L80 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1933,
Nordseegebietes, Die sich rasch wieder erwärmende Kaltluft äußerte sich im
Thermogramm (Fig. 8) nur durch Verhinderung des Temperaturanstieges der
Mittagstunden und durch zunehmende Stcu- und Cu-Bewölkung. In diese flache
Kaltluftschicht stürzte die in der Höhe vermutlich instabil gelagerte kalte West-
strömung hinein, begleitet von der Gewittersturmböe, Der Anemograph von
Hamburg (Fig. 4) zeigt den plötzlichen Umsprung in der Böe von NE auf WSW
für die Dauer von 25 Minuten. Der vor und nach dem Gewitter gleichmäßige
Wind von 5 bis 7 m/sec schnellte dabei in einem einzigen Böenstoß bis 26 m/sec
hoch. In dem benachbarten Bergedorf sprang die Windstärke von 5 m/sec auf
171, m während der Böe. Mit diesem Einbruch der Kaltluft aus W aus der
Höhe stürzte in Hamburg die Temperatur zwischen 14 und 15 Uhr um 8.0°, in
Bergedorf um 7.3°. Sehr instruktiv sind die in Verbindung mit der Gewitterböe
auftretenden steilen Gewitternasen in den Barogrammen. In Hamburg schnellt
der Druck um 3,8 mm, in Bergedorf um 3.9 mm mit dem Einsetzen der Böe
hoch. Beide Gewitternasen zeigen aber verschiedene Struktur. Während in
Hamburg (Fig. 4) der Druckwert nach der Böe auf annähernd denselben Wert
innerhalb 1 Stunde steil zurückgeht, ist bei der Druckregistrierung in Berge-
dorf (Fig. 5) der absteigende Teil der Gewitternase unterteilt und bleibt auch
in seinem Endwerte um 2 mm höher als vor der Gewitterböe,
Am besten zeigt sich die mächtige Einwirkung des Kalıluftvorstoßes aus W
in den bei den Flugzeugaufstiegen von Hamburg am Tage vor und nach dem
Gewitter gewonnenen Temperatur- und Feuchtigkeitsregistrierungen, Am 21, VI
war Sonntag, es fand kein Höhenaufstieg statt.
In der nachfolgenden Tabelle sind in den ersten drei Horizontalreihen die
Temperatur- und Feuchtigkeitswerte von den Aufstiegen am 19., 20. und 22,
wiedergegeben, in der 4. und 5. Reihe sind die Änderungen der Temperatur und
Feuchtigkeit vom 19. auf 20. bzw. 20. auf 22. VIIL zusammengestellt,
Aufstiege zu Hamburg vom 19, bis 22. VIH. 1932,
Boden | 500 | 1000 | 2000 | 3000 | 4000 | 5000 ; 5500
Temperatur in Celsiusgraden, relative Feuchtigkeit in %
% ° % ° % ° % © 3x %| ° %| ° %
18.3 2) 16.0 78138 84 13.0 60 7.9 52 16 52/- 81 64 ‘
23.9 © 28.0 50 23.7 4 172 38 93 37-07 E & „148 70
186 99| 18.6 68! 15.4 601 82 95) 10 87-41 75/- 6.2 75
ı (4330 m
+56 -20412,1 -28/+9.9 Me -22/+1.4 -15-09 - 3/- 32 -.
5.3 437 9.4 4+18 -83 +111-9.0 +57 -83 +50 -3.4 +26 -_
Datum
19./20. VII.
20.22. VL I
Aus dieser Zusammenstellung geht deutlich die dynamische Erwärmung und
damit verbundene Austrocknung der absinkenden Luftmassen am Gewittervortage
bis 3000 m hinauf hervor, Darüber erfolgt schon die Abkühlung. Im Laufe
des 21. VIII setzen sich dann die feuchten maritim-polaren Luftmassen bis 4000 m
hinauf durch und bedingen bei zunehmender Feuchtigkeit erhebliche Abkühlung.
3. Der Gewitterzug.
Wie aus der Karte der Isobronten (Fig. 6) zu ersehen ist!), setzte der Ge-
witterzug um 11 Uhr etwa 20 km westlich der Ems ein, um 11.30 Uhr hatte er
die Ems bereits überschritten mit einer Zuggeschwindigkeit von 12!/, m/sec. Mit
einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 181/, m/sec war um 13.30 Uhr das
Wesergebiet erreicht, Nach einer weiteren Stunde, um 14,30 Uhr, gelangte das
Gewitter an die Unterelbe und hatte auf diesem Abschnitte 20 m/sec Zuggeschwin-
digkeit. Im Verlaufe der nächsten Stunde war die Linie Eutin— Lübeck erreicht,
wobei die durchschnittliche Geschwindigkeit im letzten Abschnitt sich auf 21 m/sec
gesteigert hatte. Über See löste sich dann der Gewitterzug auf. Die Böen-
wirkung am Boden (die von den Gewittermeldestationen angegebenen Böenstärken
1) In dankenswerter Weise stellte das Preuß, Met, Institut dem Verf, die Gewittermeldungen
aus Nordwestdeutschland zur Verfügung.