226 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August/September 1933,
Durchfahrten verliefen in der Timor-See stets in viel zu großem Abstande von
der australischen Küste. Ohne das Material von Brooks-Smith, für das ihm
auch hier Dank gesagt sei, wäre die Beantwortung der Frage noch in der Schwebe
geblieben. Einige Temperaturwerte erhielt ich auch durch eine freundliche Ein-
sendung seitens des Capt. Superintendent von H. M. A. Naval Establishments
in Sydney. Auf den beigegebenen Karten (Taf. 28) sind die Mittelwerte der Ein-
gradfelder der holländischen Tabellen für Februar, Mai, August, November mit den
Mittelwerten der Nachbarmonate nach den britischen Daten vereinigt worden, ein
Verfahren, das bei vorsichtiger Deutung Bedenken nicht unterliegt. Zugleich wurden
die vorwiegenden Stromrichtungen eingetragen, wobei holländische*), deutsche?),
englische®) Veröffentlichungen zu Rate zu ziehen waren, Auf derselben Literatur
sowie dem Handbuch der Klimatologie von Köppen-Geiger*) u. a. beruht die
Darstellung der Windverhältnisse. Berücksichtigt wurde die Sachlage westwärts
bis rund 90° O-Lg., also bis etwa 1200 Sm westwärts von der Küste, sowie südwärts
bis Kap Leeuwin, der südwestlichsten nur 21 m hohen Ecke Australiens, Es ist
bei solchen Fragen immer nützlich, weiträumig vorzugehen. Es mögen zunächst
die kahlen Tatsachen aneinander gereiht werden,
Sommer (Febr., März). Die Isothermen des ÖOberflächenwassers lassen
keinerlei lokale Erniedrigung der Wasserwärme weder an der Westküste noch
an der Nordwestküste erkennen; im Gegenteil, ihr Verlauf von WNW nach 0SO
ist gesichert. Die Beobachtungen einer KEinzelreise auf der Breite von Kap
Leeuwin lieferten von W nach O; 19.4° unter 100° O-Lg., 20.0° unter 110°, 20.6°
in der Nähe von Kap Leeuwin. Bei dem Nordwest-Kap unter rund 22° S-Br.
erfolgt — in dieser Jahreszeit — eine sehr entschiedene Zunahme der Temperatur
in der Richtung nach Osten hin; 25,6° bis 26° ist die mittlere Temperatur west-
lich vom Kap, 27.8° östlich vom Kap, auf 47 Beobachtungen beruhend, die
im Gradfeld 20°—22° S-Br., 114°—116° O-Lg. zwischen 31,3° und 23.9° schwanken.
Entlang dem öden sogenannten 90 miles-Strand in der Richtung nach Broome
steigt die Wassertemperatur noch erheblich bis auf 7>29° im Mittel; Werte von
27° sind hier nicht gemeldet (Tabelle S. 229). Von Aufquellwasser kann
daher während des Südsommers keinesfalls gesprochen werden.
Über die hierzu gehörenden Wasserbewegungen dieser Jahreszeit herrscht
in den verschiedenen Quellen recht befriedigende Übereinstimmung. Um Kap
Leeuwin herum zieht eine nach NW und N gerichtete Strömung, die ihr Wasser
offenbar aus der großen flachen Bucht der stark erwärmten Südseite Australiens
bezieht; sicher kommt es nicht unmittelbar aus der Westwindtrift. Diese West-
küstenströmung, wie sie genannt sein mag, gibt häufige Neere ab nach der
Küste zu, z. B. in Richtung Fremantle und in die große Shark-Bai hinein, In
den Schiffahrtshandbüchern wird betont, daß die Strömung, da der Wind vor-
wiegend aus westlichem oder südwestlichem Viertel wehe, geeignet sei, Schiffe
nach Land zu versetzen, manchmal sehr stark zwischen Kap hLeeuwin und
Fremantle, und zwar in allen Jahreszeiten. Die Westküstenströmung wird weiter
nördlich schwach und veränderlich, vorwiegend nach NW (links drehend!), so
daß sie weit in See unter rund 100° O-Lg. eine Konvergenzlinie bildet mit Aus-
Jäufern der Westwindtrift, die hier in überaus beachtenswerter Weise in NO-
und O-Richtung bis etwa 25° S-Br. vorstoßen. Die Darstellung, die M. Willimzik
a. a. O. Tafel 2 für diese Verhältnisse westlich von 100° O-Lg. gegeben hat, trifft
durchaus das Richtige und weicht von der älteren von G. Michaelis mit Recht
ab. Im Bereich der Wasser der Westwindtrift ziehen die Isothermen nicht
WNW—08SO, sondern WSW—ONO; nebenbei sei gesagt, daß über diesem kühleren
Wasser anderen Ursprungs die Himmelsbedeckung eine auffallend starke ist und
eine auffallende Nebelhäufigkeit beobachtet wird im Gegensatz zu einer ent-
schiedenen schnellen Abnahme der Bewölkung und dem Fehlen von Nebel mit
‘) Vgl. Fußnote 4 auf S. 225. — %) Deutsche Seewarte, Atlas der Strömungen im Ind, Ozean.
Hamburg 1913, Inst. f, Meereskunde: Michaelis, Wasserbeweg, Ind. Oz., Heft 8, Berlin 1923;
Willimzik, Subtrop. Konvergenzgeb, Ind. Oz. Heft 14, Berlin 1929. — % Meteorological Charts of
che East Indian Seas, London, Meteorol. Office; monatlich bis 1923. Admiralty, Hydr. Office: Australia
Pilot, vol, V. London 1923. — *} Band IV, Griffith Taylor, Climatology of Australia. Berlin 1932.