192 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1933.
die diesen Meßzylinder abdeckt, ist gleichzeitig seitlich ein dünneres Messingrohr
eingelötet, welches u-förmig nach unten gekrümmt ist, und zwar derart, daß
sein freier Schenkel e, der nach außen geht, länger ist als der innere. An ersterem
wird ein Gummischlauch befestigt, der mit einem. Glasstopfen verschlossen werden
kann, Da die Kappe d auf dem Meßzylinder f nur lose aufsitzt, ist dem Messing-
rohre, welches bis unten in diesen Zylinder einreicht, bei g noch ein kleiner
Riegel aufgeschoben worden, um dem Tonzylinder festeren Halt zu geben.
Die Bedienung des Apparates ist nun die folgende: Durch das lange Messing-
rohr wird die ganze Tonzelle mittels eines dünnen Wasserstrahles vollständig
mit destilliertem Wasser angefüllt, Da die Zelle, wenn sie zuvor trocken war,
sich erst allmählich vollsaugt, so ist zunächst das Wasser öfters nachzufüllen
und die Zelle endlich auch ganz in destilliertes Wasser einzustellen, Es wird
alsdann der Glaszylinder gleichfalls ganz bis oben hin mit destilliertem Wasser
angefüllt und sodann die Tonzelle mit dem Messingrohr in den Glaszylinder ein-
gesetzt, wobei man beim Umkehren das Messingrohr mit dem Finger verschließt,
— Am nächsten Tage, wenn sich der Apparat eingestellt hat, kann sodann die
Eichung des Apparates erfolgen, falls dieser noch nicht geeicht sein sollte.
Man setzt hierzu eine Spritzflasche am Schlauche bei g an und läßt aus ihr
so lange Wasser in den Meßzylinder einfließen, bis dieser voll Wasser ist. Darauf
senkt man die Spritzflasche, so daß jetzt das Messingrohr e als Heber wirkt
und das Wasser im Meßzylinder selbständig auf den gleichen Punkt, unseren
„Nullpunkt“, einstellt. Der Apparat ist nun gebrauchsfertig,
Zur Eichung wird man zweckmäßig in einem zugfreien Raume eine mit destil-
liertem Wasser möglichst weit gefüllte flache Glasschale von etwa 200 qem ÖOber-
fläche und senkrechten Wänden auf einer sogenannten Briefwaage neben dem Ver-
dunstungsmesser aufstellen, und zwar so, daß die freie Wasseroberfläche mög-
lichst in der Höhe d bis e& des Verdunstungsmessers ist. Die Verdunstung der
freien Wasseroberfläche wird nunmehr täglich durch die Gewichtsabnahme fest-
gestellt und durch Division durch die Oberfläche auf mm Verdunstungshöhe re-
duziert, worauf täglich das Wasser in der Schale wieder auf das ursprüngliche
Gewicht aufgefüllt wird.
Auf der einen Seite des Glaszylinders befindet sich ein matter Streifen, auf
dem wir zunächst den Nullpunkt auftragen, Wir markieren dann den Wasser-
stand am Glaszylinder, sobald etwa je 1 mm der freien Wasseroberfläche ver-
dunstet ist, Da nämlich das Wasser durch die poröse Tonzelle verdunstet, wird
Wasser dementsprechend durch das Messingrohr aus dem Ölaszylinder nach-
gesaugt, und somit fällt in diesem der Wasserstand in entsprechender Weise,
Die Zwischenwerte zwischen je 2 mm Verdunstungshöhe kann man auf dem Glas-
zylinder geradlinig interpolieren,
Man könnte versucht sein, den Verdunstungsmesser das Wasser aus dem
Glaszylinder erst vollkommen verdunsten zu lassen, und sodann das ganze Inter-
vall vom Nullpunkte bis hierher geradlinig zu interpolieren. Das ist jedoch,
wie v. Boguslawski feststellen konnte, nicht richtig, Der Wasserspiegel im
Glaszylinder senkt sich nämlich anfangs, also beim Beginn der Skala, schneller
als später, weil die Hubhöhe des Wassers bis zur Tonzelle zunächst eine geringere
ist! So sank nach Beobachtungen v, Bogusla wskis der Wasserstand im Glas-
zylinder beim .
1. ZA 8. 4, 5. 6. mm Verdunstung
um 4.040.014 83.840.00 83.440.038 8.440.03 8.840.03 3.840.004 cm
Würde man dagegen gleichmäßig über den ganzen Zylinder hin interpolieren,
so würden gerade die ersten 2 mm, welche fast täglich im Sommer zur Verdun-
stung kommen, falsche Ergebnisse zeitigen; wir würden hier eine stärkere Ver-
dunstungsmenge ablesen, als sie in der Tat vorlag.
Im Vorstehenden sind die mittleren Fehler aus je drei Beobachtungen er-
rechnet worden, Man sieht, daß diese Beobachtungsanzahl vollkommen genügt,
um die Apparate mit ausreichender Genauigkeit eichen zu können,
Will man die Zwischeneichungen zwischen je 2 mm Verdunstungshöhe noch
genauer ausführen, so kann man naturgemäß auch die Ergebnisse graphisch
auftragen. Im allgemeinen wird das jedoch kaum erforderlich sein.