Lohr, A.: Zerstörende Wirkung einer Gewitterböe bei Hamburg am 21. August 1932, 181
sind in Beaufort in der Isobrontenkarte eingetragen) war im Weserbereiche und
westlich davon sowie in Mecklenburg von mäßiger Stärke, am stärksten war sie
im Heidegebiet und nordöstlich davon bis zum Elbe—Trave-Kanal. In diesem
Bereiche, der nach Norden zu durch die Linie Bremen—Hamburg begrenzt ist,
betrug die Böenstärke durchweg 8 bis 10. Aus dem Verwüstungsgebiete südlich
und südwestlich von Hamburg liegen mehrfach Meldungen von Windstärke 10
der Böe vor. Das Hauptsturmgebiet, die Heide, ist das Gebiet der größten
Bodenüberhitzung, und hier ist es hauptsächlich wieder das Grenzgebiet zwischen
Heide und den ausgedehnten Wäldern, wo die Verwüstungen auftraten. Un-
mittelbar im Elbgebiet war auch Hagel im Gefolge der Gewitter aufgetreten,
z. B. in Moisburg, Hamburg, Geesthacht an der Elbe und Boizenburg an der
Elbe. Das Charakteristische bei dem Gewitterzuge war, daß überall die Böe
ganz überraschend hereinstürzte und der ganze Büenvorgang nur einige Minuten
dauerte. In Eddelsen war nach Aussagen der Bewohner die ganze Verwüstung
in 1? bis 2 Minuten vor sich gegangen, Ein Forstbeamter aus dem Verwüstungs-
gebiete im Sachsenvorwalde teilte mit, daß der Gewittersturm überraschend und
mit äußerster Heftigkeit hereingebrochen sei, wie er es in seiner 35jährigen
Dienstzeit nicht erlebt habe,
In Hamburg spielte sich der Gewittersturm nach den Beobachtungen des
Verf, wie folgt ab: Zwischen 11 und 13 Uhr trat an Stelle des vorhandenen
Steu mächtiger Cunb, Um 14.30 Uhr kam sehr rasch eine in nur 100 bis 150 m
Höhe heraufziehende riesige Böenwalze heran, die nach unten scharf abgegrenzt
war und in kurzer Zeit fast den halben Horizont einnahm. Um 14.38 Uhr war
die Wolkenwalze im Zenit angelangt, der halbe Himmel war nunmehr schwarz,
und es wurde so dunkel, daß man ohne Licht nicht mehr lesen konnte, Nun
setzten ganz plötzlich einige Böenstöße ein und ließen ebenso schnell wieder
nach. Wenige Blitze folgten rasch aufeinander, und um 14.43 Uhr war das
Gewitter schon zu Ende. Unmittelbar hinter der Böenwalze zog eine undurch-
sichtige Regenwand heran, es fiel bis 15.30 Uhr sehr starker Gewitterregen und
ganz kurze Zeit dazwischen auch Hagel,
4, Ursache und Erklärung der Verwüstung.
Wenn es sich um Verwüstungen auf derartig eng begrenztem Streifen handelt,
so ist man geneigt, in erster Linie an Trombenwirkung zu denken, Es wurde
aber bei der Schilderung der Verwüstungsart schon wiederholt darauf hin-
gewiesen, daß keine äußeren Anzeichen für Wirbelwirkung vorliegen. Es machte
an manchen Stellen den Eindruck, als ob die Wucht der Böenwalze nur bis auf
etwa 5 m herabgereicht hätte. Beispielsweise war mitten im Hauptverwüstungs-
gebiet in Eddelsen an keinem der dort vorhandenen niederen Häuser Schaden
entstanden, während ringsum der hohe Baumbestand vernichtet wurde. In dem
verwüsteten Eichenwäldchen waren mitten zwischen den geworfenen und ge-
brochenen Eichen Strohmieten von 3m Höhe unversehrt stehengeblieben. Sturm-
verheerungen durch derartige Böenwalzen sind schon öfters in Abhandlungen
geschildert worden, Es sei hier der Kürze halber nur auf eine eingehende Ab-
handlung von K, Langbeck!) verwiesen, in der sich auch ein größerer Literatur-
nachweis befindet.
Daß es sich in unserem Falle um die Auswirkung einer Böenwalze mit
horizontaler Achse handelt, kommt auch dadurch zum Ausdruck, wenn man die
Verwüstungen mit denen einer Trombe vergleicht. Am 24. Mai 1929 verwüstete
eine Trombe am Westrande der Harburger Berge, wo auch diesmal die Sturm-
verwüstung einsetzte, den größten Teil des Dorfes Elstorf, das 6 km nordöstlich
von dem eingangs erwähnten Moisburg liegt. (Vgl. Übersichtskarte Fig. 1.) Verf,
hatte auch damals Gelegenheit, vom Flugzeug aus Lichtbilder von dem Ver-
wüstungsgebiete aufzunehmen. Da eine Veröffentlichung der damaligen Beob-
achtungen nicht erfolgt ist, sei kurz darauf hingewiesen, daß an genanntem Tage
von 18 bis 18.08 Uhr über 30 Gebäude in Elstorf von der Trombe zerstört
!) K. Langbeck, Die Sturmverheerungen an der preußisch-sächsischen Grenze vom 12. Mai 1912.
Anhang zum Tätigkeitsbericht d. Preuß, Met, Instituts im Jahre 1912, S, 92,