162 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1933,
Schiffahrt benutzt werden (Nebelsignale), haben den Nachteil, daB eine genaue
Bestimmung der Richtung nicht möglich ist. Optische Verfahren (gasgefüllte
Leuchtröhren, wie sie zur Zeit zur Befeuerung von Flughäfen dienen) können
nur bei schwachem Nebel befriedigend arbeiten. Versuche mit Infrarotstrahlen,
die von vielen Seiten für die Nachrichten- und Sicherungstechnik vorgeschlagen
wurden!)?)®%), haben gezeigt, daß auch diese Strahlen ähnlich dem normalen Licht
von Nebel und Regen zerstreut und absorbiert werden. Aus dem gesamten
elektromagnetischen Wellenband bleiben also nur die Wellen oberhalb der In-
[rarotgrenze übrig. Da die Wellen über 3 m dem allgemeinen Nachrichtenverkehr
dienen, erscheint es zweckmäßig, die Brauchbarkeit des restlichen Bandes von
0.01 bis 3 m für den vorliegenden Zweck zu untersuchen,
Im folgenden soll über Ergebnisse von Versuchen berichtet werden, die seit
einigen Jahren von dem Laboratorium für drahtlose Telegraphie Werner Lu-
denia, Berlin-Steglitz, durchgeführt wurden‘).
Seit den Versuchen von Hertz ist bekannt, daß die kurzen elektrischen
Wellen große Ähnlichkeit mit den Lichtwellen haben. Mit steigender Frequenz
der elektrischen Wellen wächst vor allem die für den vorliegenden Zweck sehr
vorteilhafte Bündelungsfähigkeit. Allerdings nehmen zugleich die Schwierig-
keiten zu, ausreichende Energien und damit brauchbare Reichweiten zu erzielen,
Die Frage nach der günstigsten Wellenlänge ist also eine reine Energiefrage.
Die gerade noch (energiemäßig) mögliche kürzeste Welle wird stets die geeig-
netste sein. Nach untenhin dürfte die Grenze bei etwa 0,01 m liegen, da dann
schon wieder Absorptionserscheinungen eintreten,
Infolge der optischen Eigenschaften der Hertzschen Wellen liegt es nahe,
sie als Ersatz des Lichtes bei optischen Leuchtfeuern zu verwenden. Dies ist
jedoch nicht ohne weiteres möglich. Versuche haben gezeigt, daß die Brenn-
weite der zu verwendenden Spiegel ein vielfaches der Wellenlänge betragen
muß*). Bei den bisher mit genügender Energie erreichbaren Wellenlängen bis
etwa 0.2 m würden die Spiegel dann zu große Dimensionen annehmen. Es gibt
nun zwei Möglichkeiten, mit Hilfe von Hertzschen Wellen Leitlinien bzw. Leit-
sektoren wie beim Licht zu erzielen. Erstens die Verringerung der Wellenlänge
bis etwa 0.01 m. Hier dürften jedoch die technischen Schwierigkeiten sehr hoch
sein. Die andere Möglichkeit besteht in der Anwendung von Differential-
methoden, wie sie bei längeren Wellen bereits früher verwendet wurden (Kiebitz-
Scheller). Der Grundgedanke ist hierbei folgender: An zwei verschiedenen Stellen
befinden sich zwei genau gleichstarke Sender, die abwechselnd komplementäre
Morsezeichen (z. B. a und n) aussenden. Befindet sich nun der Empfänger in
gleicher Entfernung von beiden Sendern (also auf der Leitlinie), so hört man
keine Morsezeichen, sondern einen Dauerstrich. Entfernt man sich von der
Leitlinie, so tritt das eine bzw. andere Morsezeichen hervor. Bei dem Versuch,
die beiden Felder mit Hilfe von Hertzschen Wellen zu erzeugen, zeigten sich
jedoch sehr erhebliche Schwierigkeiten. Praktisch ist es nämlich nicht möglich,
zwei Hertz-Sender genau gleichstark zu halten und die geringste gegenseitige
Energieschwankung hat eine Verschiebung der Leitlinie zur Folge.
Es sollen nun Geräte beschrieben werden, deren Wirkungsweise auf einer
neuartigen Differentialmethode beruht. Hierbei ist die äußerst gefährliche Ver-
schiebung der Leitlinie (infolge von Energieschwankungen) dadurch unmöglich
gemacht, daß zur Erzeugung der beiden Felder nicht zwei, sondern nur ein Er-
reger benutzt wird. Dieser Erreger bewegt sich um die Brennachse eines Hertz-
Spiegels und strahlt in zwei Stellungen Wellen aus, die von dem Spiegel in zwei
verschiedene (in der Horizontalebene liegende) Richtungen zurückgestrahlt werden.
Somit entstehen durch ein und denselben Erreger zeitlich nacheinader zwei räum-
lich verschiedene Felder. Im Empfänger sind daher kurz nacheinander zwei
‘) G. Gresky, Über die Verwendung sichtbarer und unsichtbarer, insbesondere ultraroter Strahlen
tür Nachrichtenübermittlung und Verkehrssicherung. Phys. Zeitschrift Nr. 5, 1931. — 2% G. Gresky,
Ultrarote Strahlen in der Nachrichtentechnik und im Sicherungswesen. — %) F. Schröter, Hertzsche
and infrarote Strahlen als Nachrichtenmittel, E, N. T. 1930, Heft 1. — 4) W. Ludenia, Reichweiten-
rersuche mit Zentimeterwellen, E,N.T. 1929, Heft 6.