Thein, W.: Maßgebliche Schlagregenwirkungen in der Bautechnik. 197
den Himmelsrichtungen SSW über W bis NW liegende Geländeausschnitt als
„Wettersektor“ gelten.
Zur Beurteilung der Wirkung des Schlagregens ist festzulegen, von welcher
Windstärke ab Regen mit anfallendem Wind als „Schlagregen“ zu bezeichnen
ist und welches Zusammenwirken von Regen und Wind schädliche Einwirkungen
darstellt.
Windwirkung. Für die Angabe der Windwirkung kann ohne weiteres der
Windgeschwindigkeitswert‘ benutzt und der Winddruck nach der bekannten
Formel W = 0.122 v®? Fkg/m? errechnet werden [v = Windgeschwindigkeit m/sec;
F = Größe der getroffenen Fläche in m?]!).
Die Windpressung bei Versuchen wird am besten durch die Höhe einer
Wassersäule angegeben. Dies geschieht mit ausreichender Genauigkeit, solange
die Druckunterschiede so gering sind, daß die aus ihnen folgenden Volum-
änderungen außer acht bleiben können, was bei den Untersuchungen der Fall
war. Für die Umrechnung gilt die Beziehung?):
1 mm Wassersäule = 1 kg/m?
In Tabelle 1 sind die der Windstärke-Beaufortskala entsprechenden Wind-
geschwindigkeiten?), die nach vorstehender Formel errechneten Winddrucke sowie
die Windpressung in mm Wassersäule (W. 58.) angegeben.
Tabelle 1.
Windstärke
ii?
Bezeichnung
Mittlere
Geschwindigkeit v
in m/sec
Winedstille
Leiser Zug
Fiaue Brise
Leichte Brise
Mäßige Brise
Frische Brise
Steife Brise
Harter Wind
Stürmischer Wind
Sturm
Starker Sturm
Schwerer Sturm |
Orkan
Ju
}
-y
{8
‚2,5
5.2
79
21.5
25.0
29.1
402
w inddruck
in ke/m?
d-
‘
12.6
16.9
27.9
38.7
55,6
75.6
102,5
135.7
195.5
Windpressung
in mm W.S.
12.6
18.9
27.9
38.7
55.6
75.6
102,5
135.7
1955
Regenmenge. Schwieriger als die Einflüsse des Windes sind die Wirkungen
des Regens festzulegen, da nicht nur die Regenmenge, sondern auch die Dauer
des Regens eine Rolle spielen. Im Kanalbau legt man den „Sturzregen“ ohne
Berücksichtigung der Windwirkung zugrunde; die Größe der sekundlich abzu-
führenden Regenwassermenge ist in der Hauptsache abhängig von der jährlichen
Regenhöhe und der Dauer des Regens in Minuten, die durchschnittlich auf
20 Minuten bemessen wird, Eine Anlehnung an diese Regenmengenbestimmung ist
nicht angängig, weil die beobachteten Durchfeuchtungen durch Regenberieselung
nur in ganz bestimmten, abgegrenzten Perioden — Schlagregenperioden — auf-
getreten sind, Aus demselben Grunde kann man auch nicht eine mittlere Regen-
dauer und Regenmenge einer Gegend — die sogenannte „Regendichte“ — zu-
grunde legen, die gegeben ist durch den Quotienten
Gesamtniederschlagsmenge
Gesamtregenstundenzahl
Dieser Wert stellt sich sehr klein und schwankt z. B. für europäische Ver-
hältnisse im allgemeinen zwischen 0.5 und 2 mm Regenhöhe für die Stunde,
Es wurden deshalb zur Bestimmung der Schlagregenwirkung erst einmal
die Windstärken in den einzelnen Himmelsrichtungen unter Zugrundelegung der
ıy Vgl. Dentscher Baukalender 1930, II. Teil. S. 155. — 2% Vgl. Taschenbuch für den
Maschinenbau, I. Bd., S, 360, herausgegeben v, H. Dubbel, Verlag Julius Springer. — % Lueger,
Lexikon d. gesamten Technik, VIII. 8. 927, 2. Auflage,