus irgendeinem westlichen Qua- 
dranten zu wehen, die Strömung immer geneigt ist, Schiffe nach der Küste hin 
zu versetzen, besonders von Oktober bis April“. Außerdem bedenke man, daß 
an der Westküste in der großen Haifisch-Bucht ein Hauptquartier für die 
Perlenfischerei liegt und daß bis 28° 38’ S-Br. vor der Westküste Korallenriffe 
sich finden, Das alles ist mit Aufquellwasser unvereinbar. An dem hier durch- 
gängig von NW nach SO gerichteten Verlauf der Isothermen des Oberflächen- 
wassers kann ein Zweifel nicht mehr bestehen. Wäre kaltes Wasser vorhanden, 
müßte die Richtung SW—NO sein oder durch zwiebelschalenartige Anordnung 
eine Kälteinsel sich bemerkbar machen. Auch ergibt die rechnerische Behand- 
lung der Temperaturen vor der Westküste, daß hier keine negative Anomalie 
vorliegt; eine solche Anomalie findet sich aber auffälligerweise weiter westlich 
im offenen Ozean, etwa von 110° oder 105° O-Lg. ab im Bereiche des Wassers 
der Westwindtrift, Doch darf hierauf kein besonderes Gewicht gelegt werden, 
obwohl für die Aufquellgebiete vor Westafrika und Westamerika die negative 
Anomalie ein charakteristisches Merkmal abgibt. 
Die als Überschrift gesetzte Frage: „Auftriebwasser an der australischen 
Westküste?“ hat man also mit Nein und Ja zu beantworten, wobei sagen wir 
90% des Gesamtgewichtes der Behauptung auf das Nein entfällt. Wenn dem 
° 1) Griffith Taylor, Climatology of Australia, im Handbuch der Klimatologie von Köppen- 
Geiger, 5. 84. Berlin 1932. — * Ebenda S, 36. — % Ebenda S, 68, — +4) Australia Pilot, vol. V, 
S_ 150. London 1923.
	        
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