Dinies, E.: Die Temperaturverhältnisse in Deutschland bei verschiedenen Luftkörpern. 185
In der sommerlichen Temperaturverteilung finden wir ähnliche Verhältnisse
wie im Frühjahr. Die 15°-Isotherme umschließt ein Gebiet, das etwa zwischen
Hamburg, Dresden, Karlsruhe und Essen liegt. In Ostdeutschland ist ebenso
wie im Frühjahr der temperaturerniedrigende Einfluß der Ostsee vorhanden,
Im Herbst ist das Wärmemaximum ebenso wie bei M an die Nordseeküste
gerückt. Auch der Osten wird jetzt relativ warm. Königsberg hat dieselbe Tem-
peratur wie Hamburg (8.4°). Die Temperaturen zwischen 8° und 8.5° bleiben
bis Mitteldeutschland hinein erhalten, Dann nehmen sie nach dem Süden zu
rasch ab. Südlich von München verläuft die 5°-Isotherme westostwärts, In der
norddeutschen Ebene entspricht das Temperaturmittel von PM etwa dem Kol.
Jektivmittel. Im Süden ist PM über 2° zu kalt. Verursacht wird dieser Unter-
schied wahrscheinlich durch das im Herbst oft in Südosteuropa liegende Hoch-
druckgebiet, das noch recht häufig warme kontinentale Luft aus Ungarn heran-
strömen läßt, während im Norden Westwinde Luftmassen maritimen Charakters
herbeiführen.
Auch im Winter findet sich die warme Nordwestecke Deutschlands wieder.
Bremen, Dresden, Karlsruhe, Aachen liegen etwa auf der 2°-Isotherme. Sogar
das Ostseegebiet ist nicht viel kälter (Königsberg 1.8°). In Südbayern sinkt die
Temperatur beinahe bis zum Nullpunkt. Da natürlich in Ostdeutschland im
Winter am meisten kontinentale Luftkörper vorkommen, die sehr niedrige Tem-
peraturen besitzen, muß bei einem gelegentlichen Einbruch von PM die Tem-
peratur wesentlich ansteigen. Die Abweichung gegen das Kollektivmittel beträgt
in Königsberg 3.7° und ist die höchste in ganz Deutschland. In Nordwestdeutsch-
land, das bekanntlich das mildeste Winterklima hat, kommt PM immer noch um
0.4 bis 0.9° zu warm an. Im Winter ist der maritime Charakter von PM am besten
ausgeprägt.
c) Temperaturverteilung bei kontinentaler Luft (Tabelle 3).
Auf den ersten Blick mag es befremdend erscheinen, daß im Frühjahr die
höchste Temperatur bei C im Rhein-Maingebiet, also im Westen des Reiches er-
scheint. Man ist geneigt anzunehmen, daß die Ostwinde, die gewöhnlich Kontinental-
luft heranführen, zuerst in Ostdeutschland Wärme bringen müßten. Doch spielt
hier die schon mehrfach erwähnte Frühjahrsschneedecke Ostdeutschlands und die
Höhenlage Süddeutschlands mit herein, die das Maximum nach dem Westen zu
verlegen. Unter Berücksichtigung der Höhenlage Stuttgarts und Münchens er-
hielten wir hier Temperaten von etwa 11°, wodurch das wärmste Gebiet weiter
nach Südwesten zu verlegt würde,
Tabelle 3, Mitteltemperatur kontinentaler Luft in Deutschland 1929—1931,
Winter
Temp.- | Abw, .
Mittel lan
ARCHE waren nn
Dee NER
Bremel esc000000000000
Breslau. ..........0.0..000 |
Dresden s.....0.0000000 |
Frankfurt a, M.........
Hamburg.......0.0.0.0007
Königsberg ....0....0000
Magdeburg «...0..0..00.+
München .....00.00000004
Stuttgart (Hohenheim) .. |
91 | +08
8,7 | 2.07
75 | —05
21 | — 212
u 6
6 0,3
A
b- as
— aul
06
20.4
22.3
22.4
21.2
22,8
21.7
20,7
17.6
22.9
19.3
210
+43 10,5
„4,3 28
+58 R9 |
+34 4.9 |
+50 75
+38 WA
+45 7.9
+12 69
Hg 812
B 7.3
+55 | 6°
+09 —17
—_°1 —33
—05 | —31
-—40 | — 49
—27 | —31
—24 | —22
09 | _ 4
7 66
—y1 ] —26
+03 | —53
99 1 _329
—3.4
— 30
— x‘
—43
| = 3
OR
Im Sommer haben die Küstenstationen Bremen, Hamburg und Königsberg
eine tiefere Temperatur als Binnendeutschland. Man ist geneigt, diese tieferen
Temperaturen dem Einfluß der jetzt kühleren See zuzuschreiben, trotzdem bei
Kontinentalluftzufuhr die Strömung vom Land aufs Meer hinaus gerichtet ist,
Da aber bei der Herrschaft einer kontinentalen Luftströmung der horizontale
Druckgradient gering ist, außerdem eine recht intensive Erwärmung des Fest-
Ann. d, Hydr. usw. 1933. Heft VII.