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Full text: 61, 1933

Dinies, E.: Die Temperaturverhältnisse in Deutschland bei verschiedenen Luftkörpern. 183 
Eine Reduktion auf Meereshöhe ist nicht ohne weiteres möglich. Denn der 
vertikale Temperaturgradient Sr für die Beobachtungshöhe von 2 m (es handelt 
sich ja nur um bodennahe Luftkörper) ist nicht bekannt. Zudem hat der 
Gradient einen täglichen und jährlichen Gang, Um aber den Einfluß der ver- 
schiedenen Höhenlage abzuschätzen, kann man von folgendem Gedankengang 
ausgehen: Die Bewegung der bodennahen Luftmasse paßt sich im großen und 
ganzen der Geländeform an. Bei einer durch das Gelände erzwungenen Hebung 
erfolgt adiabatische Abkühlung, bzw. bei Abwärtsbewegung adiabatische Er- 
wärmung. Strömt daher z. B. ein Luftkörper vom Ozean bis zur bayrischen 
Hochebene, die 500 m hoch liegt, so müßte eine Abkühlung von 5° gegenüber 
der Temperatur in Meereshöhe erfolgen. In Wirklichkeit tritt wegen des Aus- 
gleichs mit dem Erdboden immer eine Differenz gegen diesen theoretischen 
Wert auf. Diese Differenz ist auf den Einfluß der fremden Umgebung zurück- 
zuführen, 
a) Die Temperaturverteilung bei maritimer Luft (Tabelle 1). 
Die Temperaturen des in Deutschland am häufigsten vorkommenden Luft- 
körpers liegen im Frühjahr zwischen 6° (Königsberg) und 10° (Frankfurt a.M, 
Aachen). Das Meer ist im Vergleich zum Festland noch relativ kalt. Daher 
weisen die Küstenstationen niedrigere Temperaturen auf als das Festland. An 
der Nordseeküste herrschen Temperaturen zwischen 8° und 9°, an der vom Golf- 
strom abgeschlossenen Ostseeküste wird eine Temperatur zwischen 6° und 7° an- 
getroffen. Am wärmsten ist der Südwesten Deutschlands, Die gewöhnlich von 
Frankreich her einströmende maritime Luft wird auf ihrem Wege nach Osten 
und Nordosten auf dem Festland durch die bereits überwiegende Sonneneinstrahlung 
erwärmt. Temperaturerniedrigend wirkt in Süddeutschland die Höhenlage, in 
Ostdeutschland die meist bis in den April hinein vorhandene Schneedecke, Im 
Vergleich zum Kollektivmittel ist M im Frühjahr allgemein etwas zu warm. Der 
Unterschied beträgt im Westen und Süden (Aachen und München) 1.7°, in 
Königsberg ist das Kollektivmittel gleich dem Luftkörpermittel, 
Tabelle 1. Mitteltemperatur maritimer Luft in Deutschland 1929—1931. 
Winter 
Temp AD 
Mittel let 
AacheD...... 2... 
Berl sur rer wenn 
Bremen sc0s..0000040000 
Breslall.....0.0...00.000000 
Dresden „0....00.00.10000 
Frankfurt s....0.0..0.0000 
Hamburg... ....0.0.0..00.4 
Königsberg .....0.....0..« 
Magdeburg ı...0.0..0.00000 
München .......0...0 «4 
Stutigart (Hohenheim) .. 
00 +17 
90 | +03 
8 ALS | 
4 | un! 
AL +06 
Te + 0.9 
410) 
+00 
„0.3 
3) 
1 x 
In 
16.5 
16.9 
16.8 
17,5 
37,9 
17,7 
16,5 
215.5 
17.7 
16.6 
16.7 
+04 12.1 | +25 +30 
—11 112 | +19 +32 
402] 124 ! +30 +34 
—03 ] 121 | +32 +46 
+01 129 | 427 Au 
—02 127 | +19 Le 
40.3 27 +9 Hr 
09 | 105° + 9 +4 
+02] 120 +) +4 
405 | 99 44 | 40 | 748 
00 11.7 1926 34 +38 
Der temperaturerhöhende Einfluß des Festlandes ist besonders schön im 
Sommer zu erkennen. Etwa der Küste entlang verläuft die Isotherme von 
15° und nach dem Innern Deutschlands zu passen sich die Isothermen 17° und 
18° den Linien gleicher Küstenentfernung an, bei Berücksichtigung der Höhen- 
lage Süddeutschlands. München als weitest entfernte Station von der Küste 
hätte eine mittlere Sommertemperatur von 21.6°. Mit Ausnahme des Westens 
und des Südens ist ganz Deutschland jetzt im Vergleich zum Kollektivmittel zu 
kalt. Doch ist nur in Ostdeutschland die Differenz größer als 1° (Berlin — 1.1°), 
Die Ursache hierfür liegt außer in der zunehmenden Festlandserwärmung vor 
allem in der großen Häufigkeit der kontinentalen Luftkörper im Osten, welche 
die Temperatur im Kollektiv heraufdrücken und die Temperatur von M kühl 
erscheinen lassen.
	        
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