Schott, G.: Auftriebwasser an den australischen Westküsten? Ja und Nein! 92927
der Annäherung an die australische
Küste. Die Westküstenströmung
geht weiterhin erstens über in die
Trift des SO-Passates, der um diese
Zeit hier schlecht entwickelt ist,
und außerdem bei merkwürdiger
Spaltung, rechts herum in die Timor-
und Arafura-See hinein, so daß auch
an der Nordwestküste Australiens
auflandige Versetzungen durchaus
vorherrschend sein dürften, im Ein-
klang mit den Wind verhältnissen
(Tafel 28). Es ist bekannt, daß im
Südsommer die Winde monsunartig
um ein über dem nordwestlichen,
stark erhitzten Australien liegendes
Luftdruckminimum kreisen, der
Passat also rechts abgebogen wird
zu S-, SW-, W-, schließlich WNW-
Winden. Die Windverteilung in Perth, Carnarvon und Broome gibt darüber ein-
deutige Auskunft; sie sei gleich auch für die übrigen Monate hier eingefügt.
Herbst (Mai, Juni). Die Veränderungen gegenüber Sommer sind erheblich, be-
sonders an der Nordwestküste, Nur südlich von etwa 30° S-Br. halten in Landnähe
die Isothermen die bisherige Richtung WNW—0SO durch; nördlich von der Shark-
Bucht scheint unmittelbar unter Land eine schwache Temperaturabnahme vorzu-
liegen. Sehr deutlich und gesichert findet sich aber Östlich vom Nordwest-Kap
eine solche Erniedrigung, die als kaltes Auftriebwasser anzusprechen ist,
bis nach Broome hin, wie aus der nachstehenden Reihe sich ergibt. Die Zahlen
in der Ecke unten links bedeuten die Anzahl der Beobachtungen, die in der
Ecke unten rechts die bisher niedrigste Temperatur, Zugleich wurde die Reihe
für den Südwinter schon angefügt, weil auch in dieser Jahreszeit, wie nachher
zu besprechen ist, Spuren von Auftriebwasser sich finden.
O-Le,
1109 112° | 112°—114° } 11491169 | 1169°—1189 | 118°—1200
Monat
20—220 8-Br. {
25.5 25.7 22.2 | 22,8 222
4 —'9 —)63 17,2 | 49 192 18 18,9*
22. 23.0 22.2 22.2 ; 22,8
a 8 ar —]u6 20.0 | 46 18.9 | 15 21.6 Aug, (Sept)
A EEE ‚TEE
westlich und Östlich vom Nordwest-Kap.
Wenn im Mai/Juni der Unterschied westlich und östlich vom Nordwest-Kap
im Mittel über 3° beträgt, wenn Minimalwerte von 17.2° vorkommen, wenn noch
in der Nähe von Broome die Meerestemperatur zeitweise unter 20° sinkt, so kann
ein Zweifel über die Erscheinung nicht bestehen. Aber es kommen auch Jahre
vor, in denen dies Aufquellwasser des südlichen Herbstes gerade in dem Kern-
gebiet so gut wie fehlt. Die Reise des deutschen Forschungsschiffes „Gazelle“
liefert dafür einen guten Einblick); die Korvette segelte von Südwesten kommend
las Nordwest-Kap an und ankerte mehrere Tage Ende April 1875 in der Mermaid-
Straße. Die Beobachtungen, auch die über Wind und Bewölkung, sind wertvoll
genug, um einer gewissen Vergessenheit entrissen zu werden. Nach dieser Er-
lahrung war also die Temperaturerniedrigung im Gebiet östlich vom NW-Kap
zelbst bei östlichen Winden ungemein gering. Es wird ganz darauf ankommen,
ob der im Herbst einsetzende W-Sirom mehr auflandige (WSW) oder ablandige
(WNW) Richtung gewinnt. Daß im großen und ganzen die Strömung bereits
im Herbst im Gebiet der Arafura-See westwärts zieht, unterliegt keinem Zweifel:
20220 8-Br. {
Zeichs-Marine-Amt, Forschungsreise S, M. S. „Gazelle“, Abt. V, Meteorologie. Berlin 1290.